Mein Blog, meine Homebase – 25 Jahre Medienwandel

Ihr kennt das von mir: Mein Blog ist meine Homebase. Mir ist komplett wumpe, was aus all den Plattformen wird, so lang diese Seite existiert. Ich mache mal wieder bei den BlogWochen2025 mit. Und in denen geht es darum, was in den letzten 25 Jahren bei all dem Medienwandel aus den Blogs geworden ist. Sind sie etwa die einzige Konstante? Und wenn ja, warum? Hier sind schon ein paar kluge Wortmeldungen abgegeben worden. Ich will nun auch meinen Senf dazu geben.

Mein Blog ist meine Homebase. Punkt.

Als ich vor 75 Jahren nach Leipzig zog… Nein, anders. Es war der 17. April 2009, als ich hier den ersten Artikel rausgeballert hatte. In den Achtzigern hatten wir „unsere DDR“, der liebste „Arbeiter- und Bauernstaat“. In den Neunzigern kamen die Tunichtgute, die plattmachten, was ging, und den Rest wegschleppten. Ich wurde zum Industriemechaniker ausgebildet, hatte aber mit dem fachgerechten Zerlegen (mit dem Schneidbrenner) eines Chemiewerks zu tun. Und ich machte Musik mit dem Amiga.

Während der Bundeswehrzeit lachte ich mir einen Knieschaden an, der mich bis heute verfolgt und der mich 2003 bis 2005 in eine Umschulung zum Fachinformatiker zwang. Zwischendurch ging der Amiga kaputt und meine musikalischen Ambitionen in Rauch auf. Und im Januar 2008 ging meine Domain auf Sendung. Ich hatte aber keine Lust mehr am Herumfummeln, und so kam es zur WordPress-Installation, aus der dann dieser erste Artikel entsprang.

Seit über 16 Jahren mache ich das nun hier. Ich habe die VZ-Netzwerke sterben gesehen, die Lokalisten kamen und gingen, Facebook fraß sie alle auf. Twitter wurde zu X, aus OpenBC wurde Xing, LinkedIn wurde von Microsoft gefressen, Pinterest gab es auch mal, ebenso MeWe und wie sie alle hießen. Mein Blog war immer da, die ganze Zeit. Und so ist das auch mit dem Fediverse. Das kann doch da sein, aber es ist eben nur eine Beimischung. Und das war immer mein Weg.

Aber ist ein Blog nun eine Konstante?

Zuerst einmal: Ich verwende seit 16 Jahren die Formulierung „der Blog“. Andere nutzen „das Blog“. Das ist das Verfluchte an der deutschen Sprache. Weder andere noch ich verunglimpfen sie. Mir geht nur „der Blog“ einfacher durch die Gedanken, von der Hand und über die Lippen, das ist alles. Das ist bei anderen anders, und das ist dann auch OK. Aber ich diskutiere nicht mehr darüber, OK?

Jedenfalls ist mein Blog schon meine einzig wahre Konstante im Internet. Tim Berners-Lee hatte den ersten Blog online. Der startete im November 1990. Am 13. November ist deshalb „Tag des Bloggens“, dieses Jahr der 25. Geburtstag des ersten Blogs, der schon lange nicht mehr existiert. Und deshalb philosophieren die Initiatoren der „BlogWochen2025“ – Robert, Benedikt und Dirk – von eben jener Konstante. Und ich kann jedem der Artikel etwas abgewinnen.

Natürlich ist ein Blog eine Konstante, und zwar für diejenigen, die ihren Blog betreiben. Mein Blog könnte verschwinden, wenn ich keine Lust mehr hätte. Das meine ich. Nein, keine Sorge, das passiert nicht. Wie beim Dirk ist mein Blog mein ausgelagertes Gedächtnis, weil jeder Artikel eine Art Zeitzeugnis ist. Oder wie bei Benedikt ist das auch bei mir, es ist nämlich immer meine Sicht und meine Meinung. Robert sieht gleich mehrere Konstanten. Und auch hier kann ich nur zustimmen.

Es ist doch wie bei Herbert Grönemeyer: Bleibt alles anders? Ja, das ist tatsächlich so. Wenn sich Blogs nicht ständig verändern würden, wären sie wirklich lange vergessen wie die Lokalisten. Und nachdem mein Blog ans Fediverse gerückt ist, ohne von ihm gefressen zu werden, ist er auch noch vernetzter. Aber ich weiß nicht, ob ich weitergehen würde. Ob ich sagen würde, dass jeder bei mir zuhause willkommen ist. Denn nicht jeder ist ein positiver Geist.

Blogs müssen nicht erfolgreich sein

Steile These, ich weiß. Ich habe lange Zeit darauf Wert gelegt, dass mein Blog eine gewisse Reichweite hat. Ich hatte dazu eine Facebook Fanpage und später dann eine Facebook Gruppe. Ich habe Artikel x-fach auf den Plattformen geteilt und all das. Hat das eine Auswirkung gehabt? Nein, denn ich habe mich da nur unter Druck gesetzt. Mein Blog funktioniert irgendwie am besten, wenn ich mir nicht vornehme, „The next big thing“ aufzuschreiben.

Ich weiß schlicht und ergreifend, dass es hier den einen oder anderen Artikel gibt, der eine unfassbare Reichweite erzielt hat. Aber nicht, weil ich den wie die ganzen Labersäcke der SEO-Höllen empfahlen getrimmt hatte, sondern weil das jeweilige Thema wohl auch andere interessiert hatte. Mal ehrlich, das kann kein Mensch beeinflussen. Darum sehe ich SEO auch irgendwie skeptisch. Und es interessiert auch überhaupt nicht beim Bloggen.

Ich hatte sonstwas an Claims unter meinem Namen stehen. Dass da seit längerem steht „Es waren nicht alle so“ bedeutet halt, dass ich immer so bloggen will, dass ich mir auch am nächsten Morgen noch im Spiegel in die Augen gucken kann. Das ist quasi der einzige Erfolg, den ich selbst messen will. Ja, klar, Statistiken habe ich auch am Laufen. Aber sonst? Was definiert denn Erfolg beim Bloggen? Mein Blog funktioniert auch so.

Mein Blog war für mich immer meine Spielwiese, mein Platz für Gedankenexperimente, mein Tagebuch, meine Gedächtnisstütze… Nehmt, was ihr wollt. Aber mein Blog ist meins. Und das ist – glaube ich – die größte aller Konstanten. Was immer sich irgendwelche Leute einfallen lassen, ich habe diese kleine, feine Domain hier, und das ist mir genug. Und wie seht ihr das?

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