40 Jahre „When The Wind Blows“ von David Bowie

Kennt jemand den Film „Wenn der Wind weht“? In dem gab es das Titelstück „When The Wind Blows“ des phänomenalen David Bowie zu hören. Jaja, so wie das Lied hieß auch der Film im Original. Behandelt werden die Folgen einer üblen Atombomben-Explosion. Und grundsätzlich war das Ganze eine Art Werbeveranstaltung des britischen Zivilverteidigungs-Programms „Protect and Survive“. Das tut aber diesem grandiosen Stück Musik eines grandiosen Musikers keinen Abbruch.

So long, child!

Mach’s gut, Kind. Ich mache mich auf den Weg. Und nachdem alles getan ist, sei nicht niedergeschlagen. Es liegt alles in der Vergangenheit, obwohl du dich vielleicht fürchtest. Bis bald, Kind! Es ist fürchterliche Finsternis. Und ich spürte niemals die Sonne. Mir graut es davor. daran zu denken, wenn der Wind weht.

Das Leben hinterlässt eine brutale Wunde, sie ist wütend und falsch. Du vertraust auf ein unehrliches Wort, und du wirst wegrennen. Du wirst ihn nach Hause bringen, wirst ihn anspucken und verspotten. Aber sie werden dir nicht glauben, egal was du sagen wirst. Also mach’s gut, Kind. Es ist furchtbar dunkel. Ich spürte niemals die Sonne. Ich wage nicht daran zu denken, wenn der Wind weht.

Was ist, wenn jemand auf den Knopf drückt?

In den Achtzigern hatte die ganze Welt Angst davor, was passieren würde, wenn die Staatschefs der beiden Supermächte USA und UdSSR die Nerven verlieren würden und auf den roten Knopf drücken würden und einen Atomkrieg auslösen würden. Wie das ist mit einer Nuklearkatastrophe, konnte man im Jahr von „When The Wind Blows“ eindrucksvoll erleben, als es den Reaktor-Unfall in Tschernobyl gab. Und in Europa standen sich die Raketen gegenüber.

In diese Zeit platzte John Coates mit dem apokalyptischen Animationsfilm „When The Wind Blows“. Der spielt in Großbritannien während des Kalten Kriegs, als „der Krieg schon 40 Jahre her ist“. Besoffen vor Glückseligkeit interessiert es Hilda und Jim Bloggs nicht, dass sich die Welt auf einen Atomkrieg zu bewegt. Jim allerdings bekommt die Broschüre von „Protect and Survive“ in die Hände und befolgt die Anweisungen, wie man sich im Falle eines Fallouts verhalten soll.

Nach einem Atomschlag überleben sie zwar, aber es ist nichts mehr da. Und sie haben Anzeichen der so genannten Strahlenkrankheit. Sterbend verkriechen sie sich und beten. Damit endet dieser sehr ernste und zutiefst traurige Film, der alles andere als ein Erfolg war. Das lag auch an den Anweisungen in der Broschüre, die zum Teil recht skurril wirkten und sich auch widersprachen. Dennoch ist es wichtig, dass es dieses Zeitdokument gibt.

Gerade heutzutage sind wir wieder extrem nahe dran an einer Szenerie, die in „When The Wind Blows“ geschildert ist. Der Irre im Kreml und der Wahnsinnige im Weißen Haus sind vermutlich zu allem möglichen fähig. Und all die anderen Durchgeknallten? Ich bin mir nicht sicher, wie ein möglicher Konflikt heutzutage tatsächlich ausgehen würde. Aber es könnte alles möglich sein. Insofern ist „When The Wind Blows“ aktuell wie nie seit 40 Jahren.

When The Wind Blows – Filmmusik von David Bowie

Als ich das Lied das erste Mal gehört habe, war das in der „Maxi-Stunde“ – oder hieß das „Maxis Maximal“ – auf DT64, damals in der DDR. Du hörst die raue, eiskalte Atmosphäre. Du hast zwar keinen Schimmer über die Hintergründe zu dem Lied. Du weißt aber, wie todtraurig dieses Lied ist. Dieses Lied fuhr damals wie ein Güterzug einmal quer durch meinen Kopf. Und als die Wende war und es dann möglich war, hatte ich mir die Maxi-Single gekauft.

David Bowie versucht bei „When The Wind Blows“ gar nicht erst, irgendeine positive Stimmung zu verbreiten oder gar einen zugänglichen, Radio-tauglichen Song zu stricken. Gemeinsam mit dem türkischstämmigen Multiinstrumentalisten Erdal Kızılçay hatte er ein melodramatisches Meisterwerk geschaffen, das sich irgendwo zwischen Hard Rock, New Age, New Wave und elektronischer Musik bewegt. Produziert wurde das Ganze von David Richards, der auch für Queen, Chris Rea und viele andere gearbeitet hatte.

Nein, „When The Wind Blows“ war alles andere als ein Erfolg. Weder als Film, noch als Musik. Sie haben es aber auch gar nicht erst versuchen wollen. Das Ganze sollte ungeschönt, dramatisch, alarmierend und verstörend sein. Und das ist es, was für mich vor allem das Lied auszeichnet. An den Film kann ich mich nur bruchstückhaft erinnern. Aber das Lied! Freunde, das Lied ist der Wahnsinn. Bis heute.

When the Wind Blows (Extended Mix)
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1 Gedanke zu „40 Jahre „When The Wind Blows“ von David Bowie“

  1. @henninguhle Sicher.

    David Bowie – When The Wind Blows
    Hugh Cornwell – Facts And Figures
    Genesis – The Brazilian
    Squeeze – What Have They Done
    Paul Hardcastle – The Shuffle
    Roger Waters and the Bleeding Heart Band – The Russian Missile, Towers Of Faith, Hilda’s Dream, The American Bomber, The Anderson Shelter, The British Submarine, The Attack, The Fallout, Hilda’s Hair, Folded Flags

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