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Tizen – Auch Mobilfunkanbieter springen ab

Das Ende von Tizen ist in meinen Augen beschlossene Sache. Es wird nicht erscheinen. Zumindest nicht in absehbarer Zeit. Es wird bestenfalls in einer Schublade verschwinden und als stille Drohung für Google dort bleiben. Es wird wohl wieder herausgekramt werden, wenn Google anfangen sollte, die Smartphone-Hersteller mit Android an die Wand zu spielen.

Aber mehr wird nicht passieren. Der Grund für meine Annahme ist: Mobilfunkanbieter wollen in absehbarer Zeit auf die Einführung eines Tizen-Smartphones verzichten. Und damit ist die Geschichte vorbei.

Am letzten Wochenende habe ich darüber geschrieben, dass Tizen von Samsung her beschränkt wird. Und an diesem Wochenende machen Nachrichten die Runde, die besagen, dass sowohl der japanische Mobilfunkriese NTT Docomo als auch der französische Konzern Orange – beides Partner in der Tizen Association – vorerst auf die Einführung von Tizen Smartphones verzichten werden.

Wenn nun tatsächlich noch Tizen eingeführt werden sollte, dann – und so sehen das auch andere Beobachter – wird es den Weg von Dingen wie WebOS gehen. Samsung könnte das System auf Fernseher einführen oder auf anderen Geräten, die über ein Betriebssystem verfügen. Es war ja vor rund einem Jahr davon die Rede, dass Bada auf Fernsehern weiter existieren könnte. Aber wahrscheinlich war das ein Denkfehler. Es war wahrscheinlich vorgezeichnet, dass damit Tizen gemeint war.

NTT Docomo sieht momentan keine Möglichkeit, im asiatischen Raum neben Android und iOS eben Tizen als neues System einzuführen. Und außerdem sieht man Fehler, die zu erheblichen Problemen führen könnten. Zusammen mit Orange übt man sich also derzeit gewaltig in Zurückhaltung. Orange hat die Markteinführung zwar noch nicht völlig abgeschrieben. Aber groß engagiert ist man deshalb trotzdem nicht. Und das zeigt das ganze Engagement, das derzeit fehlt.

Bedenklich ist aber nicht Orange, sondern NTT Docomo. Schließlich hat der japanische Gigant gewaltigen Einfluss in Asien. Und von NTT Docomo wird gar erzählt, dass sie das Vorhaben der Markteinführung von Tizen-Smartphones noch komplett aufgeben könnten. Bei Techstage ist man sich derweil uneins, wie das Thema Tizen weiter verfolgt wird. Aber die Entscheidung der Japaner könnte eine große Strahlkraft und Signalwirkung haben.

Klar, ein wirkliches Tizen-Desaster kann sich Samsung praktisch nicht leisten. Man würde zu viel in der Branche riskieren. Aber die Chancen stehen schlecht. Man will zwar ein Event zur Einführung eines Gerätes abhalten. Aber ohne Mobilfunk-Partner wird das schwierig. Denn: Keine Hände, keine Kekse.

Mirko Müller ist sich wegen der Nachrichtenlage auch unsicher, ob und wie er mit seinem Tizenblog weitermacht. Es sind denkbar schlechte Nachrichten für einen Blog, dessen Hauptthema dieses Betriebssystem ist. Ich denke ja, Tizen kommt nicht auf Smartphones daher, sondern als Steuersoftware für Fernseher, als Navigationssoftware in Autos usw.

Die Tizen-Geschichte hat einen derben Rückschlag erfahren. Nun kann Samsung wieder weiter mit Galaxy-Spielzeug herumspielen. Denn die Koreaner werden ganz sicher nicht mehr durch Tizen gestört.

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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