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Gitarrenspiel - (C) PublicDomainPictures CC0 via Pixabay.de Gitarrenspiel - (C) PublicDomainPictures CC0 via Pixabay.de

Längst vergessen: „Bis ans Ende der Welt“ der Puhdys

In der DDR ist man quasi mit den Puhdys aufgewachsen. Ich hatte von ihnen „Heiß wie Schnee“ aus dem Jahr 1980 als mein Lieblingsalbum der Band ausgesucht. Und auf diesem befindet sich eine Nummer, die wie ein Berggipfel erobert werden will. „Bis ans Ende der Welt“ ist für mich der Inbegriff von Rockmusik für große. 37 Jahre ist das her. Ich war damals 7 Jahre alt. Und seitdem fasziniert mich dieses Lied.

Heiß wie Schnee?

Die Puhdys hatten sich zum Eintritt in die Achtziger vom Folk-dominierten und zeitweise sehr verspielten Rock abgewendet. Mit der Platte „Heiß wie Schnee“, in deren Titelstück es heißt, dass man zugleich Feuer und kühler sein muss, will man etwas erreichen. Große Gassenhauer wie „Nie wieder werde ich weinen um dich“ und „Melanie“ machen diese Platte zu einer wahren Hard Rock Größe.

„Heiß wie Schnee“ brachte auch einen Wendepunkt in Sachen Besetzung und Inhalt. Schlagzeuger Klaus Scharfschwerdt, der mir schon vorher bei „Prinzip“ imponiert hatte, ersetzte Gunther Wosylus. Und die Texte wurden nun meistens von Sänger Dieter Birr geschrieben. Sie waren ab dem Zeitpunkt direkter, mehr aus dem Leben gegriffen. Er verarbeitet auf der Platte zum Beispiel eine Trennung.

Und es gab die alltäglichen Probleme. Damals wie heute, ob in Ost oder West: Es gab Mobbing. Eins der zentralen Lieder dieses großartigen Albums ist „Weit, so weit“, in dem die Geschichte erzählt wird, wie ein Junge gemobbt wurde und sich letztlich umbrachte. Aber das größte Lied ist das, worüber ich eigentlich schreiben will.

Bis ans Ende der Welt

Das Lied beginnt mit einem fetten Break, bevor eine klassische Gitarre ihr Arpeggio beginnt. Harry Jeske tanzt dann leichtfüßig mit seinem Bass durch die Oktaven, und Klaus Scharfschwerdt hält erbarmungslos den Kahn auf Kurs. Peter Meyer bietet einen breiten Klangteppich mit seinen Keyboards. Die Sechs-Minuten-Nummer beginnt recht unscheinbar.

Dieter Hertrampf erzählt in dem Lied von einer Frau, die als Teenager auf einen Blender hereinfiel und sich in ihn verliebte. Er spielte mit ihr, schickte sie weg, nahm sie überall hin mit und verschwand dann irgendwann. An diese Zeit erinnert sich die Frau immer wieder, wenn sie sich wieder einmal mit einem Mann einlässt. Die Narbe verblasst niemals.

Der Abspann des Liedes bildet zuerst ein hartes Stakkato der Gitarren von Dieter Birr und Dieter Hertrampf, das unterlegt ist mit fettem Schlagzeugspiel. Auf dieses Stampfen legt sich Gastmusiker Günther Fischer mit einem weinenden Saxofon. Das totale Ende bilden dann breite Dissonanzen von Peter Meyer und der finale Break, der schon am Anfang erklang.

„Bis ans Ende der Welt“ ist ein Kunstwerk. Aus der Band, die mitten im sich anbahnenden Kalten Krieg die Beatles und sonstwen für die DDR coverte, wurde eine große Rockband. Das Ganze geht schon in die Richtung, die auch die Scorpions im „Westen“ einschlugen. Vorbei war der schrammelige Rock á la „Geh zu ihr und lass deinen Drachen steigen“. Hier wurde aufs Edelste gerockt.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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