Blogger und die Glaubwürdigkeit

Niemand wartet auf deinen Text! Bämm, das sitzt! Blogger sitzen in der Patsche. Will wirklich niemand die Inhalte lesen? Auch nicht, wenn ich sie frisiere? Ist es denn wirklich schon so weit, dass man ausschließlich mit Texten gut ankommt, die für Suchmaschinen optimiert sind? Und was bitte machen Blogger dafür? Es gibt viele Blogger, die ein Glaubwürdigkeitsproblem haben. Und ehrlich, darüber müssen wir uns unterhalten.

Was zeichnet Blogger aus?

Ich weiß gar nicht mehr wie oft ich es schrieb: Es ist schade um jede Geschichte, die nicht erzählt wird. Blogger haben im Normalfall den Luxus gegenüber Redaktionen von Zeitungen, dass sie es sich leisten können, jedes noch so kleine Detail mit einem Artikel zu bedenken. Ich erinnere nur an das ganze Marktschreier-Gehabe der Technik-Blogs á la „Sehen wir auf den ersten geleakten Fotos das neue Flaggschiff von <Hersteller XYZ>?“ oder so.

Das hat sich ja größtenteils gegeben. Das ist auch gut so. Dennoch gibt es unfassbar viele Blogs, die ernsthaft glauben, sie könnten es in Sachen Webseiten-Aufrufen mit großen Verlagen aufnehmen. Da ist es doch viel schöner, wenn es die kleinen Geschichten gibt. Die kann man immer erzählen. Das tut auch nicht weh. Es geht dabei nicht um die Konsistenz des Stuhls. Es geht um die kleinen Alltagsgeschichten. Das macht doch die Blogs eigentlich aus.

Da muss nichts optimiert sein. Und wenn schon optimiert, dann aber wenigstens nicht so, dass man es sofort merkt. Das hat doch alles sonst nichts mehr mit dem Bloggen zu tun. Wir müssen uns immer vor Augen halten, dass das Bloggen eine Leidenschaft ist. Das sollte immer im Vordergrund stehen. Und dabei darf man Fehler machen. Mehr noch: Ich will keine getrimmten Hochglanz-Blogs, ich will die kleinen, nicht perfekten Blogs.

Wie kam ich darauf?

Es ist nun einmal so, dass es unfassbar viele Blogs gibt. Und es wird immer schwerer, für sich etwas lesenswertes zu finden. Das heißt nicht, dass es viel mehr Mist gibt. Ich meine damit, dass die Auswahl um ein vielfaches größer ist. Ich bin in so Diskussionsforen drin, in denen solche Themen auch diskutiert werden. Dann aber mehr unter der Überschrift: „Wie oft soll ich ein Keyword nennen, um gut zu ranken?“

Ernsthaft? Spielt denn wirklich der Rang in der Suchmaschine irgendeine Rolle? Und erreicht man nicht etwa einen guten Platz, indem man sich wirklich Mühe mit seinem Inhalt gibt? Ist es nicht besser, Erkenntnisse, Lösungen und Hinweise zu geben, statt sich mit dem geilsten Keyword der Menschheitsgeschichte auseinander zu setzen? Zumal ja die künstliche Intelligenz von Google, Bing und Co. längst auf Inhalte statt auf Optimierungen guckt.

Bevor man sich also damit befasst, wie man am besten die Suchmaschinen austricksen kann, um weit oben in den Suchergebnissen zu stehen, sollte man sich mit der Art und Weise beschäftigen, wie man bloggt. Lieber einen Text weniger schreiben, dafür aber auf Marketing-Gewäsch verzichten. Und man darf auch gern ehrlich bloggen. Dann hat ein Blogger auch kein Problem mit der eigenen Glaubwürdigkeit. Aber wem sage ich das?

2 Kommentare

  1. Moin Henning,

    ein Artikel, wie aus meinen Gedanken kopiert.

    Ich beobachte diese „Geilste-Überschrift-mit-drölf-ultimativen-Tipps“ schon länger. Darunter folgt dann meist ein „Mindestwortzahl erreichen“ Beitrag, der erschrecken oft gruselig zu lesen ist. Aber Hauptsache die Keywordkombination wurde 27 mal genutzt.

    Leider driften auch einige, ehemals wunderbare Blogs irgendwann in diese Schiene ab. Das Problem dabei ist, es scheint teilweise zu funktionieren. Ich hatte bei mir mal einen Test gemacht, zumindest mit x-Tipps-Überschrift. Der Artikel gehört zu den meistgelesenen bei mir. Allerdings habe ich abgesehen von der Überschrift und der Aufteilung in x-Tipps meinen Schreibstil usw. durchgezogen.

    Trotzdem war das nicht meines und ich habe beschlossen, sowas nicht (ständig) zu machen.

    Ich schreibe meine Artikel immer noch so runter wie zu Anfang meiner Bloggerzeit. Inhaltlich sind die Beiträge sicherlich reifer geworden. Ich versuche halt nicht nur zu erzählen, sondern die Beiträge auch mit ein paar Tipps für andere Reisende/Fotografierende anzureichern.

    Dabei optimieren ich meine Texte dann auch, beim schreiben direkt. Aber weniger auf ein Keyword (das erstmal zu recherchieren habe ich mal gemacht, ist mir zu mühselig), eher auf einen thematischen Kontext. Wenn ich über Objektive schreibe, achte ich darauf, Informationen passend zum Thema mit einfliessen. Denn das würde ich als Leser auch erwarten und nicht die Wortphrase „optimales Objektiv“ an allen möglichen und unmöglichen Stellen.

    Natürlich soll man das so nicht machen, sagen einige Experten. Es funktioniert aber auch, manchmal. Da ranken plötzlich Artikel, bei denen ich nie damit gerechnet habe. Andere, wo ich mir Hoffnungen gemacht habe, versinken auf Seite 37 bei Google. Naja, ist dann halt so. Aber unterm Strich passt es für mich schon.

    Und ich verstosse noch gegen viel mehr Punkte, die man angeblich nicht machen soll, wenn man gewissen Blog-Gurus glauben will. Z.B. das Thema „Such Dir eine Nische“, dass ich ja grandios und mit voller Absicht ignoriere und über x Themen bei mir schreibe.

    So, und was ist das Ende vom Lied. Ständig steigende Zugriffszahlen, in Regionen die ich mir niemals hätte träumen lassen. Recht viel Feedback von den Lesern. Also alles in allem, eine einzige Freude.

    Ich denke, ein Teil der Problematik kommt dadurch zustande, dass immer mehr BloggerInnen von ihrem Blog leben wollen. Und das ist der Moment, wo man es den Artikeln anmerkt, dass sie geschrieben werden weil sie gelesen werden müssen. Jeder Klick auf den Blog kann ich Schritt zur nächsten bezahlten Mahlzeit sein. Und es gibt nur sehr wenige BloggerInnen, dies es schaffen, vom Blog zu lesen und trotzdem noch authentische Beiträge zu schreiben.

    LG Thomas

  2. Hallo Henning,
    ich habe es als authentic bloggerin zwischen den vielen Influencern manchmal nicht so einfach. Und trotzdem werde ich nie und nimmer zu 100 Prozent SEO-optimierte Artikel schreiben, auch wenn ich mir mit Google Adsense einen kleinen Nebenverdienst sichere.
    Genau so, wie du es beschreibst, ist es bei mir: Ich blogge aus Leidenschaft. Es ist kein Beruf, sondern eine Berufung!
    Und somit ein Muss, flüssig zu schreiben, um die Menschen zu erreichen, die ich erreichen will!
    Ohne geschäftliche Strategie außer der, seiner Zielgruppe gerecht zu werden!
    Das handhabe ich seit Jahren so und meine Leser danken es mir.
    Als Contentwriterin von Beruf ist es mir allerdings in Fleisch und Blut übergegangen, kleine Teilüberschriften zu setzen.
    Bei sehr langen Texten ist das übersichtlicher.
    Trotzdem darf ein Beitrag niemals durch extreme Keyword-Optimierung regelrecht zersetzt werden, dass liest sich seltsam und ich persönlich lese so einen Blog auch nur einmal!
    Danke für deinen Beitrag, finde ich gut, dass mal jemand darüber schreibt.
    Liebe Grüße aus dem Leipziger Land 🌸 Astrid.

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