Jeder, der irgendwas mit Musik macht, kennt das: Irgendwann kommt der Punkt, an dem man im Loop gefangen ist. Es kommt die Frage: Und jetzt? Ganz besonders kommt das in der elektronischen Musik auf. Also wenn man irgendeine Art tanzbare Musik macht. Vor allem, wenn man keine Ahnung hat, ein Instrument zu spielen, was beim Musizieren eigentlich immer eine blöde Idee ist. Aber es gibt noch wesentlich mehr Fallen. Und jeder, der Musik macht, ist da schon reingetappt.
Wenn man im Loop gefangen ist
Wie ihr wisst, mache ich leidenschaftlich gern Musik. Mir ist nach wie vor klar, dass ich niemals irgendeine Art Reichtum anhäufen werde. Das ist halt auch nicht mein Ziel. Es ist – wie gesagt – eine Leidenschaft. Dennoch will ich das immer so gut wie möglich machen. Das ist dann auch wie bei jedem anderen Hobby. Alle, die zeichnen, ärgern sich über misslungene Farbklekse. Schreibende Menschen fluchen über Formulierungen, die in die Hose gegangen sind. Das ist normal.
Naja, und deshalb feile ich immer wieder an irgendeiner Idee herum. Derzeit habe ich um die 5 angefangene Projekte, wo ich eine Melodie oder eine Akkordfolge oder sonstwas gefunden habe, die mir gefiel. Nein, keine Samples oder KI. Ich habe da einfach so vor mich hin geklimpert und bin auf die Ideen gestolpert. Und dann hast du eine Idee über 4, 8 oder 16 Takte. Wie geht das dann weiter? Ehe man sich umgucken kann, ist man im Loop gefangen.
Nach der drölfzigsten Wiederholung merkt man: Shit, da komme ich jetzt nicht weiter. Was dann? Ich lasse das angefangene Projekt einfach liegen und widme mich anderen Dingen. Ich mache halt meine Musik nur nebenbei, und so kommt vielleicht der Job um die Kurve und verlangt nach Aufmerksamkeit. Oder es ist das Privatleben, das ich halt auch genießen will. Oder ich habe halt einfach zu gar nichts Lust. Dann bleibt der Loop einfach mal so, wie er ist.
Aber irgendwie packt einen dann doch mal das schlechte Gewissen, falls man das so bezeichnen kann. Mit regelmäßiger Unregelmäßigkeit höre ich mir die angefangenen Dinge an und überlege, ob ich da in irgendeiner Form weiterkomme. So ist „Stand By Me“ entstanden. Anderes Beispiel: Der Track „Far East“ hat mich fast wahnsinnig gemacht. Viele Ideen müssen halt wahrscheinlich erst reifen, bevor sie zu einem fertigen Song weiterentwickelt werden können.
Kommt man denn aus so einer Schleife wieder raus?
Wie gesagt, ich habe da ein ganzes Bündel angefangener Ideen. Um die Dinger zu speichern, muss ich denen ja Namen geben. Das ist oftmals gar nicht so einfach. Derzeit bastle ich an einer Idee in G#-Moll mit jeder Menge Effekten und Automationen und all dem Kram. Ich habe keine Ahnung, ob der derzeitige Titel „Clearvoyant“ – also Hellseher – passt. Aber ich habe das vor 3 Monaten halt so genannt. Ich bastle da immer mal wieder daran herum. Aber voran geht das nicht.
Klar, ich könnte mit der nächsten Idee weitermachen. Aber vielleicht ist auch anderes sinnvoll: Was machen andere? Welche Entwicklungen gibt es in der Musik? Wie fühlt es sich an, mal einen komplett anderen Stil zu machen? Oder ich mache einfach mal gar nichts musikalisches oder lasse bestenfalls mal Musik laufen, die mir Tidal so präsentiert. Ach ja, BandLab als Quelle ist auch immer einen Besuch wert. Auch Ablenkung ist eine gute Idee. Und über etwas wichtiges schrieb ich noch gar nichts.
Wie ist das eigentlich in diesem so genannten Draußen? Gut, der Mai ist bisher vom Wetter her extrem überschaubar. Die Eisheiligen hauen mal so richtig rein. Aber wer als Musiker – professionell oder als Hobby – im Loop gefangen ist, sollte sich durchaus auch mal das Gehirn durchlüften. Und wie ist das mit Freunden, Menschen in dieser so genannten realen Welt? Musik ist zwar extrem wichtig. Aber du musst dich auch mal davon freimachen, sonst bleibst du in Gefangenschaft.
Ich meine, ich muss ja nicht den nächsten Track zu einem Zeitpunkt X fertig haben. Wie gesagt, das ist ein Hobby. Und so kann ich mich doch frei entfalten, wenn ich die Lust dazu habe. Und es ist ja nicht so, dass ihr nichts mehr von mir hört. Am Freitag kommt ein neuer Track von mir über Ditto bei den Streamingdiensten auf die Welt, den ihr euch schon mal vormerken könnt. Da habe ich Edgar Allen Poe mit Deep House verquirlt. Das war auch so ein wildes Experiment, das über Monate reifen musste.
Einfach machen
Ich mache einfach immer weiter. Nein, nicht um irgendein imaginäres Ziel zu erreichen oder so. Musik tut mir halt einfach gut. Ich habe es immer wieder von mir gegeben, dass Musik einfach da ist, keine Fragen stellt und in Regionen in dir vordringt, wie es sonst nichts kann. Es ist doch am Ende scheißegal, ob man als Hobbymusiker im Loop gefangen ist oder nicht. Es ist eine wunderbare Freizeitbeschäftigung. Und mal ehrlich: Wenn ich Musik mache, bleiben die ganzen Katastrophen draußen.
Sollen sich die ganzen Verrückten in staatstragenden Ämtern doch weiter die Köpfe einschlagen. Irgendwann ist der nächste Track fertig. Es ist doch am Ende so, dass der Weg das Ziel ist. Deshalb denke ich bei meiner Musik auch immer daran, euch als Hörer für die 3, 4, 5 oder wie viele Minuten auch immer auf eine kleine Reise mitzunehmen. Und genau deshalb gibt es auch meistens etwas zu einem Track zu erzählen. Und so wird das wohl bleiben. Warum auch nicht?
Ich habe kein Patentrezept, wie man aus der Gefangenschaft rauskommt. Irgendwann stelle ich halt einfach fest: Oh, der Track ist ja fertig, wie konnte das denn passieren? Und wenn ich mal wochenlang an einem fucking 4-Takte-Loop bastle, dann ist das so. Einfach machen. Es ist nun mal ein Hobby. Ich muss da niemandem irgendwas beweisen. Das wollte ich euch nur mal eben erzählen. Aber wer selbst Musik macht, kann ja mal erzählen: Wie kommt ihr aus dieser Loop-Falle wieder raus?





@henninguhle Die Frage was ist die Definition von elektronische Musik?
Das was ein Richard Wright mit seinen Synthesizern und Co gemacht hat ist ja auch „elektronische Musik“, aber halt anders…
@schnedan Ich meine das aus dem ersten Absatz: „Also wenn man irgendeine Art tanzbare Musik macht.“
@henninguhle die „Probleme“ die du beschreibst hat man ja nicht nur bei Musik – egal ob man im Hobbykeller was bastelt, sich ne elektrische Schaltung ausdenkt oder programmiert… es ist immer das Gleiche.
Was du beschreibst, ist meiner Meinung nach ein ganz normaler Prozess beim kreativen Schaffen. Ich habe über Jahrzehnte hinweg hunderte Tracks auf der Backuplatte, die nie fertiggestellt wurden. Manchmal höre ich da rein und wenn mich der Track inspiriert, entwickle ich ihn weiter. Entweder wird er dann fertiggestellt oder er bleibt bis zum nächsten Mal im Archiv der unfertigen Tracks.
Blöd ist es, wenn etwas fertig werden muss. Dann hörst du endlos die gleichen Loops. Irgendwann nimmst du die Töne nicht mehr richtig wahr. Da hilft es, zwischendurch immer mal eine kleine Pause einzulegen. Und genauso kann man es auch mit den nicht fertiggestellten Tracks sehen. Irgendwann kommt man mit einem frischen Gehör und neuen Ideen wieder zurück.
Exakt das meine ich. Und das ist doch am Ende der Vorteil, wenn man kein Profi ist: Man kann fummeln, wann immer man will, und wenn es Jahre später ist.