Zugriff auf die Zwischenablage: Wer denn noch? - Bild von Darwin Laganzon auf Pixabay

Zugriff auf die Zwischenablage: Wer denn noch? - Bild von Darwin Laganzon auf Pixabay

Zugriff auf die Zwischenablage: Wer denn noch?

Dieser Tage hatte ich ja TikTok am Wickel, wie diese Plattform auf die Zwischenablage zugreift. Prinzipiell war es klar, aber andere Plattformen machen das auch. Das macht die Nummer von TikTok nicht unbedingt besser. Aber was wäre denn, wenn andere Plattformen genau so schlimm wären? Welches Bild wirft das denn auf alle möglichen Anbieter? Ich komme eigentlich nur zu einem einzigen Schluss. Bleibt mal dran, dann wisst ihr, was ich meine.

Warum ist die Zwischenablage so interessant?

Laut Heise-News wurden auch Reddit und LinkedIn dabei ertappt, wie sie sich an der Zwischenablage in iOS zu schaffen machen. Warte mal, LinkedIn? DAS weltweite Karriere-Netzwerk? Mit der Plattform war doch mal was. Was hat sich denn da Microsoft einverleibt? Und welches Bild wirft das auf den Software-Giganten aus Redmond? Jedenfalls haben auch andere Plattformen auf die universelle Zwischenablage von iOS zugegriffen.

Reddit hat sich dazu geäußert. Die meinen doch ernsthaft, dass sie eine URL in der Zwischenablage analysieren, um den Nutzern basierend darauf passende Beiträge auf der Plattform zu präsentieren. Aber wir können ja froh sein: Es wurden angeblich keine Inhalte aus der Funktion gespeichert oder weitergeleitet. Aber können wir das glauben? Ich habe so meine Zweifel.

LinkedIn ist noch besser drauf: Die behaupten doch tatsächlich, es sei ein Fehler in der LinkedIn App für iOS gewesen. Und der Leiter der Engineering-Abteilung auf der Plattform meinte, dass das Auslesen sogar gewollt sei, damit man prüfen könne, ob der Inhalt, der geschrieben wird, mit dem Inhalt der Zwischenablage übereinstimmen würde. Also auch wieder alles gut, oder wie sehe ich das?

Die Plattformen sind nicht glaubhaft

OK, wir wissen alle, dass von TikTok nicht allzu viel zu halten ist. Und bei Facebook und deren Töchtern WhatsApp und Instagram wissen wir auch, dass die es mit dem Datenschutz nicht so ernst nehmen. Ich glaube, Twitter, Xing, YouTube, Snapchat, Pinterest und wie die angeblich so sozialen Netzwerke alle heißen: Sie sind allesamt nicht glaubhaft. Auch das kürzlich wiederbelebte VZnet gehört in meinen Augen dazu.

Ja, auch das mit dem Datenschutz ist ein alter Hut. Aber bislang dachte man eben, dass speziell die als seriös geltenden Karriere-Netzwerke die Finger von den Benutzerdaten nehmen. Aber nein, alles wird in irgendeinen Algorithmus geworfen. Und wir wissen allesamt nicht, was die noch mit unseren Daten anstellen. Wenn ihr mir versprecht, das nicht als Verschwörungstheorie auszulegen, haue ich euch mal was um die Ohren:

Die Nummer mit den Algorithmen kann durchaus dazu dienen, die Nutzer in gewisser Weise zu manipulieren. Ja, klingt schräg. Aber die Algorithmen werden ja gern hergenommen, um den Anwendern glaubhaft zu machen, dass die Plattformen alles tun, damit die Nutzer länger dabei bleiben. Und ganz nebenbei: Ich bin davon überzeugt, dass irgendein Stückchen Rubel für die Daten auch noch rollt.

Nur mit iOS?

Die Rede ist ja zurzeit immer, dass das Ganze unter iOS 14 bekannt wurde. Die spannende Frage ist ja, ob das auch auf anderen Plattformen der Fall ist, dass die angeblichen sozialen Netzwerke die Zwischenablage ausspionieren. Ganz ehrlich, unter Android wird das Alles noch viel laxer gehandhabt. Und unter Windows 10 zum Beispiel können Programme ganz einfach die Zwischenablage auslesen und z.B. die Passwörter sammeln.

Was dabei auffällt: iOS, Android, Windows, Facebook, LinkedIn, Reddit etc. sind alles irgendwelche Produkte aus den USA. Gut, TikTok, bei denen das Fummeln in der Zwischenablage zuerst bekannt wurde, ist aus China. Aber grundsätzlich scheint es hier ein Problem mit dem Datenschutz-Verständnis in amerikanischen Unternehmen zu geben. Und das ist irgendwie ein nicht hinnehmbarer Zustand, oder?

Was lernen wir daraus?

Was machen wir denn jetzt damit, dass vermutlich sämtliche sozialen Netzwerke dieser Welt die Daten der Anwender ausspionieren? Was ist davon zu halten, wenn die erst Abhilfe schaffen, wenn man mit dem Finger auf sie zeigt? Ganz einfach: Grundsätzlich dürfte man die sozialen Netzwerke nicht mehr nutzen. Aber eben alle. Nur weil jemand nicht bei Facebook registriert ist, heißt das ja noch nichts.

Was ist mit Telegram? Was ist mit Schattenprofilen in den sozialen Netzwerken, die angelegt werden, ohne dass ihr jemals die Plattform aufgerufen haben müsst? Eigentlich dürfte niemand auf der Welt jemals wieder irgendein soziales Netzwerk nutzen, bis die verstanden haben, dass Datenschutz ein hohes Gut ist, dass es einzuhalten gilt. Und eigentlich müssten wir alle wieder auf die Handys statt Smartphones ausweichen.

Ja, ich arbeite in der IT. Ich bin mit vielen Fachbegriffen vertraut. Aber man kann ja nun nicht von jedem erwarten, erst Datenschutz-Lehrgänge zu besuchen, um die sozialen Netzwerke nutzen zu können. Ich erwarte von diesen Plattformen eigentlich, dass die selbst den höchsten Schutz einbauen. Das Auslesen der Zwischenablage belehrt mich aber eines besseren. Und das müssen wir den Plattformen einfach austreiben.

Zugriff auf die Zwischenablage: Wer denn noch? - Bild von Darwin Laganzon auf Pixabay
Zugriff auf die Zwischenablage: Wer denn noch? – Bild von Darwin Laganzon auf Pixabay

4 Kommentare zu „Zugriff auf die Zwischenablage: Wer denn noch?“

    1. Hallo Elias,

      ja, eben. Bei LinkedIn denkt man sich eigentlich “Da war doch was”. Letztlich ist es doch so, dass kein (un)soziales Netzwerk irgendwas zum Wohle der Nutzer tut. Und insofern war es nur eine Frage der Zeit, bis auch über diese Plattform wieder mal etwas erzählt werden kann.

  1. Wer die Zwischenablage besitzt, dem gehört die Herrschaft über die Welt. Wenn ich mir überlege, was ich alles in meinem Computerleben schon alles über die Zwischenablage hab laufen lassen… Wer das analysiert, der kennt braucht keinen FBI-Profiler mehr. Im Ernst: Das ist eine üble Vorstellung / Sache.

    1. Hallo Horst, damit hast du vollkommen Recht. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das Alles ohne Wissen der Nutzer passiert ist. Wie wollen die eigentlich den Vertrauensverlust wieder einfangen? Ich sehe es mehr und mehr als richtigen Weg an, dass du dich von Social Media verabschiedet hast.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll to Top