35 Jahre „Take me Home“ von Phil Collins

„Take me Home“ von Phil Collins ist eine phänomenale Nummer. Sie gehört zum besten, was ich vom Genesis-Trommler, der gesundheitlich schwer gebeutelt ist, kenne. Das Lied stammt von seinem 1985 erschienenen Album „No Jacket Required“. Ja, die Scheibe mit „Don’t Lose my Number“, „Sussudio“ oder auch „One More Night“. Seit ich „Take me Home“ kenne, treibt es mich um. Und irgendwann musste ich mir einfach ein paar Gedanken dazu machen. Und die schreibe ich einfach mal hier in diesen Artikel.

I don’t mind

Du siehst so besorgt aus. Ich bin doch nur ein ganz normaler Mann. Sie erzählen mir alle nichts. Also muss ich es allein heraus finden. Da draußen vor meiner Tür brennt ein Feuer. Ich kann es nicht sehen, aber ich fühle es. Und es hilft mir dabei, warm zu bleiben. Es macht mir also nichts aus.

Es scheint so lang gedauert zu haben, dass ich gewartet habe. Und ich weiß immernoch nicht, worauf. Es gibt einfach kein Durchkommen. Und es macht mir nichts mehr aus. Ich kann nicht herauskommen, um dich zu finden. Ich gehe nicht gern raus. Sie können meine Gefühle nicht ausschalten, so wie sie das Licht ausschalten. Aber es macht mir nichts aus.

Also bring mich heim, weil ich mich nicht erinnere. Bring mich heim, Herr! Denn ich war ein Gefangener meines Lebens. Und ich kann dir sagen: Schau nicht so besorgt! Ich habe ein stinknormales Leben. Ich arbeite tagsüber und schlafe in der Nacht. Ich schaue nicht weit nach vorn, wünsche mir nichts von den Sternschnuppen. Sie glauben nicht, dass ich zuhöre, aber ich weiß, wer sie sind. Aber es macht mir nichts aus.

Take me Home – Aber als Gesamtkunstwerk

Nein, so richtig schlau wird man nicht daraus, was man so an Text zu „Take me Home“ findet. Viele Menschen zerbrachen sich schon den Kopf darüber. Es hieß mal, dass es einerseits die Geschichte eines Weltenbummlers sei oder der Blick von Phil Collins auf das George Orwell’sche „1984“ oder gar ein Mensch in einer psychiatrischen Klinik. Die Interpretationen schießen hier ins Kraut. Ich glaube, dass wir uns „Take me Home“ als Gesamtkunstwerk vorstellen müssen.

Ich glaube, es ist die konsequente Fortführung der Alben „Face Value“ (Auf dem er in „In the Air tonight“ über große Eheprobleme erzählt) und „Hello I must be going“ (Auf dem er in „I don’t care anymore“ die Scheidung thematisiert). Ich glaube, in „Take me Home“ verarbeitet er, wie er anfängt, sich in einem neuen Leben zurecht zu finden und wieder aufrecht zu gehen. Insofern ist das Ganze eine Art Abschluss einer Ära.

„Take me Home“ ist seit der Veröffentlichung von „No Jacket Required“ ein ständiger Begleiter von Phil Collins und eigentlich so etwas wie die eigentliche Hymne des Trommlers, dem die Gesundheit und die Frauen böse mitgespielt haben. Auf Konzerten begleitet ihn Sohn Nicolas am Schlagzeug, weil Papa selbst nicht mehr kann. Und seine zweite Frau soll ihn kurzerhand vor die Tür des gemeinsamen Hauses gesetzt haben. Mit „Take me Home“ ist aber alles nicht ganz so schlimm.

Angeblich soll Phil Collins an neuen Liedern arbeiten. 2017 gab es die „Not Dead Yet“-Tour, gemeinsam mit Nicolas. Ja, Phil Collins ist „noch nicht tot“. Ob er wohl jemals wieder ein solches monumentales Meisterwerk wie „Take me Home“ schaffen wird, weiß man nicht. Zu wünschen wäre es ihm. Dann wäre es die späte Genugtuung für so vieles in seinem Leben. Und dann hockt er vielleicht irgendwann am Kamin und singt vor sich hin: „So I, I don’t mind“.

Das Lied

Jaja, ich hätte natürlich das offizielle Video heraussuchen können, das seinerzeit auf MTV oder so herum gurkte. Aber ich habe das Doppelalbum „Serious Hits – Live“ von 1990, anlässlich des atemberaubenden „…but seriously“ mit „Another Day in Paradise„. Das Konzert wird mit „Take me Home“ abgeschlossen. Und es gibt eine gute Live-Aufnahme davon. Damals trommelte Chester Thompson, weil ja Phil Collins gesungen hatte. Und so klingt das beeindruckende Stück Musik, wenn „Na und?“ zum Lebensmotto wird:

Phil Collins - Take me Home (live 1990) - Chester Thompson Drum cam
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Phil Collins – Take me Home (Serious Hits – Live in Berlin)

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