30 Jahre „Discovery“ von Mike Oldfield

Es gibt Musiker, die fesseln dich ein Leben lang, auch wenn sie nicht unbedingt pausenlos in den Charts oder im Radio vertreten sind. So ist das mit Mike Oldfield. Seit über 40 Jahren ist der Mann mit Veröffentlichungen am Start. Und „Discovery“ wurde 30 Jahre alt. Da müssen wir einfach mal durchhören.

Ein typisches Album des extravaganten britischen Wunder-Musikers beinhaltet neben poppigen Nummern auch längere, teils überlange Stücke. Insofern ist „Discovery“ ein typisches Album von ihm. Aufgenommen wurde es in den Schweizer Alpen. Das Problem an „Discovery“ ist aber, dass es der direkte Nachfolger von „Crisis“ ist, auf dem sich die Welthits „Moonlight Shadow“ oder „Shadow on the Wall“ befinden. Und es ist eben auch kein „Tubular Bells“. Aber es ist ein durchaus gutes Album.

Eingeläutet wird das Album mit dem großen Hit „To France“ mit Maggie Reilly, einer verträumten Nummer mit gälischem Einfluss. Es berichtet über die schottische Königin Mary Stuart, deren erster Mann, der Earl von Arran (eine schottische Insel nahe Kintyre) entmachtet wurde und dessen Familie nach Burgund fliehen musste. Ihr wurde prophezeit, dass sie niemals bis Frankreich kommen würde, wo sie aufgrund der schottischen Unruhen aufwuchs.

Es folgt die spröde Nummer „Poison Arrows„. Es singt Barry Palmer und berichtet von Feinden, die im Dunklen und Verborgenen warten und Giftpfeile schießen. Es kann hier durchaus angenommen werden, dass hier auf das gespannte Verhältnis zwischen Mike Oldfield und Plattenbossen Bezug genommen wird.

In „Crystal Gazing“ geht es um das Hellsehen. Für mich ist das ein absoluter Hörgenuss, da hier die Stakkato-artigen Untermalungen zur fernen Stimme von Maggie Reilly bestens zur Geltung kommen. Das Lied klingt irgendwie mystisch. Man denkt sich eine Glaskugel herbei.

Maggie Reilly und Barry Palmer singen dann zusammen die sehr interessante Single „Tricks of the Light„. Es geht um die Streiche, die einem das Licht spielt. Es geht um die Dinge, die zwischen Mann und Frau passieren können. Aber sind sie wirklich wahr? Oder spielt einem das Licht einen Streich?

Mit „Discovery“ wird die erste Hälfte abgeschlossen. Es klingt nach einer Blaupause zu „Shadow on the Wall“. Ähnlich kraftvoll. Der Sinn des Liedes ist in etwa, dass man irgendwann für das bezahlen muss, was man getan hat. Die Chance auf Vertrauen ist auf einer solchen Grundlage eher schlecht.

Bei „Talk about your Life“ kommt wieder die glockenklare Maggie Reilly zu Gehör. Man soll einfach mal aus seiner Deckung kommen und über sein Leben erzählen. Was soll denn der Grund sein, dass man sich versteckt? Das schafft nur Distanz zwischen Partnern und ist eher unreal. Es handelt sich irgendwie um eine „To France“-Reprise.

Ein wahres Glanzstück ist dann „Saved by a Bell„. Eine Fabel über eine Reise durch das Universum. Schau durch das Universum und erzähl der Welt, was du siehst. „Saved by the Bell“ ist die englische Version von „Nochmal Glück gehabt“. Es geht um Planeten, Sternschuppen und ferne Welten. Gesungen wird das Werk vom sehr starken Barry Palmer.

Tja, und dann kommt das angesprochene lange Stück: „The Lake“ heißt es, das man in zwei Teilen (Teil 1 und Teil 2) live hören kann. Das reine Instrumentalstück zeigt – wie eigentlich immer – die Genialität von Mike Oldfield als Komponist und Quertreiber. Nach einer sphärischen Einleitung geht es rockig weiter mit einer Blues-Shanty-Verwurschtelung, bevor es wieder sphärisch wird. Es folgt eine bluesig-balladeske Einlage. Es folgt dann eine interessante keltische Einlage, wieder sphärische Klänge, ein balladesker Abschnitt, der zugleich den Abschluss bildet. „The Lake“ muss unter den Eindrücken des Genfer Sees entstanden sein, wo sich das Oldfield’sche Studio zu der Zeit befand.

„Discovery“ hat zweifellos vom Vorgänger „Crisis“ und der weltbekannten Single „To France“ profitiert. Es ist ein gutes Album mit wenigen Längen. Selbst die lange Rille „The Lake“ ist an keiner Stelle langatmig. Und das macht Mike Oldfield aus. Und deshalb war die Platte in ganz Europa mindestens auf Platz 5, in Deutschland schaffte sie es gar bis auf Platz 1. Es ist ein Hörgenuss, der auch nach 30 Jahren nicht im Mindesten nachgelassen hat. Das macht einen überragenden Musiker aus. „Discovery“ gehört in die Plattenschränke von Liebhabern zeitloser Klassiker.

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