Das Internet, wie man es heutzutage kennt, ist strukturell kaputt. Warum? Weil die Funktion von Links niemand mehr ernsthaft brauchen wird. Das ist ja gar nicht böse gemeint. Die meisten Menschen auf diesem Planeten sind in irgendeinem sozialen Netzwerk unterwegs und / oder benutzen die Google-Suche, die überwiegend nur noch diese KI-Zusammenfassungen bietet. Niemand muss mehr irgendwo hinklicken. Geil, oder? Naja, oder eben nicht. Oder doch? Denn man kann da was machen.
Die Bedeutung von Links
Was habe ich jahrelang irgendwelche Sprücheklopfer mitbekommen, die irgendwas von „Linkjuice“ von sich gegeben haben. Als ob das die große Masse jemals interessiert hatte. Wie auch immer. Als ich vor 75 Jahren nach Leipzig zog Als ich mit dem Internetten anfing, gab es unfassbar viel gutes Zeug in diesem so genannten Internet zu lesen. Hat man einen guten Text gefunden, waren da irgendwo Links eingebaut. Wer drauf klickte, kam an noch viel mehr Informationen.
So konnte man viel Zeit darauf verwenden, einen Sachverhalt zu recherchieren. Das hatte mir damals während meiner Umschulung extrem geholfen. Ich musste mich sauer in das neue Berufsfeld Fachinformatiker reinarbeiten, und dabei war das Lesen von Texten unerlässlich. Und naja, ohne Links von einem Text auf den anderen wäre ich vermutlich nie so weit gekommen. Denn Informatik war bis zu meiner Umschulung so gar kein Thema für mich. Ich war Schlosser.
Time goes by. Social Media griff irgendwann um sich. Erst ging das Alles seinen Gang. Irgendwer hat etwas dorthin geteilt, andere klickten drauf und konnten sich informieren. Dann fingen die Biester an, irgendwelche Tags anzuhängen, Facebook-IDs, z.B. Und was meinen Blog betrifft, so ging das dann soweit, dass Links zu meinem Blog immer unsichtbarer wurden. Aber man hatte ja die Suchmaschinen. Suchmaschinenoptimierung, you know? Bis dann irgendwann die KI-Zusammenfassungen kamen.
Es ist praktisch gar nicht mehr notwendig, für ein spezielles Koch- oder Backrezept den Blog einer Köchin aufzurufen, die den Blog liebevoll pflegt. Nein, Google liest das alles aus und wirft es dir vor die Füße. Klar, es passieren jede Menge Fehler bei diesen Zusammenfassungen. Aber ich muss ehrlich sein, für einen groben Überblick reicht das oftmals tatsächlich aus. Also sind Links komplett egal, weil sowieso niemand mehr darauf klickt oder klicken muss. Schließen wir unsere Blogs also.
Müssen wir schon wieder umdenken?
58% aller Zugriffe hier im Blog kommen von Suchmaschinen. Es waren mal über 70%. Das passt dann irgendwie hier dazu. Ich will mich da gar nicht beschweren, denn die eigentlichen Aufrufzahlen sind ungefähr gleich geblieben, wenn nicht sogar gestiegen. Das heißt, dass immer weniger Menschen in Suchmaschinen auf Links zu meinen Artikeln klicken. Klar, die KI-Zusammenfassungen erledigen die Recherche. Also mehr oder minder.
Fassen wir also mal zusammen: Auf Social Media – egal, wo – klickt niemand mehr auf Links. Suchergebnisse werden so aufbereitet, dass auch kein Klick auf Links mehr erfolgen muss. Am Ende müssen wir also dahingehend umdenken, dass wir eben noch viel weniger auf Social Media und auf Suchmaschinen vertrauen, sondern mehr unsere eigene Community und echte Verlinkungen stärken. Das ist auch das Ergebnis, auf das Thomas – letzter Link – kam.
Erzählt den Leuten davon, wenn ihr auf eine spannende Webseite gestoßen seid. Nein, es muss nicht meine sein. Schickt euren Freunden, der Familie, den Kollegen Links. Nehmt Suchmaschinen, die euch nicht alles vorkauen, denn die verschlucken sich gern mal daran. Und wir Schreiberlinge? Setzt doch um Himmels Willen Links auf das, worauf ihr euch bezieht. Und zeigt den Plattformen und Suchgiganten den Stinkefinger. Wir müssen einfach zeigen, dass es auch ohne sie geht.


![[Umfrage] Wie kommen Links im Artikel am besten an? Binäre Daten - Bild von Gerd Altmann auf Pixabay](https://www.henning-uhle.eu/wp-content/loadingstructure/2015/10/binaere_daten.jpg)



@henninguhle ja, die Frage ist ob das moderne Web 2.x mit seinem HTTP/2, javascript, CSS,… ein guter Fortschritt war…
Ich habe auch noch gute Erinnerungen an die http/1.1 Zeit.
Wo man Browser noch ohne Webblocker, Scriptblocker, Drittquellenblocker betreiben konnte und eine Webseite nicht den x-fachen Umfang der Bibel beim initialen Laden hatte…
Ach wo. Links werden vielleicht weniger angeklickt als früher, aber sie bleiben die Grundlage des Internets. Aber zum Thema. Gerade Blogger sollten wieder lernen, echten, ehrlichen Mehrwert zu bieten, der über eine schnelle Zusammenfassung hinausgeht. Denn in vielen Blogs sehe ich nur noch Quantität, keine Qualität. Und dann die Aussage, in sozialen Netzwerken klickt niemand mehr auf Links. Das mag vielleicht auf allgemeine Weblogs zutreffen, ohne Meinung, ohne Überzeugung, ohne Auffassung. Wer das aber vertritt, wie es speziell Nischen- oder Themenblogs tun, der bekommt auch Zuspruch oder auch Gegenrede in sozialen Netzwerken. Und somit auch Klicks.
Was allerdings passiert ist, dass sich Diskussionen in soziale Netzwerke verlagert haben. Aber das hat eher was mit den Wunsch nach direkter Interaktion und Bequemlichkeit zu tun.
So, jetzt erstmal eine Antwort auf diesen Kommentar, Maik.
Naja, das mag hier und da schon stimmen, dass es die nischigen Dinge sind, die Anstürme erleben. Aber ich bin da ehrlich: Es ist ja nicht nur bei mir so, dass aus Social Media UND von den Suchmaschinen noch gewaltige Zugriffe erfolgen. Ich habe hier einen ganzen Supermarkt an Themen, nicht nur einen Bauchladen. Aber ich verfolge auch diverse Themenblogs, die exakt das Gleiche erleben. Was die KI-Zusammenfassung predigt und was die Aussage im Teaser-Text bei Social Media ist, reicht offenbar vielen aus. Und das ist es, was nicht nur ich beobachtet habe.
Apropo direkte Interaktion und Echtzeit. „Dein Kommentar wartet auf Freischaltung“ ist das Gegenteil davon. Und sich dann wundern, wieso Blogs immer unsichtbarer werden.
Dass ein Kommentar wartet ist mir eher ein Zeichen dafür, dass dass der Bloginhaber/Schreiber darauf achtet, dass es in seinem „Wohnzimmer“ nicht zugeht wie auf dem Bahnhofsvorplatz. Solche Verfahrensweisen sind mir deutlich lieber als der ganze (oft ja auch automatisierte) Mist, der sonst ungeprüft durchgeht.
Was „Diskussionen“, die sich in soz. Netzwerke verlagern, angeht: Ich bin inzwischen nur noch bei Bluesky. Und was das für Diskussionen sind, die sich da in 300 Zeichen maximaler Beitrags“länge“ auftun, spricht für sich.
Ich empfinde Blogs, noch dazu mit „moderierter“ Kommentarfunktion, als durchaus gemütlich(er). Mag am mittlerweile bald biblischen Alter liegen, aber für mich fühlt es sich wirklich so an. ;-)
Danke für die Einordnung.
Ja, und was die Diskussionen angeht: Das ist doch echt in Social Media lange vorbei. Und wenn, wird es ziemlich schnell unsachlich.
Möchtest du in deinem Blog unkontrolliert alles zulassen? Ich nicht. Beleidigungen, Hetze und all das hat bei mir nichts verloren. Das mag für dich nicht zutreffen. Und wenn du in Zukunft kommentierst, wird dein Kommentar auch freigeschaltet, wenn du dich wie ein Mensch aufführst. Das zu kritisieren, ist doch wirklich an den Haaren herbeigezogen. Sorry.
Kommentare sind bei mir noch nie in irgendeiner Warteschleife oder Moderation gelandet. Wieso auch. Etwa kein Vertrauen in Deine Leser?
Zumal, und da bin ich wieder beim Thema, Blogbeiträge eh kaum noch kommentiert werden. Und wenn dann ist es eh die eigene Blase, die meist Zuspruch hinterlässt.
Ich empfinde es eher als Verantwortungsbewußtsein, wenn sich wer die Mühe macht und darauf achtet, was möglicherweise abgeladen wird. Und wenn es in der eigenen „Bubble“ – glücklicherweise! – harmonisch-freundlich zugeht, lohnt es sich umso mehr, eben diesen Zustand zu bewahren.
Für mich ein Grund, in Blogs zu lesen. Oder, so wie hier, ganz selten auch mal was abzusondern. Alles andere findet man in den „sozialen“ Netzwerke zur Genüge.