Könnt ihr schon die Vibes spüren? „I’m vibin‘, I’m vibin‘, aha, yeah“. Leute, nehmt mal weniger von dem Zeug, das ihr euch täglich einpfeift. Mich nervt das unfassbar ab. Ich wollte dazu schon länger was aufschreiben. Jetzt hat der Gunnar dazu den letzten Stein des Anstoßes geliefert. Danke Gunnar! Reden wir über all die Dummschwätzer im Internet. Ihr seht unten die ganzen Schlagwörter zum Artikel. Das sind schon ein paar, weil ich halt überall viben kann. Öhm, sorry, was dazu sagen kann.
Vibes, wenn du nix weißt
Bin ich froh, dass ich mich nicht mehr auf LinkedIn rumtreibe. Ich konnte ja noch nie so sonderlich viel mit leeren Worthülsen anfangen, das wisst ihr ja. Aber was dort jetzt an Vibes versprüht wird, geht auf keine Kuhhaut. Aus der vielsagenden „Mindset Shift“ wurde laut Gunnar alles mögliche, was mit Vibes zu tun hat. Meine Fresse, geht mal an die Luft. Es ist die gelebte Inhaltsleere, die sich hinter dem Wort zu verstecken versucht. Und ich lache solche Leute nur noch aus.
Man übersetzt das Wort mit Stimmung, Gefühl, Atmosphäre, Einstellung, Schwingung, je nachdem, und außerdem übersetzt man es mit – öhm – Vibes? Habt ihr alle ne Meise? Was soll das Dummgeschwätz? Sie nebeln einfach mal mit Gedankenfürzen aus der Worthülse um sich und sehen da gar nichts bedenkliches darin? Es ist das LinkedIn-gewordene „Vision, Passion, Purpose“ eines meiner früheren Arbeitgeber. Und der Gunnar erlebt das Alles sogar noch in Zoom-Dingens-Meetings.
Dieser komische Leitspruch von damals wird von einer beliebigen KI beschrieben mit „Er beschreibt ein kraftvolles Trio für Motivation und Richtung, wobei die Vision das langfristige Ziel oder Zukunftsbild darstellt, die Passion die treibende emotionale Energie und Begeisterung liefert und der Purpose (Sinn) der tiefere Grund oder das „Warum“ ist, das alles zusammenhält und Orientierung gibt, ähnlich einem Kompass“. Und ich möchte mir einfach die Augen ausstechen.
In der Musik ist das auch so
Wie ihr wisst, mache ich nebenbei Musik. Elektronische Musik. Ich will dabei kein Jean-Michel Jarre werden oder ein „Mega-selling Dancefloor Act“, was auch immer das sein soll. Ich habe Spaß dabei, und das lasse ich mir auch nicht kaputt machen. So, und dann guckst du YouTube-Videos, in denen Menschen erklären, wie man „Musik wie XYZ“ macht. Die hauen da irgendeinen Drumloop in ihre Software, lassen den laufen, nicken im Takt mit dem Kopf und murmeln in die Kamera:
I’m vibin‘, I’m vibin‘, aha, yeah
Geht’s euch noch gut? Aber die Vibes werden dann erst recht versprüht, wenn sie dann anfangen, irgendeinen belanglosen Kram darauf zu programmieren. Das klingt dann wie der achthundertfünfundneunzigste Abklatsch irgendeiner Fahrstuhl-Musik. Und das nennen die dann „World Class Music Production“ und wollen damit dann „Millions of millions of streams“ erreichen. Kein Witz, ich hab sowas echt mal geglaubt.
Und was wollen die mir überhaupt erzählen, wenn die in ihren Videos im Takt nickend „I’m vibin'“ brabbeln? Sie sind in Stimmung? Wozu sind sie das? Und welche Stimmung? Und das ist alles dieses inhaltsleere Gequatsche mit diesen Vibes. Wir sind in der Hölle der Selbstbeweihräucherung gelandet, hören belanglose Fahrstuhl-Musik und zünden Nebelkerzen, um uns zu betäuben. Da spiele ich nicht mit.
Gibt es einen Ausweg?
Sicher, ich habe bei meiner Beschreibung maßlos übertrieben. Es gibt bei diesen YouTubern durchaus extrem wertvolle Tipps zur Musikproduktion. Davon habe ich auch schon etliche beherzigt. Wenn halt nur die Worthülsen-Hölle nicht wäre. Und vermutlich ist das beim Gunnar und den dort beschriebenen Zukunftsdialogen auch nicht anders. Bei diesen bin ich nicht dabei, kann das deshalb nicht beurteilen. Den Einschub über LinkedIn hingegen schon. Und es ist dort halt genau so.
Ob es einen Ausweg aus diesen Vibes aus der Wortspiel-Drechsel-Werkstatt gibt? Gut möglich. Dann müssten wir uns aber eher mehr auf das Wesentliche beschränken. Und so lang da immer irgendwas unter die Leute gebracht werden soll wie die berühmte Mitropa-Kaffeemaschine, bin ich halt skeptisch, dass das was wird. Wir sollten alle unser Ding so machen, dass wir auch dahinterstehen. Mit Gesabbel über Vibes wird das allerdings echt nichts.






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