Ein Blog und viel Theater

Diese Webseite hier ist ein Blog. Also genau ein Stück Blog. Mir ist es herzlich egal, was ihr davor hinbaut. Und das ist das Theater dazu. Ich weiß ja, wie das im deutschsprachigen Raum ist. Alle Jubeljahre entflammt sich mal wieder eine ziemlich absurde Diskussion darüber, ob es nun „der Blog“ oder „das Blog“ heißt. Ich weiß, dass ihr mir jetzt unterstellen werdet, dass ich die Vermännlichung des Begriffs fordern würde, weil ich halt normalerweise „der Blog“ schreibe. Aber ist das wirklich so?

Orrr, guck mal: Ein Blog

Wie kam ich denn darauf? Irgendwie ist wieder diese selten verrückte Diskussion aufgeflammt, ob ein Blog nun männlich oder sächlich ist. Und eine weibliche Form? Merkt ihr selbst, oder? Der Norbert hat das exakt so kommentiert. Einigen wir uns doch auf „ein Blog“. Sonst hätte ich dann vielleicht auch „die Blögin“ gern gesehen. Leute, können wir mal bitte alle mit diesem Affentheater aufhören? Ich kenne ja selbst solche komischen Auswüchse.

Da erhielt ich Nachrichten in die Richtung „Der Artikel XYZ war zwar ziemlich gut, aber es heißt ‚Das Blog‘, sonst kann ich dich nicht ernst nehmen“. Fragt mich nicht nach dem genauen Wortlaut oder wer das geschrieben hat. Es ist auch egal, da es nur ums Prinzip geht. Ich bin da ja ganz einfach gestrickt. Ich fühle mich halt einfach wohler, wenn ich schreibe, dass „der Blog“ im April 17 Jahre alt werden wird. Mir ist es auch ehrlich gesagt ziemlich wumpe, ob sich jemand vom Artikel getriggert fühlt.

So nimmt uns doch niemand ernst

Als Blogger ist es immer so, dass du ein wenig wunderlich wirkst. Wie ein übrig gebliebener Triceratops aus einem Land vor unserer Zeit. Und dann willst du als seriös durchgehen und streitest dich dann, ob ein Blog einen männlichen oder sächlichen Artikel bekommt. Man kann uns nicht ernst nehmen. Mir schwant da, dass deshalb so wenig junge Menschen bloggen, wie es der Marco festgestellt hat. Dabei hat ein Blog bis heute eine enorm wichtige Funktion.

Mit einem Zeitstempel – deshalb ist für mich das Erscheinungsdatum auch so wichtig – wird ein Zeitdokument festgehalten, ein Snapshot eines kleinen Ausschnitts der Welt. Und dieses Dokument hilft, die Menschheitsgeschichte nicht vollständig von wild gewordenen KI-Systemen umschreiben zu lassen, wenn es dem Betreiber grad passt. Dazu muss man als Blogger auch irgendwie zum Anfassen sein. Deshalb will ich ja auch von euch als Personen lesen.

Wie Lorenzo, der seit längerem mit Schmerzen zu kämpfen hat. Man drückt ihm die Daumen, dass ihm seine persönlichen Umstände nicht allzu sehr mitspielen. Oder der Tommi, dem die Psyche immer mal wieder das Leben schwer macht. Dem kannst du auch nur Glück wünschen, dass er da Hilfe bekommt. Diesen Blogdingsvollschreibern ist doch vollkommen scheißegal, ob ein Blog nun der, die oder das davor hat. Und diese Menschen sind auch echt.

Deshalb halte ich so eine Diskussion immer für ziemlich idiotisch. Aber es gibt sie halt immer wieder. Wir Menschen mit Blogs sind halt seltsam. Hört einfach auf mit so einem Quatsch. Ich plädiere dafür, dass wir wie die englischsprachigen Blogger ein unproblematisches „the“ nehmen. Damit ist dann alles abgefrühstückt, und wir können wieder unsere Snapshots unserer kleinen Welt machen. Das ist viel besser, oder?

Einfach mal weitersagen

15 Gedanken zu „Ein Blog und viel Theater“

  1. Die Medien- und Marketingbranche haben „den Blog“ später eingeführt, als Blogs schon längst etabliert waren.
    Davor war klar und nie diskutiert, dass „Blog“ eine Abkürzung des zuvor üblichen Begriffs „Weblog“ ist. Also „das“, weil sächlich. Nämlich von „Logbuch“ abgeleitet. Also „das“, weil sächlich. Niemand hat je „der Weblog“ oder „der Logbuch“ gesagt.

    Oder ist etwa aus „das Automobil“ per Abkürzung „der Auto“ geworden?

    Aber spätestens, seit es auch und vor allem in den englischsprachigen Ländern bei vielen vor allem aus der Medienwelt üblich geworden ist, mit „einem Blog“ oder „der Blog“ einen einzelnen Artikel/Beitrag IN einem Blog zu bezeichnen („XY hat einen Blog zu diesem Ereignis geschrieben“), hab ich jede Hoffnung auf sprachliche Konsistenz bei „Blog“ aufgegeben und amüsiere mich nur noch darüber.

    Also fürderhin meinetwegen Singular „der Blog“ und Mehrzahl dann bitte aber auch „die Blögge“ oder „die Blögger“. Weil „die Blogs“ die Mehrzahl von „das Blog“ ist.

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    • Ich glaube, genau deshalb ist es eben auch egal, welchen Artikel man davor pappt. Für mich selbst fühlt es sich ungewohnt an, „das Blog“ zu erzählen. Aber wer bin ich denn, deshalb da ein Fass aufmachen zu wollen?

      Aber „die Blögge“ und „die Blögger“ sind auch gut. Vielleicht dann doch eher „die Blog“, da das vielleicht dann die Kurzform für „Webseite zum Behufe des Abladens von Blogartikeln“ wäre.

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  2. Diese Diskussion ist doch soooo alt und ebenso überflüssig. Vielleicht einigen wir uns auf die Ruhrpott-Variante?

    Dem Henning sein Blog. Oder dem Frau-Melli-ihrem-Mann seinen Blog. :-)

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  3. der blog :-)
    als bayer sage ich aber auch „der radio“, was soll’s? „das blog“ klingt für mich wie das westfälische „das blag“, scherzhafter begriff für kleine kinder.

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  4. Der, die, das… bei Wörtern, die aus einer Sprache ohne dieses Klassifikationssystem stammen, ist die Zuordnung immer künstlich, ein Behelf, der uns ermöglicht, das Wort in unsere Sprache einzubauen, um darüber nicht schweigen zu müssen. Gerade einige englische Begriffe des Computerzeitalters habe ich regional schon mit allen möglichen Artikeln gehört, und das auch von Fachleuten. Die E-Mail? Das E-Mail? Der E-Mail (selten)? Die URL? Der URL? Man versteht sich trotzdem, obwohl es lange dauern kann, bis sich eine der Formen wirklich durchsetzt. In genau diese Kategorie gehört auch: Der Blog? Das Blog?

    Wer daraus einen Fetisch macht, soll bitte mal mit klar deutschen Wörtern anfangen. Hier im Norden sagt man »der Tunnel« mit Betonung auf der ersten Silbe, aber im Süden sagt man öfter mal »das Tunnel« mit Betonung auf der letzten Silbe, was ich geschrieben immer ein bisschen verstörend fand. Wir sprechen nun einmal kein Dudendeutsch mit lichtdurchglissen reiner Grammatik, wenn wir einander etwas mitteilen wollen. Das soll ja auch kein Computer parsen, das ist für Menschen, die viel schlauer und empfindsamer als ein Computer sind. Zum Ausgleich dafür (und als Strafe für jeden Menschen, der meine wunderhübsche Muttersprache erlernen will) können wir sogar neue Wörter erfinden, die irgendwie trotzdem verstanden werden. Etwa ein Adjektiv »lichtdurchglissen«.

    Manche Leute scheinen wirklich nicht zu verstehen, warum ein Mensch bloggt. Wenn die dann auch noch Blogger sind…

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    • „Was macht das Licht?“ – „Es gleißt durch die Grammatik.“

      Ich habe ja auch gemeint, dass man das Ganze nicht so hoch hängen sollte. Und das war mir halt einen ganzen Artikel wert.

      Die Schweizer sagen „das Mail“. Ich habe aber auch statt „das Telefonat“ oder „der Anruf“ auch schon „das Telefon“ gehört. So sind halt die sprachlichen Eigenheiten.

      Und du hast vollkommen Recht: Es ist nun mal kein Wort aus der deutschen Sprache. Da ist es immer schwierig mit Artikeln. Ich habe es zu einem anderen Kommentar geschrieben: Machen wir doch einen auf „Hier, dings“. Damit ist alles gesagt.

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  5. Immer wieder erstaunlich, welche Fässer so aufgemacht werden in Bloglanden…..
    Dass es darüber eine Diskussion gibt, ist zum Glück bisher an mir vorbeigegangen. Ich hab mal überlegt, was ich so sage. Instinktiv sage ich meistens „der Blog“ – wenn ich in Ruhrpottsprech verfalle, sage ich aber immer „Datt Blog“ .
    Mit meinem Mann zusammen habe ich noch einen kleinen Logbuch-Blog für unsere Bootsreisen – der heißt bei uns immer das Blog, wahrscheinlich weil da das Logbuch im Kopf rumschwirrt.
    Ich glaub, ich schließ mich Tommi an und wäre für „dem sein oder der ihr Blog“ – Hier, Dings gefällt mir aber auch.

    Davon ab, gefällt mir Deine Definition authentisches Zeitdokument außerordentlich gut.

    Liebe Grüße und Glückauf für alle Blogs
    Britta

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    • Wie gesagt, es ist unterm Strich eigentlich auch wumpe. Aber es gibt halt auch jede Menge Besserwisser in der Hinsicht.
      Da wir ja alle mehr oder weniger Ohne-finanzielles-Interesse-bloggende-Menschen sind, könnte man auch „Das Blögchen“ einbringen.

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