Genosha: Alternative Rock von [bleeding] foundation

Ich habe die Schallplatte Nr. 54 von 100 einer limitierten Veröffentlichung von „Genosha“, dem quasi-Debütalbum von [bleeding] foundation. Was war das für eine Geschichte, die da hinter der Band liegt, bis es dann endlich zu diesem Album kam. Sie haben sich sogar mal eben zwischendurch neu erfunden. Denn es gab die Band schon lange vorher, in anderer Besetzung als „Porter“. Es hat eine Pandemie, zwei Kriege und eine gesamte zerrissene Gesellschaft lang gedauert, bis dieses Album fertig war. Und jetzt reden wir darüber.

Von „Porter“ zu „[bleeding] foundation“

Es war einmal eine Alternative Rock Band aus dem Ruhrgebiet. Die nannte sich „Porter“. Ihr großes Album vor gefühlten Urzeiten war „Wolkenstein“. Und vor um die 10 Jahren haben sich die 5 Herren aufgemacht, „Genosha“ anzugehen. Und das hat die ganze Band fast komplett zerschossen. So sehr, dass man sich neu gründete. Ich habe irgendwie so 2017 oder so von dem Album-Projekt das erste Mal gehört. Ich folge nämlich seit langem dem Schlagzeuger der Band.

Jedenfalls kam dann irgendwie so eine Pandemie dazwischen. Wie schlimm das für eine Rockband ist, kann ich ja nicht nachvollziehen, da ich ja Musik nur mit dem Computer mache. Jedenfalls hat sich über die Jahre wohl einiges an Wut aufgestaut. Irgendwo zwischen Heavy Metal, Indierock und Punk kommen die fetten Statements daher. Und dann mussten sie sich neu erfinden. „Aus Gründen“ gibt es derzeit keinen festen Sänger und keinen festen Bassisten. Und der Bandname ist jetzt „[bleeding] foundation“. Gewaltig ist es trotzdem.

Genosha – aber ohne die X-Men

„Genosha“ ist ein komplett in sich geschlossenes Album. Immer wieder hört man, wie Zitate gesprochen werden. Das Album poltert gleich erstmal richtig mit „Taxfree Hollows“ los, in dem sie anprangern, dass sich die Welt mit Scheindebatten um echte Lösungen herum drückt. In „Sally“ geht es um die Sinnlosigkeit, dass manche zu führen glauben und manche ausführen sollen. Die Protagonistin aber wollte dann doch lieber sie selbst sein.

„Tiny Things“ sind diese kleinen Dinge, an denen man wächst, statt sich in den eigenen Gedanken zu wälzen. Am Ende ist das der Kern der Hoffnung. „Tout est pardonné“ klingt positiv, weil es ein schöner Tag ist, und man unbedingt gehen muss. Aber es geht um das Vermächtnis von Sophie Scholl. Wir sollten nicht mehr stumm bleiben und faschistische Tendenzen akzeptieren. Der Titel heißt „Alles ist vergeben“. Wenn das mal keine falsche Fährte ist.

Das Titelstück „Genosha“ handelt von der dystopischen Inselnation. Die Rebellion, die niedergeschlagen werden muss. Man wird seinen Namen kennen, denn er hat keine Lust auf Vorschriften. Und wir sind halt nicht käuflich. „The Age of Non-Innocence“ erzählt von einer Welt in Angst, in der wir den Hass beseitigen müssen. Es ist nie zu spät dafür, und nur so kann sich die Welt weiterentwickeln. Wir werden aber nicht still sein und nur zuschauen.

„Behind The Banlieue“ behandelt die soziale Spaltung zwischen dem Doomscrolling und dem „Hättest du mal“. Die Banlieue ist dabei die Bannmeile, die Randzone der Großstadt, die die Pet Shop Boys schon mit „Suburbia“ am Wickel hatten. In „Always Day One“ wird der Hörer aufgefordert, selbst voran zu gehen, aus dem Schatten zu treten. Lasst euren inneren Punk raus, und an Tag 1 fängt man endlich an zu leben.

„German Angst“ sagt eigentlich alles im Titel schon aus. Wir Deutschen haben Angst vor allem fremden. Dabei ist es doch so, dass die kältesten Herzen die kleinsten Geister füttern. Machen wir uns nicht zum Werkzeug der Gewalt. Das Album schließt dann mit „The Story of a Coming Storm“. Erhebt eure Stimme, lasst sie gehört werden, um die Welt neu zu bauen mit Freiheit und Liebe. Und damit geht „Genosha“ positiv zu Ende.

Meine Meinung?

Es hat sich gelohnt, eine halbe Ewigkeit auf etwas neues der verbliebenen drei Herren zu warten. Aus Porter übrig geblieben sind Drummer Markus und die Gitarristen Frank und Lars. Raimund hat zum Teil noch die Lieder eingesungen und Volker den Bass geschrammelt. Es gab noch einen Christian als Keyboarder. Die drei übrigen Herren wollten einfach „Genosha“ nicht sterben lassen, bevor es fertig ist. Zu viel Arbeit hatten sie reingesteckt.

Ich hab das gar nicht mitbekommen, wie das mit Porter passiert ist. Jedenfalls wollten sie den Namen dann nicht mehr weiter verwenden. Und so kam es dann zu „[bleeding] foundation“. Blutendes Fundament? Eine blutende Grundlage? Eine ausblutende Stiftung? Hmm… Jedenfalls kannte ich aus „Genosha“ lange vor der Veröffentlichung die Stücke „Taxfree Hollows“, „Sally“, „Behind the Banlieue“ und „Tout est paronné“. Und die fand ich vom ersten Hören an allesamt großartig.

Das Album ist ein Zeitdokument dessen, was durch Pandemie, Kriege, Spaltung, Angst vor Fremden und Desinformation passieren kann. Wir sind ja eigentlich ein positives, starkes Land. Weil sich aber durch die Seelenverkäufer das Volk hat verunsichern und spalten lassen, ist das Land schwach geworden und hat sich selbst der Lächerlichkeit preisgegeben. Die Wut darüber und der Weckruf aus dieser Ohnmacht, das sind die prägenden Elemente der Dreiviertelstunde.

Wer sagt denn, dass wir alles als gottgegeben ansehen müssen? Das fördert doch dann nur noch mehr Spaltung. Und die rechten Seelenverkäufer haben bei so etwas leichtes Spiel. Daher auch der Name „Genosha“, die Dystopie aus dem X-Men Universum, gleichbedeutend mit Sklaverei, Apartheid und Unterdrückung. Soweit darf es hier niemals kommen. Die Band scheint uns entgegen zu brüllen „Zieht doch endlich den Finger aus dem Arsch und bietet den Spaltern die Stirn“.

Recht haben sie. Deshalb müssen sie laut sein, mit grummeligen Gitarren-Riffs, einem wütenden Schlagzeug, lautem Gesang. Die Wut muss zu spüren sein. Die Band erinnert dabei an eine wütende Ausgabe von Marillion oder Queenryche. „Genosha“ ist ein immens wichtiges Album in diesen irren Zeiten, in denen die Politik auch nach der größten Spaltungsorgie so tut, als gäbe es kein zutiefst verunsichertes Volk. Ich kann das Album wirklich jedem ans Herz legen.

Wo kann ich es hören?

Auf der Webseite habt ihr auch die Möglichkeit, der Band zu folgen. Die sind echt gut unterwegs. Und sie wissen, wie man mit einem moralischen Kompass umgeht. Vielleicht kommen wir mit solcher Musik dann ja doch auf die Idee, irgendwas an dem Zustand des Landes zu verändern. Denn so, wie das hier läuft, steuern wir direkt auf ein echtes „Genosha“ zu. Und das wollt ihr nicht.

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