Jamendo: Musikhören ohne Hintergedanken?

Ich teste derzeit die Musik-Plattform Jamendo. Die ist interessant, sowohl für Musiker als auch für Musikliebhaber. Quasi für alle Welt. Nein, ich werde nicht vom Betreiber gesponsert. Ich will einfach mal ein paar Takte dazu aufschreiben. Und vielleicht findet das ja auch die eine oder der andere spannend. Das Alles vor dem Hintergrund, dass man sich doch von den Allmachts-Fantasien von Spotify befreien muss. Schauen wir also mal, ob das was ist, was uns da angeboten wird.

Wer oder was ist Jamendo?

Zunächst einmal: Jamendo ist für Musiker und Hörer erst einmal kostenlos. Ich kann meine Musik dort unter einer der Creative Commons Lizenzen veröffentlichen. Und das bedeutet, dass Hörer meine Musik für den privaten Gebrauch kostenlos streamen und herunterladen können. Ich mache das auch, weil da wirklich zum Teil richtig gutes Zeug dabei ist. Ich als Musiker kann aber meine Musik genauso gut für Film, Fernsehen, Werbung etc. lizenzieren. Und da kommt die Finanzierung der Plattform ins Spiel.

Das Wichtigste dabei ist, dass die Musik GEMA-frei ist. Da ich nicht bei der GEMA registriert bin, trifft das also für mich zu. Und dann gehe ich los und suche mir Musik. Das kann ich mit Kategorien machen, mit Stichworten, mit was auch immer. Die Suche ist dann doch recht treffsicher. Allerdings habe ich festgestellt, dass die Webseite dann doch hier und da mal arg ins Schwitzen kommt. Probiert es mal aus, das geht wohl auch ohne Account.

Wie bei jedem anderen Streaming-Dienst gibt es auch bei Jamendo kuratierte Playlists. Wer das macht, kann ich nicht sagen. Ich nehme an, die haben da ein kleines Team, das sich darum kümmert. Alles in allem handelt es sich bei dem Anbieter nach eigenen Angaben um ein Team „von mehr als 20 Personen“. Der Hauptsitz ist in Luxemburg, es gibt aber auch noch Büros in Paris und Brüssel. Und sie unterstützen das „FreeCulture Movement“.

Was halte ich denn davon?

Ich bin noch etwas verhalten. Es ist erst einmal großartig, dass es eine Plattform gibt, die sich von Spotify abgrenzt. Was der schwedische Laden der Musik-Kultur antut, kannst du echt niemandem erzählen. Allerdings weiß ich noch nicht so recht, wie ich mit Jamendo umgehen soll. Ich habe dort ein Profil und 4 ältere Tracks von mir hochgeladen. Laut Statistik werden die wohl auch gehört, innerhalb 1 Woche etwa 260 mal. Aber sonst? Reaktionen sind gleich Null.

Ob das so normal ist, weiß ich nicht. Ich habe bei dem einen oder anderen Stück, das mir echt gut gefiel, eine Reaktion und einen Kommentar dagelassen. Denn sowas ist doch immer der Applaus für Künstler wie auch für Blogger. Ansonsten muss ich jetzt erst einmal beobachten, wie das mit der Plattform weitergeht. Ich will nicht sagen, dass das ein unnützer Laden ist. Vielleicht dauert halt alles nur länger. Ich kann es euch nicht sagen.

Gekostet hat mich der Account wirklich nichts. Man muss sich allerdings als Musiker mit einem offiziellen Dokument authentifizieren. Und da kann man schon Muffensausen bekommen. Aber es gibt schlicht und ergreifend bisher keine negativen Schlagzeilen. Also bleibt mir erstmal nur, das Ganze weiter zu beobachten. Ich muss ja auch noch herausfinden, wie ich dort evtl. auch ein paar Münzen verdienen kann, obwohl das nicht entscheidend ist.

Klein und unbekannt?

Ja, Jamendo hat jetzt nicht die riesige Nutzergemeinde wie Spotify. Sie sind aber auch nicht auf Musiker wie Taylor Swift angewiesen. Der Ansatz ist ein völlig anderer. Irgendwie fällt mir da Audius ein. Offenbar gibt es das auch noch. Aber irgendwie wirkt dann Jamendo doch etwas ausgereifter. Kennt das aber irgendjemand, der diesen Blog hier liest? Wenn ja, lasst mal hören, was ihr von der Plattform haltet.

Es kann ja sein, dass ich mir den ganzen Bums sparen kann, weil das eine tote Plattform ist. Die Statistiken können ja auch mit irgendwelchen Automatisierungen erstellt worden sein. Wer weiß das schon? Daher würde es mich echt interessieren, ob die Plattform eine sinnvolle Alternative zu den großen und – im Fall von Spotify – für Musiker unbrauchbaren Anbietern ist.

Einfach mal weitersagen

4 Gedanken zu „Jamendo: Musikhören ohne Hintergedanken?“

  1. Ja, ich kenne Jamendo noch von »ganz früher«. Ich bin da damals in absolutem Unfrieden weggegangen (und habe Account und Alben gelöscht), als es dort zwischenzeitlich bildschirmfüllende Layer mit Werbung für Jägermeister und McDonald’s gab und die Moderation im Forum es mit unverbindlichen Zusagen, rhetorischen Tricksereien, Relativierungen und Hinhaltetaktiken versucht hat, damit es auch so richtig kalt und eklig wird.

    Jägermeister! McDonald’s! Als ob es keine hochqualitativen Werbepartner mit der Zielgruppe Musiker und Musikinteressierte geben würde! Nie wieder wollte ich dorthin zurück. Die haben damals innerhalb dreier Tage gefühlt die Hälfte der hochgeladenen Musik verloren – und da war viel Interessantes dabei, vor allem aus der für mich eher fremden französischen Szene mit teilweise arabischer Mitprägung – und das trotzdem weiter durchgezogen. Einer Klitsche, die mir einmal so kommt, kann ich nie wieder vertrauen.

    (Und ja, es waren browserfensterfüllende Layer, die das eigentliche »Produkt«, wofür Menschen dort hinkommen, nämlich die Musik, vollständig verdeckt haben und erstmal weggeklickt sein wollten. Auf gut versteckten Wegklickkreuzchen. Die nicht einmal immer an der selben Stelle lagen. Ich habe es erst gar nicht geglaubt, und als ich es dann einmal nach einem Hinweis mit abgeschaltetem Adblocker gesehen habe, waren Enttäuschung und Wut schon nicht mehr die richtigen Kategorien, um zu beschreiben, wie sich das anfühlte. Wenn es nur einfache Bannerchen gewesen wären und die hätten im Forum auf ihre damals recht unerfreuliche Finanzlage hingewiesen, hätte ich das vielleicht sogar hingenommen. Ich bin ja gar nicht so fanatisch, wie ich oft wahrgenommen werde. Aber so war es reine Verachtung gegenüber denen, die dort als austauschbarer Content verwurstet werden sollten, als Wurm am Angelhaken. Für Leberkleister. Und das Beinahe-Essen von McWürgreiz.)

    Es kann gut sein, dass die Atmosphäre dort inzwischen ein bisschen weniger giftig ist. Aber ich habe genug. Wenn es dort weniger giftig geworden ist, dann nur, weil durch Schmerzen gelernt wurde, dass man wohl etwas Musik braucht, wenn man Dienstleistungen für die Verbreitung von Musik anbieten und damit Reibach machen will.

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    • Erstmal sorry, dass ich nicht eher geantwortet hatte. Ich trete ja derzeit etwas kürzer. Sorry für die Verzögerung.

      Das klingt ja gar nicht gut, was du mit denen erlebt hattest. Da kann ich es auch gut verstehen, dass du mit denen nix mehr zu tun haben willst. Ich hab auch erstmal nur ganz vorsichtig den einen oder anderen schlecht laufenden und älteren Track von mir dort hochgeladen, um zu sehen, wie das geht. So richtig überzeugt bin ich noch nicht.

      Es gibt ja immernoch SoundCloud, die gar nicht so unfair sind wie manch anderer Streamingdienst. Und nebenbei, wenn mein Kram besser laufen würde, würde ich ja mehr mit BandCamp machen. Aber dort hört man meinen Kram genau so wenig wie auf Spotify. Dann isses so.

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