Es gibt so Melodien, die einen das ganze Leben lang begleiten. Eine der schönsten aus diesem Reigen ist das herrliche „Arrival“ von ABBA. Das wird nun 50 Jahre alt. Meine Güte, was werden wir alt! Während sich heutzutage Musiker Gedanken darüber machen, wie sie den nächsten Social Media Hit landen, haben die vier Schweden damals einfach mal gemacht. Ich muss euch einfach mal meine Gedanken zu dem Stück aufschreiben. Ihr kennt es mit hoher Sicherheit. Und wenn nicht: Unten ist es verlinkt.
Ich könnte über ein Album schreiben
Vor 50 Jahren kam das Album „Arrival“ heraus. Es war das vierte Album der Herrschaften. Natürlich hätte ich mir das ganze Album vorknöpfen können. Aber was könnte ich denn zu „Dancing Queen“, „Money, Money, Money“ und „Knowing Me, Knowing You“ noch beitragen, was nicht schon irgendwer mal gesagt oder geschrieben hat? Die Lieder sind nicht ohne Grund zu Welthits geworden. Also abgehakt.
Gucken wir also mal nach dem Titelstück. Das war nie Single bei ABBA. Eine Coverversion hingegen schon. Allem gemein ist ein Hubschrauber. Deshalb habe ich auch hier im Artikel zu „Arrival“ einen Hubschrauber als Titelbild. Jaja, lacht mich nur aus. Aber wir müssen echt mal ein paar Takte zu dem Lied erzählen. Denn es lohnt sich.
Von „Fiol“ zu „Arrival“
Benny Andersson spielte mit einer Melodie herum. Ihr wisst schon, das ist der, der in Filmaufnahmen von ABBA immer am Klavier saß. Jedenfalls brauchte seine Melodie einen Namen. Also nannte er es – vermutlich weil er sich eine Geige vorstellte – erstmal „Fiol“, was das schwedische Wort für „Violine“ ist. Daraus wurde dann irgendwas mit „Dalarna“, mal eine Ode, mal eine Ankunft (Arrival in Dalarna). Dalarna ist eine waldreiche Landschaft in Schweden.
Björn Alvaeus – also der Gitarrist – fand, es wäre eine gute Idee, eine Art Choral darauf zu singen. Beeinflusst durch die traditionelle schwedische Volksmusik entstand dann der Chorgesang. Aber irgendwie war der Name noch nicht so richtig. Man hatte irgendwas mit Dalarna. Und weiter? Die Band arbeitete gerade am Album „Arrival“, und so nannte man das Stück kurzerhand so wie das Album. Wenn es doch nur immer so einfach wäre.
Und dann kam Mike Oldfield
Das Album „Arrival“ war lange draußen und feierte wegen der oben genannten Singles kolossale Erfolge. Das Titelstück blieb ein Album-Titel. Mike Oldfield arbeitete an seinem 6. Album „QE2“. Er soll unfassbar vom Ozeandampfer „Queen Elizabeth 2“ beeindruckt gewesen sein. Und dort in der Mitte hatte er seine Interpretation von „Arrival“ platziert. Es wurde auch als Hauptsingle aus dem Album ausgekoppelt. Mit einem Helicopter auf dem Cover.
Diesmal kam weniger die schwedische, dafür mehr die schottische Folklore zum Einsatz: Celtic Harps, Mandolinen, Dudelsäcke. Und Maggie Reilly sang dazu. In Deutschland wurde dann diese Version zu einem großen Hit. Und letzten Endes machte diese Version am Ende „Arrival“ unsterblich. Ich bin sonst nicht so der große Freund von Coverversionen. Aber diese Version ist etwas besonderes, weil sie das Stück wirklich neu belebt.
Das Lied
Ich baue euch beide Versionen von „Arrival“ ein. Ich habe die Melodie immer sehr gemocht. Sie besteht aus 2/4-Teilen und 4/4-Teilen. Insgesamt sind es 16 Takte in 4/4, bei denen man aber beim Zählen durcheinander kommt. Das Lied ist eine einzige Heimkehr. Es ist das Ankommen, zuhause sein, wohlfühlen. „Arrival“ ist einfach rundherum ein wunderschönes Stück Musikgeschichte. Und deshalb sind beide Versionen würdig nebeneinder anzusehen.





@henning-uhle.eu Danke für die schöne Geschichte hinter dem Song!
Besonders faszinierend am Songwriting bei Abba finde ich, dass die ihre Songs oft instrumental fertig produziert haben und den Text erst danach so geschrieben haben, dass er sich gut in die Musik einfügt und lautmalerisch gut klingt und singbar und wiedererkennbar ist.
So ähnlich hat es Billy Joel auch mal erzählt. Ich frage mich, wie dabei so gute Texte entstehen können.
Remote-Antwort
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Du als singender Musiker fragst dich das? Ich auch. Als ich früher mal mit einer Band gespielt hatte und wir Sängerinnen hatten, entstanden Lieder meistens so, dass irgendwer eine Idee für einen Text hatte und die Musik nach dem fertigen Text erst gebaut wurde, sodass sie gut zum Inhalt passt.
@henning-uhle.eu Ja, so herum "passiert" es bei mir meistens. Vllt müßte man das andere einfach mal probieren… Ich halte Dich auf dem Laufenden ;-)
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Mach das mal, ich bin gespannt.
Was für ein Zufall, auf diesen Blog zu stoßen! Über die Pet Shop Boys, „Being Boring“… Aber natürlich bin ich der größte aller ABBA-Fans – alle anderen, die das behaupten, lügen, glaubt mir! Danke für die Gedanken zu Arrival, zum Stück genauso wie zum Album. Es war das vierte Album von ABBA, aber das erste, das „aus einem Guß“ war. Wenn ich das Album heute höre, stelle ich mir wirklich immer vor, daß alle Songs gemeinsam aus einem Rohling gefräst sind. Die beiden letzten Alben gefallen mir noch viel besser, aber Arrival ist wirklich ein Ankommen, ein Ankommen im Pop-Olymp. Der richtige ABBA-Hype begann eigentlich erst mit diesem Album, und nach weiteren fünf Jahren war dann schon wieder Schluß – unglaublich. Aus heutiger Sicht kommt es mir immer so vor, daß ABBA über unendlich viele Jahre aktiv waren – es war gerade mal die Grundschulzeit… Und hier schließt sich der Kreis zu „Being Boring“: diese Melancholie, diese Schönheit, von der man nicht weiß, ob es sie jemals wirklich gegeben hat. Aber wenn, dann war sie genau so…