Blogger-Ghosting: Wenn sie einfach weg sind - Bild von Pedro Figueras auf Pixabay

Blogger-Ghosting: Wenn sie einfach weg sind - Bild von Pedro Figueras auf Pixabay

Blogger-Ghosting: Wenn sie einfach weg sind

Könnt ihr euch irgendwas unter dem Begriff „Blogger-Ghosting“ vorstellen? Ja, das Ghosting an sich ist jetzt nicht neu. Aber was ist denn das mit den Bloggern? Es gibt dabei gleich ein paar verschiedene Auswüchse. Und darüber müssen wir uns mal kurz unterhalten. Ich will dabei allerdings niemandem auf den Schlips treten. Ich will es halt einfach nur verstehen. Es gibt da Blogs, die man sehr gern liest oder gelesen hat. Was passiert denn nun mit denen? Fragen über Fragen. Ich fange dann einfach mal an, darüber zu labern.

Was meine ich mit Blogger-Ghosting?

Bevor ich einfach mal aufschreibe, was mir alles so untergekommen ist, müssen wir uns mal darüber unterhalten, was ich eigentlich mit Blogger-Ghosting meine. Bei Ghosting an sich macht jemand einen schlanken Fuß, der mit irgendwem irgendeine Art Beziehung angefangen hat. Diese Menschen sind dann einfach mal weg, ohne Ankündigung, ohne irgendeine Kommunikationt vorher. Das Ganze geht auch bei Auftraggebern, die nach dem Auftrag weg sind. Oder Bewerber, die nie wieder auftauchen.

Ghosting ist eine ganz blöde Geschichte. Denn es hinterlässt einen ganzen Haufen Leute ratlos. So, und jetzt stellen wir uns mal vor, wie das bei Blogs ist. Ich habe ja oben von irgendeiner Art Beziehung erzählt. Als Blogger gehst du auch eine Beziehung ein, nämlich mit deinen Lesern. Was meinst du, wie die sich fühlen, wenn dein Blog plötzlich tot ist? Unbekannt verzogen, still wie der Bergsee. Ach, und von den Bloggern selbst fehlt auch jede Spur. Also ich finde schon, dass das Ghosting ist.

Gibt es nichts mehr zu erzählen?

Ich vertrete ja immer und überall die völlig bescheuerte Idee, dass es schade um jede Geschichte ist, die nicht erzählt wird. Niemals habe ich damit gerechnet, dass einfach ein Blog verstummt. Der ist zwar vielleicht noch da und aufrufbar. Aber sonst? Tote Hose. Nicht etwa für ein paar Wochen oder so, da wäre ja alles gut. Aber wenn der letzte Artikel um die 2,5 Jahre alt ist, haben die Betreiber nichts mehr zu erzählen, oder? Aber ist das nicht Quatsch? Kommt mir nicht damit, ihr habt keine Zeit.

Wer meinen Blog verfolgt, weiß, dass ich a) schon längst nicht mehr täglich blogge, b) häufig auch mal themenfremd unterwegs bin und c) selbst einen ganzen Arsch voller Arbeit habe. Gerade wenn ich einen Blog mit meinem Namen im Titel und in der URL schreibe, finde ich doch eigentlich immer irgendwas zum Bloggen. Alles andere ist Blogger-Ghosting. Wenn ihr keinen Bock mehr aufs Bloggen habt, dann verabschiedet euch wenigstens anständig von euren Lesern. Das ist ja nicht zu fassen!

Wo sind sie hin?

Ich stehe im losen Kontakt mit einigen Bloggern. Sie und ich haben schon andere Auswüchse beim Blogger-Ghosting mitbekommen. Ich erinnere mich an einen Technik-Blogger, mit dem hast du an einem Tag noch im Gruppenchat über alles mögliche diskutiert und dich auf seinen sensationellen Blog bezogen. Am nächsten Tag war er weg: Blog weg, Social Media Accounts weg, Handynummer tot, Wohnung verwaist. Und das als allein erziehender Vater.

Andere sind von jetzt auf gleich abgetaucht und erzählen später, dass das ein Spaß war. Wieder andere machen ohne Erklärung ihre Blogs tot und lungern unsinnig in Social Media rum. Ich hatte mal eine Artikelserie namens „Bloggerfreunde“. Die Artikel findet ihr ja noch. Einige von den Blogs existieren nicht mehr, und ein Teil davon macht einfach mal Blogger-Ghosting. Leute, da werde ich einfach mal sauer. Auch hier gilt: Habt doch einfach den Anstand, euch von euren Lesern zu verabschieden.

Gibt es nicht noch andere Gründe?

Sicher, nicht jede Person, die mal einen Blog betrieben hat und es nun nicht mehr macht, macht einen auf Blogger-Ghosting. Das ist mir auch klar. In der oben genannten Serie kommt auch der BadaNIA-Blog vor. Der musste eingestampft werden, weil das Betriebssystem BADA von Samsung eingestampft wurde. Mittlerweile wurde der Blog aufgelöst. Aber die Tweets finden wir noch. Das da ist alles, aber kein Blogger-Ghosting, Freunde:

Wer das als Blogger-Ghosting bezeichnet, dem ist nicht zu helfen
Wer das als Blogger-Ghosting bezeichnet, dem ist nicht zu helfen

Und natürlich gibt es auch andere Gründe. Ich kenne Menschen, die können aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr bloggen. Bei anderen dauert es aus gesundheitlichen Gründen enorm lang. Ich weiß ja selbst, wie das war, als ich #uhlekaputt hatte. Und so schlimm es auch ist, wir müssen es benennen: Es gibt Blogger, die mitunter auch unerwartet sterben. Das hat aber alles nichts mit dem genannten Blogger-Ghosting zu tun.

Alle anderen, die aus unbekannten Gründen einfach mal so aufhören mit dem Bloggen und nicht mal irgendeine Notiz hinterlassen, sollten sich deshalb in Grund und Boden schämen. Es ist ja nicht schlimm, wenn man keinen Block mehr aufs Bloggen hat. Dann aber haut nicht einfach so in den Sack, sondern verabschiedet euch. Alles andere ist unanständig. Eure Leser fühlen sich dann nur verarscht.

Deshalb finde ich es immer wieder gut, wenn sich ein Blog neu erfindet und auf die aktuelle Zeit eingeht. So wie bei der Melanie und dem Thomas. Da wird auch mal hinterfragt, ob so ein Blog wie ihrer oder meiner noch zeitgemäß ist. Natürlich sind sie das. Sonst würden wir das nicht machen. Und wenn es dann doch nicht weitergeht, dann dürft ihr auch erwarten, dass wir Anstand haben. Aber so weit ist es noch nicht. Und Blogger-Ghosting kommt für mich halt nicht in Frage. Für euch etwa?

7 Kommentare zu „Blogger-Ghosting: Wenn sie einfach weg sind“

  1. Alles verändert sich. Auch das Bloggen und die ganze Szene.
    Viele kleine Blogs haben wegen der Bestimmungen der DSGVO aufgehört. Bei manchen hat Corona die Sichtweise verändert. Und viele – und ich auch – fragen sich, warum man wildfremden Menschen so viel über sich erzählen sollte.

    LG
    Sabiene

  2. Moin!

    Wow, da triffst du einen Nerv bei mir!

    Lass mich etwas ausholen:
    Ich blogge ja in einer sehr kleinen Nische: als Deutsche in Peking leben. Vorher hatte ich „immer“ schon von Hand gekettelte statische Seiten, die ab und zu um einen Reisebericht ergänzt wurden. Dann stand 2014 bei uns die Entscheidung an und ich habe mir die Finger wund gegoogelt, bis ich endlich einige wenige Blogs gefunden hatte, die immerhin Deutsch in China zum Thema hatten. Ich brauchte halt keine Reiseführer, ich wollte wissen, wie es ist, wenn man länger in China/Peking lebt. Gab es (von diesen dürren Ausnahmen abgesehen) nicht, also habe ich selbst angefangen. Dabei habe ich ehrlicherweise am Anfang gar nicht vorrangig an künftige Leser:innen gedacht (das hat sich mit der Zeit von selbst und durch die Resonanz ergeben), sondern tatsächlich ans Weblog und die Familie, wegen der Fotos war das ne bessere Wahl als ein E-Mailverteiler.

    8 Jahre weiter: die damals gefunden Blogs gibt es fast alle nicht mehr, einfach dicht gemacht (und das obwohl sie kostenlose Blogs bei WordPress bzw. Blogspot/Blogger waren), ein anderes hat vor über 4 Jahren den letzten Beitrag geschrieben und seit dem GHOSTING. Nur zwei (!) haben in den letzten Postings noch die Rückkehr nach Deutschland thematisiert, der eine hat „das Ende“ angekündigt und den Blog online gelassen, der andere schreibt nun über andere Themen. Beides finde ich gut, im Gegensatz zum Ghosting.

    Aber einfach dichtmachen? Weil man als Expat seine Zeit in China abgesessen hat und das mit der Rückkehr uninteressant ist? Nein! Es ist nicht uninteressant, das sind wichtige Erfahrungen, die anderen helfen können, informierte(re) Entscheidungen zu treffen. Das gilt nicht nur für die kleine Peking-Nische, das gilt für die unterschiedlichsten Themen. Es ist schade, wenn sowas dann einfach weg ist. Dazu kommt ja auch noch, dass man sich fragt: was ist aus den Leuten geworden, ist alles okay?

    Was die DSGVO angeht: die hat mich auch beschäftigt, aber „wegen der DSGVO schalte ich mein Blog ab“ habe ich in den allermeisten Fällen als vorgeschobenes Argument empfunden.

    Ein Argument, was wir gerade in diesen Zeiten gelten lassen müssen, ist wenn Menschen sich nicht mehr öffentlich angreifbar machen wollen und mit dem Bloggen aufhören. Dann versteh ich das (aber auch dann wäre eine kurze Notiz vorm Abschalten schön, naja, wenn die Kraft dafür dann reicht). Ich versteh es aber überhaupt nicht, wenn weiterhin auf Instagram (ausgerechnet) und Co. rumgepostet wird.

    Ups, sorry, lang geworden. Wie gesagt: hast nen Nerv getroffen.

    LG Linni

  3. Hi Henning,
    mir ist im privaten Bereich auch schon mal das Thema „Ghosting“ passiert: ein Freund aus Bundeswehrzeiten mit dem ich mich dort super verstanden hatte, hatte ich nach Jahren wieder gefunden. Wir trafen uns ein paarmal, es war wie damals – und dann von einem Tag auf den anderen ENDE! Anrufe nicht mehr angenommen, nicht zurück gerufen, bei whatsapp blockiert. Ohne dass ich mir einen Reim darauf machen konnte, denn das letzte Treffen war wie immer.
    Das hinterlässt dich ratlos. Weil Du es Dir nicht erklären kannst und immer die Schuld bei Dir selber suchst..
    Bei Bloggern habe ich das auch schon erlebt – aber es sagt schon einiges zu der Beziehung zwischen dem Blogger, seinen Lesern und seinem Sozialverhalten aus. Ich habe selber mal eine Pause eingelegt – mehrmals sogar. Dann gebietet es aber der Anstand, wenigstens einen Beitrag zu schreiben, der darauf hinweist, dass man sich eine Zeitlang – oder auch immer – zurückzieht. Der Blog ist ja danach noch online erreichbar und Stammleser werden das dann auch schnell gewahr. Außer dem plötzlichen Tod eines Bloggers ist so ein Ghosting nicht entschuldbar – das muss ich mal so klipp und klar sagen. In dem Moment wo wir anfangen zu bloggen haben wir auch eine gewisse Verantwortung dem Leser gegenüber – selbst wenn wir nur „für uns selber“ bloggen. Das ist aber Selbstbetrug – wer nur für sich selber bloggt, der stellt den Blog auf Privat und stellt ihn nicht ins Netz. Wer Probleme mit Kritik hat, der sollte nicht bloggen – als Blogger braucht man auch ein dickes Fell..
    Wer das nicht hat sollte wieder Tagebücher aus Papier benutzen und die unter dem Bett verstecken..
    CU
    P.

  4. Ja, Henning, ich kenne auch so einige Blogger*innen bzw. ein paar, die jetzt voll auf Instagram setzten. Aber das finde ich absolut doof. Wenn man schon einen Blog hat, sollte man dort auch weitermachen oder sagen: Hey, Leute, ich mache aus diesen Gründen auf Instagram weiter…

    So würde ich es zumindest machen. Ich mag es denn auch nicht, wenn Blogs ewig nicht aktualisiert werden. Klar sind private Blogs noch zeitgemäß. Meinen Blog gibt es am 18.09.2022 drei Jahre und ich denke noch nicht lange ans Aufhören. Das Schreiben macht mir nämlich immer noch sehr viel Spaß. Das ist mittlerweile mein Ding. Außerdem möchte ich Leute erreichen und zum Nachdenken bringen, über Behindertenthemen bzw. über Inklusion, die immer noch nicht so weit ist wie man denkt. Ich schreibe natürlich auch noch über andere Dinge.

    Lorenzo

  5. Ich finde diese Einstellung ist falsch. Sind diejenigen, die ihr Website ohne Ankündigung schließen irgendjemand verpflichtet? Müssen die irgendjemand fragen, ob sie die Seite vom Netz nehmen dürfen? Müssen die um Erlaubnis fragen, oder ihr Tun ankündigen? Ich denke, das muss keiner!

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