Eurovision Song Contest 2019 – Dare to Dream

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Der Eurovision Song Contest 2019 geht nun am Wochenende in seine finale Phase. Der Träller-Wettstreit wird 26 Titel im Finale beinhalten. Ich muss mal meine Meinung zu dem Wettbewerb aufschreiben. Denn ich will auch später noch sagen können, dass das komplett meine langjährige Meinung zu dem Event ist.

Eurovision Song Contest 2019: Our twelve points go to…

Es gibt wieder etliche Lieder zu hören. So, wie das jedes Jahr ist. Es sind richtig gute Lieder dabei. Aber eben auch einiges an Mist. Wenn ich mich für eins der 26 Lieder aus dem Starter-Feld entscheiden müsste, würde ich mich für den niederländischen Beitrag entscheiden. Und das hat auch so seinen Grund, den ich mal ausführen muss.

Auch beim Eurovision Song Contest 2019 geht es darum, dass das beste Lied gefunden werden soll. Ein Land schickt ein Lied, über das abgestimmt werden soll. Meinem Verständnis nach müsste dann das Lied von Autoren des jeweiligen Landes komponiert und getextet sein. Und es müsste in der Landessprache vorgetragen werden.

Insofern ist der Beitrag aus Albanien großartig. Die albanische Sängerin Jolinda Maliqi trägt das Lied „Ktheju tokës“ vor, das von der albanischen Komponistin Eriona Rushiti in der Landessprache verfasst wurde. Es bespricht ein Landesthema, nämlich dass die ausgewanderten Albaner nicht mehr die Fährnisse auf sich nehmen sollten und heim kommen sollen.

Sonst haben wir einige austauschbare Lieder. Auch der schwedische Beitrag ist typisch leichte schwedische Popmusik. Von Schweden geschrieben, von einem britisch-schwedischen Sänger vorgetragen. Erwähnenswert ist aber auch der Beitrag aus Nordmazedonien, in dem die Sängerin Tamara Todevska das von Nordmazedoniern geschriebene „Proud“ singt.

Germany 0 points

Wenn ich eines beim Durchhören der Lieder erkannt habe, dann ist es das: Ich finde es besser, wenn Lieder nicht austauschbar sind und nach Auftragsarbeit klingen. Wie das deutsche „Sister“ von S!sters. Das Lied wurde erst dem Schweizer Vorentscheid angedreht, aber dort wollte es niemand singen. Für den deutschen Vorentscheid war es aber gut genug.

Nach der fantastischen Arbeit von Michael Schulte im Vorjahr ist der diesjährige Beitrag einfach nur lächerlich. Von „Reißbrett-Anlassarbeit“ und einem „erschreckend schwachen Vorentscheid mit einem erschreckend schwachen Song“ ist die Rede. Da mag noch so viel „Frauenpower“ und „Feminismus“ enthalten sein, die Nummer kann nichts werden.

Die Mädels können ja nicht mal etwas dafür. Aber da ist nichts dabei, was den Funken überspringen lässt. So wie damals 1995, als Secret Garden mit „Nocturne“ für Norwegen gewannen. Mir kommen deutsche Beiträge immer so vor, als müsse man unbedingt als Geldgeber-Land irgendwas zum ESC schicken, und vor lauter Verlegenheit sucht man irgendeinen Quatsch aus.

Was ist denn mein Favorit?

Ganz ehrlich? Die Niederlande sind für mich ganz vorn dabei. Duncan de Moor, Joel Sjöö und Wouter Hardy schrieben eine Ballade, die in den Strophen im 6/4-Takt und im Refrain im 4/4-Takt zu hören ist. Eben jener Duncan de Moor tritt dann als Duncan Laurence mit dem Lied „Arcade“ an. Bei Buchmachern ist ihm der Sieg nicht mehr zu nehmen, wie es heißt.

Es geht um eine Liebe, die nicht gelebt wird, weil ein Mensch viel zu früh gestorben ist und die Liebe nicht mehr erfahren konnte. Und der Verlust dieses Menschen wird besungen. Dazu wird das Bild gesponnen, dass er als Kleinstadtjunge in einem riesigen Bogengang – der Arkade – verloren ist. Ich halte dieses Lied für eine richtig große Nummer.

Die Moral von der Geschicht‘?

Das Siegerlied muss außergewöhnlich sein, es muss eine bestimmte Botschaft transportieren. Am besten wäre es, wenn das Lied in der Landessprache vorgetragen würde. Und es sollte in jedem Fall von Autoren aus dem Teilnehmerland stammen. Bis auf die Sprache trifft das auf das Siegerlied des Vorjahres, „Toy“ von Netta, zu.

Anders war es beim Siegerlied im Jahr 2017, als Salvador Sobral mit dem portugiesischen Chanson „Amar pelos dois“, das seine Schwester schrieb, von einer verlorenen Liebe erzählt. Es war nicht massentauglich, aber besonders. Und es war auch die Geschichte des damals schwerkranken Sänger, der kurz nach dem Sieg ein Spenderherz bekam.

Besonders war auch ohne Frage „Ein bisschen Frieden“ von Nicole 1982, als dieses unschuldige Mädchen mit ihrer Gitarre inmitten von älteren Herrschaften saß und von ihrer Hoffnung auf ein Ende des Kalten Krieges sang. Ja, das war ein hundertprozentiges Ralph-Siegel-Produkt. Aber so geht es nun einmal.

Cliff Richard sagte mal zu seinem Platz 4 beim ESC 1968 mit „Congratulations“: „He, mir gucken dort 400 Millionen Menschen zu. Wenn nur 1 Million meine Platte dann kaufen, hab ich doch gewonnen“. Am Ende ist die Moral von der Geschicht‘: Jeder gottverdammte Komponist jedes Landes muss das allerbeste aus sich herausholen und wirklich das beste Lied zum ESC schicken.

Alles unterhalb dieser Marke ist Wischiwaschi-Auftragsarbeit. Und für jeden Musiker muss es eine Ehre sein, sein Lied zum ESC zu schicken. Andernfalls wird die Auswahl immer im Beliebigen liegen. Und dann kommt so ein Beitrag wie der von S!sters zum Eurovision Song Contest 2019, und hinterher ist der Katzenjammer wieder groß.

6 Kommentare

  1. Ich bin im Prinzipt Deiner Meinung und sehe Germany weit hinten und die Niederlande weit vorn. Trotzdem bin ich sehr gespannt und freue mich auf heute Abend :-)

  2. Ich habe folgenden meine Stimme gegeben:
    – Dänemark
    – Slowenien
    – Estland
    – Island
    Warum(?) Weil sie nicht ganz so beliebig sind wie die anderen.
    Achja und Carlotta hat bei mir noch Welpenschutz, ich habe sie schon damals beim Supertalent in mein Herz geschlossen.

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