Alles nur Statistik: Trugschlüsse beim Bloggen

Wie lange hatte es mich eigentlich angetrieben, wegen irgendwelcher Zahlen zu bloggen? Am Ende war es alles nur Statistik, was mich da antrieb. Seit ich-weiß-nicht-wie-vielen Jahren lunze ich nicht erstmal auf irgendwelche Graphen, um einen Artikel zu schreiben. Dennoch kann man sich nicht so richtig davon frei machen. Denn es ist ja irgendwie so, dass alles mögliche irgendwelche Statistiken mitbringt. Ob man das nun gut oder schlecht findet, es ist halt so.

Was funktioniert und was nicht

Dir erzählt man in Bezug auf das Bloggen, dass du immer wieder gucken musst, was funktioniert und was nicht. Da kommen irgendwelche Leute um die Kurve, die da behaupten, dass du nach deinen Aufrufzahlen gucken musst und anhand dieser Zahlen deine Nische finden musst. Echt jetzt? Muss ich das wirklich? Blogge ich nicht, weil ich unbedingt irgendwas erzählen will? Am Ende ist doch so eine Denke nichts anderes als alles nur Statistik. Jaja, ich weiß schon: Die lügt ja nicht.

Das ist doch irgendwie alles daneben. Na klar, ich habe auch so Statistiken am Start. Aber ich palavere dennoch einfach so drauflos. Ob ich mehr „Erfolg“ hätte, wenn ich strategischer vorginge und mich mehr nach Aufrufen richten würde, wage ich mal zu bezweifeln. Denn es ist leider so, dass Lesende merken würden, wenn ein Artikel nicht mehr aus dem Herzen käme, sondern der Grund für einen Artikel alles nur Statistik wäre. Nach 17 Jahren kann ich das wohl ganz gut einordnen.

Also: Was funktioniert und was nicht? Mir sind ja Artikel am liebsten, in denen ich irgendwas von mir gebe, was mich derzeit beschäftigt. Und genau das ist es, was das Bloggen ausmacht. Wäre meine Strategie alles nur Statistik, würde ich an der Startseite extrem viel rumschrauben und pausenlos über die Band „Disturbed“ und über Nick Cave erzählen. Ehrlich, wer hat denn darauf Lust? Deshalb ist mir das eigentlich auch alles komplett wumpe.

Wofür ich dann überhaupt Statistiken nutze, höre ich euch fragen. Ich habe irgendwann mal damit angefangen. Und ich finde es interessant, da mal nachzusehen, was euch so interessiert und von wo aus ihr meine Artikel aufruft. Ich nutze dabei Matomo, wie ihr wisst. Ach, und nebenbei habe ich Statify im Einsatz. So richtig kann ich mich nicht entscheiden, was besser ist. Daher sind beide hier am werkeln. Aber viel Gehirnschmalz stecke ich da nicht rein. Und das wisst ihr auch aus all den Jahren hier.

Das Dashboard ist alles nur Statistik

Das ist alles nur Statistik

Das Dashboard in meiner WordPress-Installation ist alles nur Statistik, wenn ich das so zusammenschiebe, wie ich es im Screenshot zeige. Da ist einmal all das, was im Fediverse bezüglich meines Blogs passiert. Das kommt vom ActivityPub-Plugin. Naja, und mein Spamwächter „Antispam Bee“ zeigt mir auch ganz freundlich, was er alles so geblockt hat. Ach, und Matomo und Statify habe ich euch ja oben genannt. Ich habe ehrlich nicht an die Statistik vom Fediverse gedacht.

Machen wir uns mit solchen Grafiken denn da nicht selbst verrückt? Wenn ihr euch Matomo und Statify anguckt, dann sehen die Statistiken irgendwie unterschiedlich aus. Keine Ahnung warum. Soll ich denn da alles einzeln durchgehen? Warum soll ich das machen? Dass „Antispam Bee“ immer lustig zeigt, wie sehr der Wächter geschwitzt hat, war mir ja klar. Die Frage ist halt: Brauche ich diesen ganzen Schmus? Es ist ja am Ende vor allem so:

Das Fediverse funktioniert auch ohne irgendein tieferes Engagement von mir. Wozu dann Statistiken? Das Gleiche gilt doch auch für Antispam und so, oder? Mit ActivityPub 8.1.0 wurden die Statistiken überhaupt erst eingeführt. Aber was soll mir das denn an Mehrwert bringen? Und wie ihr an der Statify-Statistik seht, ist die halt so vollkommen nichtssagend. Aus diesem Grund mache ich dann am Ende eigentlich folgendes:

Die Anzeige der Elemente im Dashboard kann ich ja anpassen über „Ansicht anpassen“. Und dort habe ich mal die Fediverse-Statistiken und Statify ausgeblendet. Ich brauche nicht so viel. Statify lasse ich aber dennoch weiterhin neben Matomo laufen, und zwar in der Artikelliste. Mal gucken, vielleicht wird das Plugin ja mal wieder weiterentwickelt. Denn ehrlich gesagt, ist mir Matomo auch zu viel. Ich will ja davon weg, dass alles nur Statistik ist. Aber soweit bin ich halt noch nicht.

Und also…

Tjoar, wie das eben immer so ist: Was ist denn jetzt die Erkenntnis? Schreibt doch einfach drauflos. Es ist kein Bloggen, wenn alles nur Statistik ist. Ich rannte den Zahlen vor Jahren mal hinterher. Und so ähnlich war das auch beim Uwe. Man tut sich aber keinen Gefallen. Deshalb muss man sich nicht darauf verlassen. Ja, grundsätzlich geht es auch komplett ohne diese lustigen Grafiken. Ich guck die mir aber gern mal an. Ja, lacht nur, ich bin halt so. Aber ich richte mich halt nicht mehr danach.

Es ist ja kompletter Blödsinn. So wie ich blogge, bringt mir das ohnehin nichts ein. Und dafür mache ich das auch nicht. Die letzte theoretische Einnahmequelle, der Zählpixel der VG-Wort, zählt auch nicht mehr genügend Aufrufe, dass ich von dort ein paar Kröten zur Unterstützung für den Blog bekomme. Hier habe ich mich schon belesen, wie ich den Kram dann langsam mal zurückbaue. Aber die Aufrufzahlen will ich mir dennoch weiter angucken. Aber nein, hier wird halt doch nicht alles nur Statistik sein.

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9 Kommentare zu „Alles nur Statistik: Trugschlüsse beim Bloggen“

  1. Hallo Henning,
    ich denke nicht, dass man das so pauschal sagen kann. Du meinst, man bloggt aus einem Mitteilungsbedürfnis? Das mag stimmen. Aber, ja, nun kommt doch tatsächlich ein … Ja, aber nur, wenn es ein rein privater Blog ist. Ich blogge aus zwei Gründen, und um es kompliziert zu machen: Diese Gründe vermischen sich sehr oft in meinen Blogbeiträgen. Grund 1 hast Du treffend getroffen. Ich habe etwas mitzuteilen. Grund 2 ist dabei aber schnöder. Er ist monetärer Natur, denn da geht es um Reichweite für das, was in mir mindestens genauso brennt, wie das Bloggen. Ich bin Romanautorin und schreibe für mein Leben gerne Geschichten, und damit die nicht zu einem Kostengrab werden, brauche ich Reichweite. Diese beiden Gründe führen dazu, dass mir meine Statistiken doch sehr wichtig sind. Ich möchte schon wissen, wie gut ein einzelner Artikel von mir performt, wie es neudeutsch heißt.
    Klar, beim reinen privaten Bloggen wären mir die Statistiken egal, aber da ich keine Zeit und Lust habe, zwei Blogs zu führen, finde ich Statistiken schon interessant. Wenn man gelernt hat, sie zu lesen, kann man da so einiges erfahren. Ob es über Bots, Trafficspitzen wegen des gewählten Themas oder weiß-der-Geier-was ist. Statistik kann, wenn man sich nicht von ihr vereinnahmen lässt, ein Hilfsmittel sein. Eines, das ein privater Blog sehr wahrscheinlich nur braucht, wenn es mit dem Blog einige Probleme gibt, weil zu viele ihn aufrufen zum Beispiel.
    Was ich damit sagen möchte: Alle Dinge haben zwei Seiten. Und aus privater Sicht, würde ich Dir recht geben. Aber im professionellen Bereich, muss ich Dir leider widersprechen. Nicht weil es falsch ist, was Du schreibst, sondern weil ich den Gedankengang schlichtweg nicht vorfinde. Und wieder die Dualität: Soll ich jetzt gegenangehen oder den Beitrag gut finden?
    Ich entscheide mich für den Königsweg: Ich schlage vor, dass man den Gedankengang einfach mal erweitert. Ich meine nicht, dass Du Deinen Beitrag umschreiben musst. Vielmehr schlage ich vor, dass der Gedankengang um Statistik von jedem Leser hier für einen ganz persönlich erweitert wird.Denn auch als professioneller Blogger mit monetären Absichten gilt doch die Frage nach Datensparsamkeit. Welche Daten brauche ich wirklich, welche Statistiken sind wirklich aussagekräftig.
    Liebe Grüße
    Daira

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    • Ein fantastischer Kommentar, liebe Daira. Nun ja, mit meiner Musik würde es sich ja grundsätzlich auch so verhalten wie bei dir mit den Romanen. Aber am Ende ist es eben meistens nur das Gefühl, was gerade so im Blog abgeht.

      Da hat sicherlich jeder seine eigene Vorstellung. Und was die Thematik der Datensparsamkeit betrifft, so sind es doch Tools wie Google Analytics und Matomo, die einen riesigen Popanz aufziehen, ersteres sogar mit fragwürdigen Datenreplikationen. Und da stellt sich ernsthaft die Frage, ob man das alles wirklich braucht.

      Mir ging es im Artikel auch darum aufzuzeigen, dass manches Plugin oder Tool einfach mal so dann mit Statistiken um die Kurve kommt. Und da weiß ich echt nicht, ob mir das so gut gefällt. Daher habe ich ja auch die Statistik für das Fediverse und dann halt auch Statify im Dashboard ausgeknipst. Man muss es ja auch nicht übertreiben.

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  2. Wenn ich mein Schreiben monetarisieren wollte, wäre ein Blog wahrscheinlich die schlechteste Idee. Dann müsste ich dorthin, wo das potentielle Publikum sich aufhält: Instagram und co. „Der Köder muss dem Fisch schmecken“.

    Für mich ist ein Blog einfach ein Ort, wo ich OHNE Geschäftsideen Sachen schreiben oder bei anderen lesen kann.
    Ich will keine Bannerwerbung oder Cookie-Einwilligungen, nur weil ich lesen möchte, was mein virtueller Gegenüber schreibt. Ich möchte kein potentieller „Kunde“ sein.

    Und da ich meine Leser auch nicht als Kunden betrachte, brauche ich auch keine Statistiken. Und ich schreibe auch nicht für „meine“ Leser, weil es die gar nicht gibt.

    Manche Blogposts bekommen über Rivva oder UberBlogr ihre Leser, andere über Suchmaschinen, andere über Feedreader, und andere gar keine. Für mich ist das perfekt so.

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    • Ja, genau. Und deshalb ist es eben doch wahr, dieses „Weniger ist manchmal mehr“. Es passt sicherlich nicht überall. Aber bei übertriebenen Statistiken dann halt schon.

      Bloß gut, dass ich keine Werbung hier schalte. So kann ich auf Auswertungen dahingehend getrost verzichten. Ist auch schön.

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  3. ich blogge jetzt seit 2004 – damals habe ich nur aus spass was gemacht – später hatte ich 6 jahre einen blog bis 2012 der hatte so 60’000 leser am tag und ich habe 5-10 artikel rausgehauen – das war ein spass. damals als ich noch jung war hatte ich pfeffer im arsch und seit damals gibts leute die mich hassen weil ich sie mal aufs korn genommen habe.

    dann 2013 habe ich mit dem chefblogger angefangen und bin jetzt auf so 35000-45000 unique leser am tag.

    warum ich die zahlen weiss? weil ich eine absolute statistik-bitch bin – ich liebe zahlen. aber ich habe noch NIE wegen zahlen gebloggt – sonst müsste ich nämlich viel mehr themen aufgreifen die ich nicht will und mehr nach diesen zahlen arbeiten.

    ich habe schon immer gerne gebloggt weil es spass macht oder weil ich themen interessant finde und etwas nicht vergessen will :) ja, ich habe schon immer mit als hauptziel genommen und niemand anders. wens anders wäre dürfte ich auch nicht youtuben – da bin ich ja auch ein kleiner furz.

    ich denke – beim bloggen gibts 2 gruppen von leute – da sind die leute die als allererstes einnahmen sehen und die verwenden dafür als basis die statistik und heute hauen sie nur noch ki artikel raus im dutzend. und dann gibts die anderen die einfach spass haben an diskussionen und spannende themen.

    bin ich sauer weil leute mit ki artikel tausende von € pro monat verdienen und sich als dicke blogger positionieren?

    nein, bin ich nicht. ich wünsce einfach allen leuten viel spass mit dem was sie machen – denn ich habe es

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    • Hach, deine differenzierten Einordnungen sind immer wohltuend, Eric. Klar, ich kann auch die Zahlen im Auge behalten, mach ich auch manchmal. Aber ich hab mir das verkniffen, nach denen zu bloggen. Das war ein Denkfehler, den ich mir vor Jahren eingebrockt hatte. Da hatte man ja auch jedem erzählt, dass man mit einem Blog stinkreich werden könnte. Nachdem das bei mir nie der Fall war, hab ich das auf die Aufrufe geschoben und immer mehr nichtssagenden Kram verbloggt. Das würde ich heute nicht nochmal machen.

      Ich mache das inzwischen echt nur noch aus Spaß an der Freude. Daher muss ich auch im Dashboard nicht von allen möglichen Plugins irgendwelche Statistiken rumfliegen lassen. Das war der Gedanke bei dem Artikel.

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  4. Ich bin kein Zahlen-Nerd, aber ich finde das auch ziemlich spannend, wer wann wie auf meinen Blog guckt, welche Artikel doch immer wieder gefragt sind und wie sich meine Zahlen so verändern. Das habe ich auch wieder in kurz zu unserem 2. Bloggeburtstag gezeigt. Aber ich würde deswegen trotzdem nicht anfangen, nur wegen der Zahlen, zu schreiben. Auf Dauer gehen einem da mit Sicherheit die Themen aus und es wird langweilig. Dann doch lieber so schreiben, wie einem der Mund gewachsen ist und einfach nur beobachten, wie die Leute darüber denken ;-)

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