Reden wir über Blogsichtbarkeit. Ein wichtiges Thema, wenn es darum geht, was diese albernen Blogs überhaupt noch in der Weltgeschichte tun. Denn man ist ja heutzutage „auf Insta“, „im Fediverse“, sonstwo. Ja, es geht darum, wozu wir das mit diesen so genannten Blogs noch tun, wo ja doch niemand diesen Kram liest. Der Martin war’s, der hat das Thema angezündet. Ich hänge mich nur dran, weil ich auch was dazu zu sagen habe. Und so funktioniert das mit dem Blogdingsbums.
Und was steht so in diesem Blog?
Seit ich im Mai meinen Blog umgezogen und mein Matomo dabei leer gemacht hatte, gab es knapp 57000 Besuche hierher. Matomo hat dabei mitbekommen, dass 243 davon aus dem Fediverse kommen. Na klar, Matomo bekommt nicht alle Zugriffe von dort mit. Aber eins ist klar: Meine Blogsichtbarkeit lässt da ganz schön zu Wünschen übrig. Mal im Vergleich dazu: Über den RSS-Feed kamen weit über 5000 Zugriffe zustande, von denen Matomo weiß.
Blogs finden im Fediverse nicht so wirklich statt. Ja, natürlich gibt es viele Menschen, die Blogs via Mastodon folgen, dem ActivityPub sei dank, und das möchte ich auch nicht missen. Aber ich habe schon diverse Male den Vorschlag bekommen, dass ich doch meinen Blog komplett ins Fediverse schmeißen soll, da man ja sonst nicht mitbekommen würde, was hier alles so geschrieben steht. Wollt ihr mich da eigentlich auf den Arm nehmen?
Es gibt viele Menschen im Fediverse, die Nutzer anderer Plattformen auslachen und behaupten, dass diese nicht mehr dazu in der Lage seien, auf Links zu klicken. Und dann soll man seinen Blog ins Fediverse kippen, weil man sonst dort nicht stattfinden würde? Merkt ihr selbst, dass ihr da nicht besser seid, oder? Ihr wollt meine Artikel komplett in der Mastodon-Timeline lesen, nur um auf keinen Link mehr klicken zu müssen. Ist es das? Nee, ohne mich.
Die Blogsichtbarkeit fällt der Aufmerksamkeitsökonomie zum Opfer
Neulich habe ich auf Mastodon mal geschrieben, dass ich es einfach ablehne, dort lange Texte zu lesen, weil ich sowas eher im eigenen Blog sehe. „Schade, sehr schade, dass du da so ablehnend bist“, war da die Reaktion. Ich bin doch da nicht ablehnend. Ich habe aber das Verständnis, dass ich dort eher keine Textwüsten sehe. Was ist so schlimm daran? Oder habt ihr Sorge, dass ihr auch keine Blogsichtbarkeit mehr habt? Ich hab euch ja mit Zahlen gezeigt, dass das gar nicht sein muss.
Ich werde es nicht nochmal verlinken, aber mein Verständnis von Internet ist so, dass mein Blog meine Homebase ist. Die Jahre des Social Media Vagabundierens haben mir gezeigt, dass das meine Heimat ist. Ich habe viele, ganz wunderbare Texte in der Timeline bei Mastodon mitbekommen. Es müsste halt eine Möglichkeit geben, diese festzuhalten. Ach, wenn es doch nur sowas wie diese – dings – Blogs gäbe. Aber da schlägt die Aufmerksamkeitsökonomie knallhart zu.
Deshalb will ich diese wunderbaren Texte auch nicht dort lesen, sondern da, wo sie hingehören, im eigenen Blog. Und über die Veröffentlichung eines solchen Textes will ich per RSS informiert werden. Per RSS werden auch alle möglichen Aggregatoren informiert, und so käme ein Austausch über solche wunderbaren Texte und eine echte Blogsichtbarkeit zustande. Wenn ich irgendwas bei Mastodon hinrotze, sind das nur ein paar Worte. Ein Blogartikel ist ja dann eine ganz andere Nummer.
Und was ist nun so schlimm daran?
Ich habe es so oft mitbekommen, dass Menschen im Fediverse sich aufgespielt haben, als seien sie die besseren Menschen im Vergleich zu Twitter Usern, Facebook Usern oder sonstwem. Ach, und das Fediverse an sich ist ja ein so viel besserer Platz als alle anderen Plattformen zusammen. Deshalb muss der eigene Blog ja auch komplett ins Fediverse – also nicht nur per automatischer Posterei, sondern vollständig. Und dann merkt man: Ey, die sind bei Mastodon alle nicht anders als woanders.
Ich habe immer schon die Auffassung vertreten, dass meine Inhalte maßgeblich hier im Blog stattfinden. Das war schon so, bevor ich vom Fediverse etwas mitbekommen hatte. Jaja, ich Hinterwäldler, was will ich denn eigentlich? Und als Blogger willst du natürlich eine gewisse Blogsichtbarkeit erreichen. Ich habe es echt schon bei den „Alleswissern“ im Fediverse erlebt, dass ich geschrieben habe: „Da habe ich auch was dazu erzählt: <LINK>“. Die Reaktion: „Und was steht da?“
Insofern sind die User überall alle gleich. Sie wissen einfach nicht, wie man mit einem Link umgeht. Oder anders: Es ist ja nicht nur Unwissenheit, die man ja ausräumen könnte. Es ist auch glatter Unwillen, weil ja im bösen, bösen Blog irgendwas schlimmes lauert. Und es ist das überall vorkommende Doomscrolling. Dann macht einfach so weiter. Ihr schadet damit aber der Blogsichtbarkeit. Und das ist wiederum ein Schaden für das freie Internet. Und das ist schlimm. Oder etwa nicht?






@henning-uhle.eu Die einzigen, welche heutzutage noch Blogs lesen, ja förmlich verschlingen, sind die KI-Scraper, welche den Inhalt anonym als ihre Denkleistung anbieten. 🤬
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Das ist deine Meinung. Aber ich würde nicht darauf wetten. Aber selbst wenn: DAS ist der Grund, warum man einen Link im Fediverse sieht und dann fragt, was da steht? Echt jetzt?
@henning-uhle.eu Ich sehe es in meinem Logfiles… Ausschließlich maschinelle Zugriffe.
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@henning-uhle.eu – «Insofern sind die User überall alle gleich. Sie wissen einfach nicht, wie man mit einem Link umgeht.» Erstaunlich, ja, aber so ist es wohl. Ich beobachte auch eine Abnahme digitaler Basiskompetenzen und dass 'das Internet' zunehmend in spezialisierten Apps statt im Browser stattfindet. Demzufolge sind viele Menschen schon durch einfache Herausforderungen bei der Nutzung einer Website überfordert.
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wenn die Menschen zu blöd und zu faul werden, soll man sich ihnen anpassen und ihnen die Zückerlis in den Mund stecken?
Nee, wenn die Leser zu blöd sind und zu faul, dann sollen sie das Hirn einschalten – tut gar nicht weh.
Mal davon ab: die Dumpfbacken werden immer was zu jammern haben.
Wer meine Inhalte haben will, der bekommt sie auf meinem Blog: schön layoutet, mit Grafiken und erklärenden (nicht immer perfekten Videos) – und nur dort. Diskussion darüber unerwünscht und zwecklos!
Gab vor Jahren schon mal die Diskussion bei so Schlaumeiern, die sich darüber aufregten, dass in meinem Feed nur ein Auszug des Beitrags wäre. Sie hätten ja tausende von Blogs in ihrer Leseliste und das wäre zeitlich zu aufwändig auf den Link zu klicken.
Da gibt es eine ganz einfache Lösung: schmeiss die anderen tausende Blogs aus dem Reader und folge nur mir – dann hast Du genug Zeit und kannst meine Inhalte in Ruhe genießen.
Ich mache mir über so eine Scheiße gar keine Gedanken mehr. Ich blogge seit über 25 Jahren – das müssen andere erst mal hinkriegen..
Hach, der Dr. Nerd wie immer sehr passend. Wir sind da inhaltlich gar nicht so weit auseinander. Ist doch auch was schönes.
Ich hab zwar einen Mastodon-Account, in den ich ganz gelegentlich was poste, aber nahezu nie mit irgendeiner Resonanz – deshalb lasse ich das mittlerweile meist weg. Dass die Leute nicht auf Links klicken, verstehe ich nicht, denn mir stellt sich NIE die Frage, WO ich etwas lese, sondern lediglich: Interessiert es mich oder nicht?
Warum halten das nicht alle so? Vielleicht hängt es damit zusammen, dass die meisten auf Smartphones lesen und dort das Aufrufen anderer Seiten per Link nicht ganz so schnell und geschmeidig läuft – oft muss man warten, bis die Seite sich endlich aufbaut.
Da ist durchaus was dran. Aber ich denke halt auch, dass es mit der Aufmerksamkeit an sich zusammenhängt. Keine Ahnung, wann das angefangen hat. Aber vor Jahren hat man noch anders gelesen als heutzutage.
Aktuell scheint sich ein Trend abzuzeichnen, dass Links zu Blogs im Fediverse wenig geklickt werden. Henning und Martin beobachten das Phänomen, was ich hier in den Statistiken auch sehen kann. Seit Monaten nehmen die Klickzahlen von Mastodon ab. Nun dachte ich bisher immer, dass es an meinen belanglosen Beiträgen liegt. Aber jetzt fallen mir im Nachgang, einige Diskussionen ein. Diese habe ich im Laufe der letzten 2 Jahre bei Mastodon geführt. Themen waren: Warum teilst Du nicht Deinen kompletten Beitrag hier im Fediverse. Ich klicke auf keine Links, das ist ja ein Medienbruch. Ok, kann man so sehen. Dann sollte man aber den Ruf nach dezentralisierten Inhalten im Web zügig einstellen. Wenn wir am Ende doch wieder alles auf eine Plattform kippen, sind wir alle nochmals am Arsch, wenn diese Plattform dann wegbricht oder in irgendeine Schmuddelecke abdriftet. Dazu kommt, dass gerade Mastodon nicht dafür geschaffen ist, ellenlange Texte ins Netz zu stellen. Wenn dieser dann noch mit Fotos, an den passenden Stellen (z.B. ein Reisebericht) versehen werden soll, ist es ganz vorbei mit den Möglichkeiten. Ich kann es ja verstehen, wenn Menschen keinen Bock auf Links haben, die auf Seiten mit drölfzehnhundert Trackern leiten. Da habe ich auch keinen Bock drauf. Aber auf normale, meist private Blogs? Wo es schlimmstenfalls mal ein paar Affiliate-Links oder Ad-Banner gibt (bei sehr vielen auch gar nichts). Schmeißt Euch einen Ad-Blocker in den Browser und gut ist. Das freie Netz, was sich viele zurückwünschen, kann nur mit dezentralen Inhalten auf vielen Plattformen funktionieren. Ein Teil davon ist sicher das Fediverse mit all seinen Möglichkeiten. Aber auch Blogs, Foren, RSS und andere technische Möglichkeiten sollten dazugehören. Und der Weg Nummer 1, all diese freien Inhalte miteinander zu verknüpfen, ist nun mal der gute alte Link. Ich kann es gar nicht verstehen oder nachvollziehen, woher die Abneigung kommt, mal einen Link zu klicken und auf einer anderen Plattform ausführliche Inhalte anzuschauen. Für mich ist das eine alltägliche Selbstverständlichkeit, wenn ich im Netz unterwegs bin. Ok, ich kann es auch verstehen, wenn Leute generell keine Blogs lesen wollen oder speziell meinen Blog doof finden. Da bin ich absolut fein mit. Kleiner Nachtrag: Wer das jetzt hier als Aufregen oder Herumweinen betrachtet, hat weder meinen Blog, mich als Mensch oder meine Beiträge bisher verstanden und interpretiert da was rein. Wenn ich mich aufrege, liest sich das deutlich anders.
Mein Hightlight ist immer noch „Mein Blog auf Insta“.
Naja, jeder, wie er will. Mein Blog bleibt bei mir. Ich mache mich nicht von Diensten unabhängig, um mich den nächsten an den Hals zu werfen.
Verstehe einer, was da die Denke dahinter ist. Aber der „Blog auf Insta“ ist tatsächlich immer wieder großartig.
Nee, hier ist meine Homebase. Ende der Geschichte. Es ist mir ein Rätsel, wieso man denkt, dass es praktischer ist, einen Blog in einer Timeline untergehen zu lassen.
Es ist ja schon ein wenig komplizierter, weil Mastodon ja ungleich mit dem Fediverse ist. Längere Texte, die dir auf Mastodon angezeigt werden, können durchaus in einem Blog geschrieben sein, halt einer, der komplett im Fediverse intigriert ist. Write freely zum Beispiel, ist eine Blogsoftware, die aber eben komplett mit dem Fediverse verbunden ist. Die Grenzen verschwimmen hier also durchaus, es ist aber durchaus auch bei vielen Plattformen möglich, die Beiträge auch im Feedreader angezeigt zu bekommen.
Ich teile viele Blogeinträge im Fediverse. Klar, viele klicken die Links einfach nicht, aber verwundert es einen wirklich? Ich meine, eine Netzwerk ist immer das, was die Nutzer*Innen daraus machen. Twitter war also das, was die Nutzenden daraus gemacht haben und im Fediverse ist es genauso.
Mir erschließt sich der Sinn dahinter nicht. Wir wollen alle einen auf „dezentral“ machen, und dann hängen wir unsere Blogs komplett ins Fediverse.
Stell dir mal vor, ich hätte einen 3000- oder 4000-Worte-Artikel. Ich würde damit ja Timelines verstopfen. Dann lieber anteasern und verlinken. Dann muss man als jemand, der wissen will, was der Teser bedeuten mag, halt auf den Link klicken.
Naja, das Fediverse ist ja dezentral. Jeder kann seine eigene Instanz hosten, so wie ich es mache, oder sich eben bei einem Anbieter ein zu Hause suchen. Ich glaube, dass das große Missverständnis ist, dass das Fediverse als Ersatz für Twitter gesehen wird, also als Microblogging-Dienst. Mastodon ist ein Microblogging-Zugang zum Fediverse, aber Write Frely zum Beispiel, was ich oben schon erwähnt habe, ist ein Blogzugang zum Fediverse, es gibt auch Forensoftware und Co.
Jetzt soll jeder das Fediverse so nutzen, wie er*sie es mag, nur durch die vielen Möglichkeiten, die das Fediverse bietet, wird es halt nie eine strikte Trennung geben und es kommt ja ganz auf den Zugang an, ob ein längerer Beitrag dann was verstopft oder ob er so aussieht, wie ein Blogartikel aussehen soll.
Ich habe gerade den Artikel von Tommi mit dem Titel Dezentralisierung gerne – aber bitte ohne Links und Klicks gelesen. Es geht darum, dass Mastodon-Nutzer nicht gerne auf Links von Blogartikeln klicken. Martin und Henning hauen in die gleiche Kerbe. Als ich die Artikel gelesen habe, kam mir auch gleich der Gedanke, dass ich sehr […]
Solche Kommentare sehe ich jetzt öfter, sie enden mit […], gehen also irgendwo weiter. Wo? Kann mich da bitte jemand aufklären? Der Namenslink führt jedenfalls nicht zur Fortsetzung, sondern zu Eriks Blogstartseite. Und einen anderen Link sehe ich nicht.
Interessant, das ist mir noch gar nicht aufgefallen.
Wusstet ihr eigentlich, dass ich ein Narzisst bin? Ja, ernsthaft, so wurde ich neulich in diesem so genannten sozialen Netzwerk namens Fediverse, genauer auf Mastodon,…