31 Jahre “Dazzle Ships” von OMD

Da fiel mir doch glatt auf, dass ich über eins der prägnantesten Alben von Orchestral Manoeuvres In The Dark noch nichts erzählt habe. Das Album, was vor 31 Jahren fast den finanziellen Ruin für die Band bedeutete und auf das ich mich bisweilen schon bezogen habe, ist “Dazzle Ships”. Das muss einfach mal besprochen werden.

Im Vergleich zu meinen letzten Album-Besprechungen werde ich hier allerdings nicht mit vielen verlinkten Videos glänzen können, da diese entweder gesperrt, nicht mehr verfügbar oder sonstwas sind. Daher sehen Sie es mir bitte nach, dass hier nicht viel zu hören sein wird.

“Dazzle Ships” ist ein Konzeptalbum. Grob gesagt, wird hier die technologische Entwicklung der Menschheit besprochen. Was hat der Mensch alles geschafft! Was ist mit den Errungenschaften alles möglich! Das sind die Themen des Albums. Aufgrund der Tatsache, dass kein “Maild of Orleans” oder dergleichen drauf ist und das Album sehr experimentell daherkommt, wurde aus der Veröffentlichung fast der finanzielle Super-GAU (ja, den Begriff gibt es eigentlich nicht), von dem sich die Briten lange Zeit nicht erholten. Und das sind die Lieder.

Eingeleitet wird das Album mit “Radio Praque”, einer Sound-Collage mit echten Schnipseln des Senders der tschechischen Hauptstadt. Es folgt eine der beiden Singles, nämlich “Genetic Engineering“, in welchem über Gentechnik gesungen wird. Die Tüftler McCluskey und Humphreys waren sehr interessiert an den biotechnologischen Möglichkeiten wie eben der Gentechnik. Der Top-20-Hit ist bis heute ein Ohrwurm.

Es folgt ein regelrechter Dauerbrenner unter OMD-Fans. Die Sound-Collage “ABC Auto Industry” ist ein typisches Synonym für die experimentelle Seite der Band. Es folgt als zweite Single die Partys-Nummer “Telegraph“, in der über Telegrafie philosophiert wird, und dass damit große Entfernungen überbrückt werden können und Botschaften verteilt werden können.

Nahezu in den Punk gleitet dann “This is Helena” ab, ein kurzes Instrumental-Stück, in dem verschiedene Stimmen aus dem Radio zu Gehör kommen. Und dann hören wir den Walzer “International”, in dem eine Frau ihren Lebensweg erzählt und Andy McCluskey mehr im Hintergrund singt.

Sagenumwoben und bis heute eindrucksvoll kommt dann die Suite “Dazzle Ships” daher. Genauer gesagt die Teile II, III und VII. Wo die anderen Teile sind, habe ich nie herausgefunden. Es werden mit Instrumenten die Kriegsschiffe aus dem Ersten Weltkrieg nachempfunden. Mit dieser Kollektion wurden jahrelang die Konzerte der Band begonnen.

Beendet wurden sie lange Zeit und auch heutzutage noch oft mit “The Romance of the Telescope“, einer romantischen Ballade über Teleskope. Sie gilt bis heute als “Go Home Song”. Andy McCluskey wünscht hierbei immer einen guten und sicheren Heimweg.

Mit “Silent Running” geht es auf Schleichfahrt. Man geht wie auf Wolken und lebt in seiner eigenen Welt. Mit Radiowellen kann man Leben verbreiten, man kann Dinge orten, man kann Nachrichten verbreiten. Und all das über große Distanzen. Das ist der Sinn von “Radio Waves“.

Mit “Time Zones” werden Zeitansagen verschiedener Länder zusammengewürfelt. Der Sinn der Collage dürfte die Vergänglichkeit sein, die mit Technologie überwunden werden kann. Abgeschlossen wird das sehr interessante Album mit “Of all the Things we made“, einem wunderbar melancholisch klingenden Lied über all die Errungenschaften, die der Mensch erreicht hat.

“Dazzle Ships” ist kein schönes Album. Aber es ist ein radikales Album. Und es zeigt, dass OMD niemals Pop waren. Es ist neben “English Electric“, das genau 30 Jahre nach diesem Album erschien, das geschlossenste und experimentellste Album der Briten. Allerdings schaffte der Umstand, dass kein “Architecture & Morality Part 2” (Maid of Orleans) geschaffen wurde, es auch, dass das Album ein finanzielles Desaster wurde und jahrelang dafür sorgte, dass das Management in die Geschicke der Band hineinpfuschte.

OMD-Fans kennen selbstverständlich das Album. Aber ungeübten Hörern muss sich der kalte Charme der Platte erst erschließen. Das gelingt nicht sofort und auch bei weitem nicht jedem. Wenn man sich aber mit dem Klang angefreundet hat, wird man feststellen, welchen Meilenstein die vier inzwischen gealterten Herren da geschaffen haben.

Schreibe einen Kommentar

Mit dem Nutzen des Kommentarbereiches erklären Sie sich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.