Was wird nicht alles so als Trance bezeichnet, wenn man den Klugscheißern zuhört. Mein Track „Believe You“ klingt so wie Trance 1993 klang. Woher ich das weiß? Ich war dabei. Ich war damals 20 Jahre alt, vielleicht auch noch 19. Da kamen zwei Herren aus dem Großraum Frankfurt / Main um die Ecke, die sich der Welt als Rolf Ellmer und Markus Löffel vorstellten. Und die hatten den Sound der Neunziger in der elektronischen Musik ordentlich durchgeschüttelt. Und das ist es, was ich mit dem Track ausdrücken will.
Ellmer und Löffel? Bitte wer?
Rolf Ellmer nannte sich als DJ eigentlich immer nur Jam El Mar. Nä, Ellmer wird zu El Mar. Und der ehrenwerte Herr Löffel? Der hat seinen Nachnamen übersetzt, und fertig war Mark Spoon. Beide gründeten das Projekt Jam & Spoon. Aaaaah, jetzt klingelt’s, oder? Wer kennt nicht „Right In The Night“ mit der wunderbaren Plavka Lonich? Oder halt auch „Find Me“ oder andere. Das Album „Tripomatic Fairytales 2001“ war damals eine Sensation.
Jetzt waren die beiden Herren unfassbar produktiv. Und so erschien kurz darauf „Tripomatic Fairytales 2002“ als Ambient-Gesamtwerk. Aber das war immernoch nicht alles. Sie remixten, was das Zeug hielt. Sie nannten sich zwischendurch auch mal „Tokyo Ghetto Pussy“ und „Storm“ oder auch „Trancy Spacer & Spacy Trancer“. Und sie hatten bei Single-Auskopplungen immernoch Tracks übrig, in denen sie sich austobten.
Nahezu legendär von Jam & Spoon ist auf der Single „Right In The Night“ die Trance-Hymne „Follow Me“. Meine Fresse! Keine Sau, die „Right In The Night“ aus dem Radio kannte, war auf so etwas vorbereitet. Mittlerweile ist diese 12-einhalb-Minuten-Nummer legendär und ein echter Trance-Klassiker. Sollen sich mal alle, die danach ihre Musik als Trance bezeichneten, hinten anstellen. Leider ist Mark Spoon bereits 2006 im Alter von 39 an Herzversagen gestorben.
Und was hat das mit „Believe You“ zu tun?
Irgendwann vor ein paar Monaten, irgendwie so in den letzten 3 Monaten, war ich des Melodic House ziemlich überdrüssig. Und ich begann zu experimentieren. Da kam mal Ambient-Musik wie im letzten Link. Und ich habe ein bisschen Alternative Rock versucht. Gerade bei letzterem fühle ich mich nicht ganz so wohl. Und ich habe dann halt mit langen Arpeggio-Passagen gespielt, habe mit Portamento experimentiert und einfach mal den Track aufwachsen lassen.
Und dann wurde das ein richtiges Monster. Ehe ich mich versah, war ich gedanklich wieder in den Großraum-Discos Anfang der Neunziger. Jam & Spoon, Mark OH, Charly Lownoise und all diese Herrschaften kamen mir in den Sinn. Und im Hinterkopf hatte ich immerzu „Follow Me“ von Jam & Spoon. So wurde dieser Track genau das, was er werden wollte: Eine Hommage an diese Zeit. Keine spinnerten Trance-Macher von heutzutage, sondern das Rohe und Unbequeme von damals.
Nur auf SoundCloud im Moment
„Believe You“ wollte ich schon lang als Single über meinen Distributor Ditto Music raushauen. Aber ihr wisst ja noch von meinen Problemen mit denen. Ich warte jetzt seit Wochen darauf, dass meine nächste richtige Single mal fertig „verarbeitet“ ist. Auf Nachfrage bekomme ich nicht mal eine Antwort. Und so denke ich, dass ich einfach abwarte, was passiert. Ditto Music traue ich jedenfalls nicht mehr über den Weg. Schade eigentlich.
Wie erzählen die immer in der Eigenwerbung? „Songs sind nicht dafür gemacht, in Dateiordnern zu vergammeln, veröffentliche sie!“ – Darüber lache ich in letzter Zeit echt herzhaft. Wenn der Laden doch nur seine Verpflichtungen einhalten würde. Naja, ich habe keine Lust, mich darüber aufzuregen. Jedenfalls habe ich „Believe You“ doch erstmal veröffentlicht, und zwar über SoundCloud. Dort habe ich ja auch einen Künstler-Zugang. Und so könnt ihr „Believe You“ doch schon mal hören.
Da kann mir Ditto Music noch so sehr „Free The Music“ entgegen plärren. Wenn das mit denen nicht (mehr) sinnvoll möglich ist, passiert das eben anders. Ich bin auf diesen Neuneinhalbminuten-Heuler echt stolz. Er bringt zumindest mich zurück in eine Zeit, die man schon so als meine Sturm-und-Drang-Zeit bezeichnen kann. Vielleicht mache ich da auch noch eine Single-Veröffentlichung draus. Aber jetzt ist die Nummer erstmal draußen. Und jetzt hoffe ich, dass ihr abfeiern könnt:






Schönes Brett!
Schönes Brett und vor allem mal ne anständig schöne Länge. Ich kann diesen heutigen 2 Minuten Tracks nichts abgewinnen, wie soll sich ein Track denn auch in so kurzer Zeit aufbauen und entfalten. Ich check schon, dass Artists heute quasi dazu gezwungen sind, weil Spotify Streams wenn ich das richtig verstehe, erst ab der Hälfte der Tracklänge als gespielt zählen, was bei 2 Minuten halt nur 1 ist und die Leute so schnell nicht skippen, aber es ist halt schade um die Entwicklung und wo das alles hingeht. Daher freut mich das hier echt zu hören. Mach einfach weiter so Henning und sorry für den zweiten Kommentar, aber bin auf die Enter Taste abgerutscht, Schande auf mein Haupt. Peace.