Längst vergessen: „Gefährten des Sturmwinds“ von Karat

Das Lied „Gefährten des Sturmwinds“ ist eins der beeindruckendsten Lieder von Karat, den Idolen der Rockmusik der DDR. Mystisch, verspielt, ein sagenhafter Text und mit einer Brachialität, wie man sie nicht erwartet hatte. Karat hatten mit dem Album „Blauer Planet“ Maßstäbe gesetzt, die das Lied absolut bestätigte. Für mich ist „Gefährten des Sturmwinds“ so ziemlich das beste Stück der DDR-Musikgeschichte. Es war nie Single oder so etwas. Aber das ist auch nicht schlimm, den in diesem Format hätte es nicht funktioniert.

Die Gefährten des Sturmwinds

Herbert Dreilich erzählt in diesem Lied die mystische Geschichte des Sturms. Man soll mit ihm gehen, und er klopft auch bei ihm an der Tür. Er erzählt weiter, dass er immer auf der Suche war. Er verspürte den Hunger nach Freiheit, und hat niemandem von seinen Träumen erzählt. Er bleibt still und treibt dahin. Und er träumt immer wieder von den Fluten. Er geht durch den Sturm, denn der wartet auf ihn. Er ist ihm schon oft begegnet, und er stellt sich ihm.

Auch wenn der Sturm Dein Dach zerbricht, und wenn er Dich zur Erde biegt, steh‘ wieder auf, biet‘ ihm Deine Stirn, denn er trägt Dich weit, wenn Du mit ihm fliegst.

Die Mutter der ungewöhnlichen Lieder

„Die Gefährten des Sturmwinds“ fangen recht leise an. Die gesamte Rhythmik ist nicht der typische 4/4-Takt. Hier haben wir es mit einem Rumba-ähnlichen 6/4-Takt zu tun. Beeindruckt hatten mich als Kind immer die mystischen Stimmen. Die ganze Band findet sich hier zum Satzgesang zusammen, der aber kolossal verfremdet ist. Es hört sich an, als ob das Gesungene rückwärts abgespielt wird. Aber genau kann ich das wirklich nicht sagen.

Das Lied baut sich immer weiter auf und gipfelt nach dem zweiten Refrain in einem grollenden Break. Es ist das Thema, dass man vom Fremden und Unbekannten überrollt wird und das in allen Facetten spüren möchte. Es ist auch die Geschichte vom Fernweh, das nie gestillt wird. Und es ist die Erkenntnis, dass man immer weiter machen muss, egal wie schlimm es kommt.

Im Kontext des Antikriegsalbums „Der blaue Planet“ und dem Wissen darum, dass eine explodierte Atombombe eine gewaltige Druckwelle erzeugt, bekommt das Lied aber auch eine weitere Bedeutung. Man muss sich dem Kriegsgeheul entgegen stellen, muss weitermachen. Und nur zu Zeiten des Friedens ist man am Ende frei. So mystisch das Lied klingt, so mystisch ist auch sein Inhalt. Ich denke, jeder kann sich selbst einen Reim darauf machen. Jedenfalls ist „Gefährten des Sturmwinds“ ein sagenhaft gutes Lied.

Das Lied

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=SpTQbjhJlzU

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