Meat Loaf und das Modern Girl - Bild von congerdesign auf Pixabay

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Meat Loaf und das Modern Girl

„Once a beautiful Miss America married Mr. Right“, sang Meat Loaf im Herbst 1984. Der Mensch gewordene Fleischklops starb am nun 20. Januar 2022 mit 74 Jahren. Die Welt verliert eine äußerst außergewöhnliche Stimme, eingerahmt in jeder Menge Pomp und Theatralik und Übergewicht. Aber die Welt verliert auch einen Menschen mit merkwürdigem Gedankengut, der immer wieder Gelächter auf sich zog. Ach, und letzten Endes verliert die Welt auch einen – nun ja – Schauspieler.

Meat Loaf, der lüsterne Wattebausch mit Motorrad

Meat Loaf kam auf den Tag genau 5 Jahre nach der Geburt meiner Mutter als Marvin Lee Aday in Dallas zur Welt. Den 27. September 1947 hat er damit gemein mit Trainer-Legende Dick Advocaat und Sängerin Barbara Dickinson. Er wuchs als Sohn eines Polizisten und einer Lehrerin auf. Musikalisch begleiteten ihn Bob Dylan und die Rolling Stones. Bereits mit 2 Jahren hatte er Übergewicht und wurde von seinem Vater „Meat Loaf“ genannt. Sein Football-Trainer tat es, als Aday 13 war.

Das Alles thematisiert er in „Couldn’t Have Said It Better“ aus dem Jahr 2003. Aber sonst kamen beim singenden Fleischklops immer die Motorräder, die Girls und der Sex vor. Das tat er mit „You Took The Words Right Out Of My Mouth“, in dem es um die heiße Sommernacht am Strand geht. Das tat er in „Paradise By The Dashboard Light“, das die Geschichte vom Sex im Auto erzählt, während im Autoradio Football läuft. Sex und Girls waren immer Thema. Die Motorräder waren musikalisch dabei.

Beides stammt aus dem Monster-Album „Bat Out Of Hell“, das eigentlich die gescheiterte Rockoper „Neverland“ von Jim Steinman war. Mir scheint es ohnehin so zu sein, dass Jim Steinman aus dem pummeligen Mann mit der gewaltigen Stimme einen Sexgott machen wollte. Vielleicht stellt Meat Load auch deshalb viele Jahre später die Frage „Did I Say That?“. Wir werden ihn nicht mehr fragen können.

Privat war er zweimal verheiratet. Aber er war eben auch Trinker. Nachdem Meat Loaf und Jim Steinman nach „Dead Ringer“ 1981 im Streit auseinander liefen, arbeitete der Sänger mit anderen Komponisten und Produzenten zusammen, allerdings nur mäßig erfolgreich. Erst 1993 mit „Bat Out Of Hell II: Back Into Hell“ kam es zur halbherzigen Versöhnung mit Wagner-Fan Steinman und dem Welterfolg „I’d Do Anything For Love“.

Give Me The Future With A Modern Girl

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Meat Loaf – Modern Girl

Nach „Bat Out Of Hell“ folgte „Dead Ringer“ mit gewaltigen Monstern wie „I’m Gonna Love Her For Both Of Us“ um die Ecke. Und eben der genannte Bruch. Nur, um nichts mehr mit Jim Steinman zu tun haben zu müssen, wurden irgendwelche Songwriter engagiert. OK, das hört man den Liedern auf „Midnight At The Lost And Found“ dann auch an. Nicht viel anders war es mit dem Nachfolger „Bad Attitude“, was aber wenigstens Mutters Lieblingslied von ihm „Modern Girl“ enthielt.

Und da ist dann eben jene Miss America, die ihren Mister Right geehelicht hatte und in einer stürmischen Nacht einen Jungen zur Welt brachte. Und irgendwo zwischen Damals und heute hängt der erwachsene Typ dann herum und erzählt davon, dass er das Girl finden wird. Meat Loaf erzählt dann weiter vom stöhnenden Planeten und seinen rostigen Schrauben und den Tränen gefallener Könige. Und er bittet darum, dass man ihm die Zukunft mit einem modernen Mädchen geben möchte. Was zum Teufel?

Back Into Hell

Warum man die Versöhnung zwischen Jim Steinman und Meat Loaf dann als Hölle bezeichnet, ist mir nicht klar. Jedenfalls ging es dann wieder aufwärts. Ein 12-Minuten-Monster „I’d Do Anything For Love (But I Won’t Do That)“ eröffnete mit Motorrädern, Pianosalven, Tempowechseln, Theatralik das Album. Für die 2 Menschen auf der Welt, die dieses Bombast-Werk noch nie gehört haben, hat die Wikipedia etwas.

Der Rest des Albums war eher nur Beiwerk, dennoch fand ich das Album damals schon großartig. Dennoch tat sich Meat Loaf danach mit Dianne Warren und anderen für „Welcome To The Neighborhood“ zusammen. Damit wollte er nach Leipzig kommen. Aber der Kleber unter den Plakaten war noch nicht trocken, da war die Tour ausverkauft. Und es gab halt „Not A Dry Eye In The House“.

„Couldn’t Have Said It Better“ dürfte dann 2003 zu seinem zentralen Schatz gehören. Nicht zuletzt wegen der oben genannten persönlichen Geschichte, wie er Meat Loaf wurde. Nein, er kollabierte auf der Bühne aufgrund einer Herzmuskelerkrankung. Und so dauerte es dann drei Jahre, in der er operiert wurde und pausierte, bis er die Welt erneut beglückte. Dann allerdings etwas reduzierter.

Das Monster ist los!

Er wollte irgendwie „Bat Out Of Hell“ beenden. Und so kam es eben zum dritten Teil mit dem Titel „The Monster Is Loose“. Erfolgsproduzent Desmond Child nahm sich dem Ganzen an. Mit Jim Steinman lag er wieder im Clinch, sodass ihm untersagt wurde, in Zukunft irgendwas als „Bat Out Of Hell“ zu veröffentlichen. Ich kenne das Album. Es enthält Teile von Jim Steinmans Musical „Tanz der Vampire“. Und auch sonst war es monströs und pompös und alles. Aber eben nur mittel.

Von den 14 Liedern – oder den 77 Minuten Spielzeit – blieben mir zwei in Erinnerung: Das Titelstück und das merkwürdige „In The Land Of The Pig The Butcher Is King“. Jaja, Jim Steinman mit seinen theatralischen Aussagen. „Im Land des Schweins ist der Metzger der König“. Was soll man denn damit anfangen? Im Lied geht es um eine Art Rebellion. Und Meat Loaf trällert davon, „wir“ seien die Müllmänner, denn „sie“ seien nur Dreck.

Ich habe „The Monster Is Loose“ auch nicht häufig gehört. Und dann habe ich Meat Loaf irgendwie vergessen. Vom Rest habe ich dann nichts mehr mitbekommen. „Hang On Cool Teddy Bear“ über einen Soldaten im Krieg blieb mir ebenso verborgen wie „Hell in a Handbasket“ und „Braver Than We Are“. Und irgendwie verschwand der trällernde Fleischklops im nirgendwo. Vielleicht war das auch ganz gut so.

Und sonst so?

Meat Loaf hatte es irgendwie niemandem einfach gemacht. Er tauchte immer wieder mehr oder weniger prominent in unzähligen Filmen auf, so in „Wayne’s World“ oder „Spiceworld“ oder in irgendwelchen Fernsehserien. Das Wichtigste war dem Sänger aber die Musik. Er sah seine Lieder als Mini-Theaterstücke an. Und so sah er sich auch nicht als Sänger, sondern als Schauspieler. Nun, damit musste man als Musikliebhaber erstmal klarkommen.

Genauso, wie man damit klarkommen muss, dass Meat Loaf bezweifelte, dass es einen Klimawandel gibt. Man möchte ihn fragen: Wie kannst du das nur tun? Er „diagnostizierte“ aus der Ferne, dass Greta Thunberg einer Gehirnwäsche unterzogen wurde und gezwungen wurde, den Klimawandel auszurufen. Und wer weiß, vielleicht hat er ja auch die Existenz von Corona angezweifelt und sich einen Dreck um Warnungen gekümmert. Jedenfalls zählt man wegen diversen Dingen 1 und 1 zusammen.

Heaven Can Wait

Er hatte immer mit dem Stinkefinger hantiert. Er war dick, unbequem, pompös, schräg. Wie sonst hätte er sich selbst zum „Sexgott“ hingestellt? Vielleicht war sein Motto immer: „Scheiß drauf, soll doch der Himmel warten“. Und deshalb glaube ich, dass „Heaven Can Wait“ von seinem allerersten Album, „Bat Out Of Hell“ die eigentliche Überschrift für Marvin Lee Aday ist. Guckt mal, das ist der Text:

Der Himmel kann warten und eine Gruppe von Engeln, eingepackt in meinem Herzen, wird mich durch die einsame Nacht bringen durch die Kälte des Tages. Der Himmel kann warten, und all die Götter kommen herunter, nur um für mich zu singen, und die Melodie lässt mich fliegen, ohne Schmerz, ohne Angst. Gib mir all deine Träume, und lass mich allein auf deinem Weg gehen. Gib mir all deine Gebete zu singen, und ich werde die Nacht zum Tageslicht machen. Ich spüre den Geschmack des Paradieses, ich werde ihn nie verstreichen lassen. Ich spüre den Geschmack des Paradieses. Er ist alles was ich brauche, um bleiben zu wollen. Wieder wie ein Kind. Der Himmel kann warten. Und alles, was ich habe, ist Zeit bis zum Ende der Zeit. Ich will nicht zurück sehen. Lasst die Altäre leuchten. Und jetzt weiß ich, dass ich losgelassen wurde, aber weiß nicht wo. Und niemand sagt es mir jetzt, und es kümmert mich absolut nicht. Ich spüre den Geschmack des Paradieses. Er ist alles, was ich brauche, um bleiben zu wollen. Ich spüre den Geschmack des Paradieses. Wenn ich ihn früher gehabt hätte, weißt du, wäre ich nie von zu Hause weggelaufen. Der Himmel kann warten. Und alles, was ich habe, ist Zeit bis zum Ende der Zeit. Ich will nicht zurück sehen. Lasst die Altäre leuchten.

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Meat Loaf – Heaven Can Wait (Live)

2 Kommentare zu „Meat Loaf und das Modern Girl“

  1. Toller Nachruf und ja den Mann als schwierig zu bezeichnen grenzt an eine Untertreibung ich feiere aber auch immer wieder sein Lied „Objects in the Rear View Mirror“ weil es einfach zu treffend beschreibt wie unsere Sicht auf die Vergangenheit, eben diese Vergangenheit verklärt. Gesanglich haben wir eine große Stimme verloren, Menschlich ist der Verlust „zu verkraften“ um es nicht zu böse zu formulieren.
    Liebe Grüsse
    Daira

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