Längst vergessen: „If you could read my Mind“ von Gordon Lightfoot

Wie schreibt man sein persönlichstes Lied? Das muss sich 1970 auch der Kanadier Gordon Lightfoot gedacht haben, als er „If you could read my Mind“ schrieb. Das leise, traurige Lied ist ein Synonym für Trennungen geworden. Es ist der Soundtrack für Melancholie. Es ist das Lied nach der Trennung von seiner ersten Frau. Man merkt dem Lied auch ohne Englisch-Kenntnisse an, wie sehr das Herz gebrochen war. Gordon Lightfoot hatte hier seine größte Nummer geschrieben. Sie hatte ihn zur Legende gemacht. Das ist lange her. Darum muss man das mal wieder auffrischen.

If you could read my Mind, Love…

Wenn du meine Gedanken lesen könntest, welche Geschichte könnten meine Gedanken erzählen? Wie so ein alter Film über einen Geist, der in einem Wunschbrunnen haust. Oder in einem dunklen Schloss oder einer starken Burg. Mit Ketten an den Füßen. Du weißt, dass ich dieser Geist bin. Und ich werde nicht erlöst sein, so lange ich der Geist bin, den du nicht sehen kannst.

Wenn ich deine Gedanken lesen könnte, welche Geschichte könnten deine Gedanke erzählen? Genau wie so ein Groschenroman der Art, wie sie in den Drogeriemärkten verkauft werden. Wenn du an dem Punkt ankommst, wo der Herzschmerz kommt, würde der Held ich sein. Helden scheitern oftmals. Und du wirst dieses Buch nicht noch einmal lesen, weil das Ende einfach zu zu schwer ist.

Ich gehe weg wie ein Filmstar, der sich drei verschiedene Arten zu sterben aussuchen kann. Und dann käme die Zweitbesetzung: Eine Filmdiva, die die Szene spielt, um all meine guten Eigenschaften herauszuputzen. Aber für jetzt lass uns realistisch sein. Ich habe nie gedacht, dass ich so handeln würde. Und ich muss sagen, dass ich es einfach nicht kapiere. Ich weiß nicht, wo wir falsch abgebogen sind. Aber das Gefühl ist weg, und ich kann es einfach nicht zurück bekommen.

Wenn du meine Gedanken lesen könntest, welche Geschichte könnten meine Gedanken erzählen? Wie so ein alter Film über einen Geist, der in einem Wunschbrunnen haust. Oder in einem dunklen Schloss oder einer starken Burg. Mit Ketten an den Füßen. Die Geschichte endet immer. Und wenn du zwischen den Zeilen liest, wirst du wissen, dass ich nur versuche, das Gefühl zu verstehen, dass du hinterlassen hast. Ich habe nie gedacht, dass ich so handeln würde. Und ich muss sagen, dass ich es einfach nicht kapiere. Ich weiß nicht, wo wir falsch abgebogen sind. Aber das Gefühl ist weg, und ich kann es einfach nicht zurück bekommen.

Scheidung im Folkrock

„If you could read my Mind“ schrieb Gordon Lightfoot 1970. Er gab mal in einem Interview an, dass er es vor den Eindrücken der Trennung von seiner Frau schrieb, von der er 1973 geschieden wurde. Den Einfall dazu hatte er in seinem leerstehenden Haus in Toronto. Er hatte selbst immer ein Problem damit, Lieder mit persönlichem Bezug zu schreiben und zu singen. Der Grund liegt in der fehlenden emotionalen Entfernung. Ich weiß, was damit gemeint war. Denn als ich mich damals einmal trennte, war es für mich auch nicht einfach, darüber zu erzählen.

Mit dem kryptischen Text erzählt Gordon Lightfoot, wieso seine erste Ehe scheiterte: Er war zu viel unterwegs und nie zuhause. Der Meilenstein schlechthin im Schaffen des knapp 80-jährigen aus der Provinz Ontario erzählt die traurige Geschichte, wie der Spielfilm über die große Liebe einfach mal verblasst und dann mit einer Zweitbesetzung nie wieder das Niveau erreichen kann. Dazu die fein akzentuierte Instrumentierung mit Gitarre, Streichern und Bass, und fertig ist ein besonderer Hörgenuss.

Das Lied

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=Ilybv2ZKOto

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