Frühlingserwachen mit Jean-Michel Jarre

Heute haben wir regnerisches und stürmisches Wetter. Und plötzlich fiel mir Jean-Michel Jarre ein, der vor fast 50 Jahren „Équinoxe“ hatte. Dieses Album ist für meine Begriffe eins der schönsten und wichtigsten Elektronik-Alben aller Zeiten. Behandelt wird auf dem Album, wie das Äquinoktikum klingt, die Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr und im Herbst. Wenn man sich vorstellt, wann dieses Meisterwerk herauskam, können wir Möchtegern-Musiker heutzutage uns ganz leise ins Nichts verziehen. Das ist dann einfach unerreichbar.

Werbelliner See

Das Foto oben stammt vom Werbelliner See nördlich von Leipzig. Das ist der Nachbarsee von dem hier. Ich habe den gerade auftauenden See im Januar 2021 fotografiert, lange vor dem Frühlingserwachen. Wenn ich ehrlich bin, fühlt sich die „Équinoxe“ von Jean-Michel Jarre exakt nach diesem Foto an. Der erste Lockdown damals war gerade rum, und meine Frau und ich sind einfach dort hin, um die erste Sonne des Jahres zu erleben. Exakt so fühlt sich das ganze Album an.

Gerade ist wieder etwas mehr Sturm vor dem Fenster von meinem Arbeitszimmer los. Es ist alles grau, aber bald wird der echte Frühling zuschlagen. Davon bin ich überzeugt. Damals am Werbelliner See dachten wir halt auch, dass das Jahr 2021 ein gutes wird. Was haben wir uns damals getäuscht. Aber dennoch war da alles mehr oder weniger geprägt von Neuanfang, von In-die-Hände-spucken, von Frühling. So wie die „Équinoxe“.

„Équinoxe“ von Jean-Michel Jarre

Über viele Musiker wird ja gesagt, dass sie ihre wichtigsten Alben machen wollen, bis sie 30 Jahre alt sind. Jim Morrison war so jemand, Robert Smith auch. Wer weiß, vielleicht war das bei Jean-Michel Jarre ja auch so. Der hatte das Album Monate, bevor er 30 wurde, veröffentlicht. Und so kommen knappt 40 Minuten der wohl besten elektronischen Musik um die Kurve, die ich kenne. Ich kannte das Album lange, bevor ich zu der Schallplatte kam. Wir sich das zutrug, kann sich niemand mehr vorstellen.

Es gab eine Zeit, in der ich bei einem Entsorgungsunternehmen Beifahrer und „Tonnenkipper“ war. Stellt euch mal vor, dass ich dieses Album und den Vorgänger, das weltberühmte „Oxygéne“ im Müll gefunden habe. Die Platten sind bis heute völlig in Ordnung, die Cover halt nicht. Deshalb habe ich als Artikelbild auch nicht das Cover hergenommen. Aber wenn du die Musik hörst, tauchst du direkt in die Frühjahrsstürme ein. Es ist sagenhaft, was Jean-Michel Jarre mit „Équinoxe“ geschaffen hat.

Es ist eine zeitlose Soundlandschaft, die Jean-Michel Jarre mit dem ARP 2600, dem EMS Synthi AKS, dem VCS 3, dem Yamaha CS-60, dem Oberheim TVS-1A und unfassbar vielen weiteren Synthesizern und Sequenzern geschaffen hatte. Über ein halbes Jahr lang hat er dieses sensationelle Album produziert. Für mich, als ich auf das Album vor Jahrzehnten stieß, eine echte Offenbarung. Und ihr solltet euch einfach mal die 40 Minuten Zeit nehmen und diese Art Musik genießen. Und ja, ich habe den Code von Tidal eingebaut.

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9 Kommentare zu „Frühlingserwachen mit Jean-Michel Jarre“

  1. @henning-uhle.eu Absolut. Wenn man die Möglichkeiten damals und heute bedenkt…

      • @henning-uhle.eu Ich meinte tatsächlich erstmal die (produktions-)technischen und klanglichen Möglichkeiten. Dass die ganze Vetriebsseite heute halt anders aussieht, ist natürlich auch unbestritten.

  2. 1. Jarre und was er da damals geschaffen hat, ist Hammer.
    2. Werbelliner See: Da ist ein L zu viel. (Der Werbellinsee im Barnim schreibt sich mit zwei L.)
    3. Ich finde, die Parallele zu Morrison passt nicht, da dieser dem Klub 27 angehört, also gar keine Chance hatte, was Ü30 zu schreiben. Wer weiß, was da noch gekommen wäre.

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    • Uiuiui… Ja, irgendein Schreibfehler ist ja immer. Ich haue das ja auch immer durcheinander. Und was Jim Morrison betrifft, ist es so, dass der irgendwo zitiert wurde, dass er bis 30 alles erreicht haben wollte. Ach, komm, halber Punkt, OK?

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  3. Danke für das Flashback, mein zweitliebstes Album von Jean-Michel Jarre. Habe es aus dem Dornröschenschlaf auf der SSD wieder mal geweckt und in Erinnerungen geschwelgt.

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  4. Ja, tolles Album! Wobei ich mich wohl bei „bestes Album“ nicht zwischen Oxygène, Équinoxe, Magnetic fields und Concerts in China entscheiden könnte. Ich hör mir einfach mal heute Abend alle vier an. Danke für den Höranstoß!

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