Ich bin ja immer so ein Freund von versteckten Musik-Perlen. „Voices Carry“ der amerikanischen Band ‚Til Tuesday ist genau so eine Nummer. Wie, das kennt ihr nicht? Das würde mich jetzt nicht sonderlich wundern, da die Single zwar ein großer Achtungserfolg für die Band um die Sängerin Aimee Mann in den Staaten war, aber in Europa komplett übersehen wurde. Dabei ist das eigentlich so Musik, die man auch hierzulande ganz gern gehört haben dürfte. Aber gucken wir mal nach dieser ernsten Nummer.
Jetzt halte doch mal deine Klappe!
Ich tappe im Dunkeln, würde gern seine Gedanken lesen. Aber ich habe Angst vor dem, was ich vielleicht herausfinden könnte. Es muss etwas geben, woran er denkt, das ihn von mir wegreißt. Wenn ich ihm sage, dass ich mich verliebt habe, warum sagt er dann: Pst, sei leise, die Gerüchte machen schon die Runde.
Ich versuche so sehr, mich nicht aufzuregen, weil ich weiß, welchen Ärger ich bekommen werde. Er sagt mir, Tränen seien etwas, das man verstecken muss und etwas, das man fürchten muss. Und ich versuche so sehr, sie zurückzuhalten, damit niemand sie hören kann. Pst, sei leise, die Gerüchte machen schon die Runde.
Er will mich, aber nur manchmal. Er will mich, wenn er mich unter Kontrolle halten kann. Pst, sei leise, die Gerüchte machen schon die Runde. Sie könnte es hören. Er sagte, sei still. Oh Gott, kannst du nicht leise sein?
Worüber erzählt hier Aimee Mann?
Die Mäuler haben sie sich zerrissen, was wohl der Grund für „Voices Carry“ war. Gitarrist Michael Hausman war mit Aimee Mann zusammen, und so wurde von einem Streit zwischen den beiden erzählt. Auch Al Jourgensen, Sänger von Ministry, faselte etwas von einer kurzen, aber heftigen Beziehung mit Aimee Mann daher. Aimee Mann allerdings sagte, sie habe „Voices Carry“ über eine weibliche Bekannte aus Sicht eines Mannes geschrieben.
Produzent Mike Thorne soll gesagt haben, dass Aimee Mann das großartige Lied für eine Frau gesungen haben soll und die besungene Person auf Grund von Druck von Epic Records erst zum Mann wurde. Und ist es unterm Strich nicht egal? Jedenfalls klingt der ganze Text so, als wäre Aimee Mann die Affäre, und die eigentliche Partnerin könnte es herausfinden. Schließlich heißt es „Hush hush, darling, she might overhear“, also: „Sei leise, Schatz, sie könnte es mithören“.
„Voices Carry“ ist eine etwas langsamere Poprock-Nummer, die irgendwie auch New Wave Einflüsse mit sich herumträgt. Es ist eine fantastische Komposition, und Aimee Mann schwebt über allem. Viele Menschen dürften sie damals mit Marie Fredriksson von Roxette verwechselt haben, und irgendwie klangen beide auch ähnlich. Vielleicht war das ja auch das Problem der Single, wieso sie kein Erfolg in Europa wurde.
‚Til Tuesday gewannen für das Video den „Best New Artists Award“ bei den 1985er „MTV Video Music Awards“. Auch so heimste die Band für das großartige Stück Preise ein. Allerdings nur in den USA, in Kanada und in Australien. Es ist schon schade, dass wir damals in Europa davon kaum Notiz nehmen konnten. Vielleicht kennt ihr es ja. Es wäre aber echt nicht verwunderlich, wenn nicht. Ich als Musik-Fanatiker kannte es bis vor ein paar Jahren auch bloß nicht.
Hush hush, keep it down now, voices carry
Machen wir es kurz, ich habe euch mal die remasterte Version des offiziellen Musikvideos von „Voices Carry“ eingebaut.
Ohne Gebrabbel gibt es das Stück natürlich auch bei Tidal:






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