Meine Musik ist doch eh irrelevant

Mir ist jetzt etwas in Bezug auf meine Musik aufgefallen, was ich mal eben hier aufschreiben will. Und es wirft eine entscheidende Frage auf. Es ist nämlich tatsächlich fraglich, ob ich überhaupt noch irgendwas zu meinen Tracks auf irgendeiner Plattform – in meinem Fall halt das Fediverse und Bluesky – von mir geben werde. Und nein, es ist nicht so, dass ich frustriert bin oder so ein Bullshit. Es ist einfach so, dass ich mich frage, ob es den ganzen Aufwand überhaupt wert ist. Schauen wir mal.

Meine Musik interessiert eh niemanden

Ja, die Zwischenüberschrift hier ist quasi das gleiche wie der Titel des Artikels. Es kommt mir halt so vor, als würde meine Musik überhaupt niemanden im Fediverse und auf Bluesky erreichen. Nein, ich palavere nicht über Reichweiten und Erfolge und all den Quatsch. Es ist mehr oder weniger so, dass ich genauso gut auch in den Wald rufen könnte, dass ich einen neuen Track veröffentlicht habe. Es kommt schlicht und ergreifend zu gar keiner Reaktion. Schweigen im Walde. Grillenzirpen.

Wisst ihr, ich will ja nicht gefeiert werden. Niemand soll mir irgendwie Rotz um die Backe schmieren und mir den Arsch lecken und mir pausenlos erzählen, was für eine Ausgeburt an Genialität die neue Veröffentlichung jeweils ist. Ich weiß doch genau, dass das Blödsinn ist. Aber so ganz und gar überhaupt keinerlei Reaktion auf irgendwas? Ich weiß doch anhand meiner Statistiken bei Ditto Music, dass meine Musik sogar gehört wird, manches sogar recht häufig.

Sind die ganzen Plattformen so sehr von Scheißegaligkeit geprägt, dass keinerlei Interaktion mehr zu irgendwas erfolgt? Oder sehe ich das Alles wirklich einfach nur zu eng? Ist Musik wirklich einfach nur zu einer Art Möbelstück verkommen, das einfach nur da ist, wie es Erik Satie mal formuliert hatte? Deshalb denke ich halt, dass es euch eh vollkommen egal ist, wenn ich mal wieder irgendwas über meine Musik in die Plattformen werfe. Dann kann ich es eigentlich auch lassen.

Was will ich denn eigentlich?

Es ist doch gar nicht so schwer zu deuten, was ich eigentlich will. Nochmal: Ich will nicht, dass ihr mir den roten Teppich ausrollt oder dass ihr einen auf Speichellecker macht. Wenn meine Musik Mist ist, ist das in Ordnung. Geschmäcker sind halt verschieden. Aber so schlimm kann das gar nicht sein, wenn Ditto Music ca. 10000 Streams innerhalb von 12 Monaten gemeldet bekommen hat. Das ist erstmal ein Fakt: Es gibt ein Publikum für meine Musik.

Aber warum gibt es so gar keine Reaktionen? Nochmal: Nicht nur Applaus. Aber wenn ich nach Wochen und Monaten, in denen ich an einem Track herumgebastelt hatte, die Nummer veröffentliche und dann über Mastodon und Bluesky davon erzähle, denke ich mir halt: Irgendeine Antwort, eine Reaktion, irgendwas muss doch da kommen. Da rede ich noch nicht davon, dass ihr zuhauf meine Tracks in eure Playlists werfen sollt. Aber da spielen viele einfach nur toter Mensch.

Warum ist das so? Ich habe da in meiner Ahnungslosigkeit, was mit den fehlenden Reaktionen – positiv und negativ – so Sache ist, mal eine beliebige KI befragt. Ja, ich habe keine riesige Reichweite mit meiner Musik. Die erreicht man ja auch erst nach irgendwelchen Reaktionen. Bleiben die aus, bleibt der Track im Nebel. Wenn das Stück keine Hook hätte, wäre das auch nachvollziehbar. Aber die Links zu der Track-Seite von Ditto Music enthalten den direkten Startpunkt der Hauptmelodie.

Das kann es also nicht sein. Vielleicht sind das Fediverse und Bluesky die falschen Plattformen. Vielleicht fehlt meinen Tracks irgendwas in der Produktion. Kann alles sein. Es wird ja auch bei irgendwelchen Analysen erzählt, dass ein Track auch ganz gut daher kommt, wenn es eine Story dazu gibt. Ja, warum erzähle ich denn bei jeder Veröffentlichung etwas über den Track? Tjoar, und dann stehst du ratlos da und fragst dich, wie irrelevant deine Arbeit ist, dass sie dich nicht mal dafür auslachen.

Natürlich mache ich weiter, aber…

Ich kann ohne Musik schlecht leben. „Nicht leben“ ist Quatsch. Was meine Musik betrifft, muss ich mir etwas einfallen lassen. Vermutlich ist es vollkommen egal, was das Fediverse oder Bluesky dazu an Nicht-Reaktionen haben. Denn das sind auch einfach nur scheißegale Plattformen. Ich habe immer gesagt, dass mein Blog meine Homebase ist. Es gibt keine Plattform, die auch nur annähernd so wichtig ist. Von daher mache ich das so:

Natürlich mache ich weiter meine Musik. Ich werde nicht der nächste Megastar, das ist mir völlig klar. Und ich schicke die weiter über Ditto Music an die Streamingdienste. Im Blog werde ich weiterhin über meine Tracks erzählen. Denn es ist nun mal so, dass viele Stücke irgendeine Art Geschichte haben. Warum sollte ich die nicht erzählen. Und die Artikel dazu werde ich natürlich auch weiterhin auf Bluesky und im Fediverse teilen, so wie auch alle anderen Artikel hier im Blog.

Aber ich werde nicht ständig irgendeinen Link von Tidal oder von wo auch immer auf den Plattformen hinterlassen und meine Musik wie Sauerbier anpreisen. Es interessiert ja eh niemanden. Das hat meiner Ansicht nach etwas mit Aufmerksamkeits-Ökonomie zu tun. Und nein, da bin ich nicht frustriert oder so. Ich sehe halt einfach nur keinen Nutzen dafür. Es ist mein Ding, das muss eh niemandem gefallen. Dass das dennoch um die 10000 Mal passiert ist, ist gut und schön. Es ändert aber nichts.

Vielleicht kann mir aber irgendwer erklären, wieso es heutzutage so gar keine Reaktionen mehr auf irgendwas gibt. Ich meine, wenn ich über irgendein anderes Thema hier im Blog palavere, reagiert man ja auch darauf. Es gibt sogar einen ganzen Blog, der sich immer wieder damit beschäftigt, mein Bloggen ins Lächerliche zu ziehen. Sicher werden die Macher davon sich auch wieder über den Text amüsieren. Und genau deshalb werde ich mich darauf beschränken, nur hier über meine Musik zu erzählen.

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6 Kommentare zu „Meine Musik ist doch eh irrelevant“

  1. Hallo Hennig,
    ich schreibe jetzt mal aus der Sicht einer Autorin, nicht einer Bloggerin. Was Du suchst ist Reichweite. Und meine Erfahrungen mit Mastodon und ähnlichen Systemen zeigen deutlich. Sie sind nicht für Reichweitenaufbau geeignet. Es gibt einen Grund warum ich trotz meiner Abneigung gegen Meta immer noch vorrangig das Gesichtsbuch und Insta füttere. Die Chancen auf Reichweite sind größer weil es den Durschnittsmenschen einfach nicht interessiert, was die Plattformen für einen Sch…. verzapfen. Ist nicht schön aber die harte Realität. Und Reaktionen bekommst Du nur ab einer gewissen Reichweite. Sorry, das soll kein Bashing sein, oder Dich runterziehen. Aber es sind meine Erfahrungen.
    Liebe Grüße
    Daira

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    • Hallo Daira,
      nö, das zieht mich keineswegs runter. Es ist halt auch so mein Gefühl mit dem Fediverse. Und nein, mir geht es nicht mal um Reichweite. Mir geht es eher darum: Wenn ich Mist fabriziere, will ich, dass da irgendwer darüber lacht. „Ach, der Uhle wieder mit seiner Quatsch-Musik“. Wenn es gut ist, wäre halt auch irgendeine Reaktion angebracht. Und hier dreht man sich komplett im Kreis.
      Denn wenn es mit der Reichweite zusammenhängt, beißt sich die Katze in den Schwanz: Du bekommst keine Reichweite ohne Reaktionen. Aber du bekommst auch keine Reaktionen ohne Reichweite. Ganz seltsam, die ganze Geschichte.

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  2. Ne, eine Erklärung dafür hab ich auch nicht. Das Fediverse ist in Sachen Reaktionen echt schwerfällig. Selbst Likes werden nicht mal so eben verteilt. Bloß nicht.. warum auch immer. die Sachen, die einem gefallen zu teilen ist auch irgendwie out. Bei Bluesky finde ich das noch etwas besser. Aber bei mir ist das in der Regel eine eingeschworene Gemeinschaft von lang bekannten Kontakten. Außerhalb dieser Bubble ist da genauso ein Grillenzirpen.. wenn überhaupt.

    Allerdings denke ich mir meist, dass es irgendwo in den großen Weiten des Internetz vielleicht doch jemand gibt, dem das gefällt was wir da so veröffentlichen. Damit sind es dann schon mindestens zwei, man selbst und mindestens eine Person da draußen.

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  3. Vielleicht liegt’s an was ganz anderem…

    Ich habe weder David Gilmour, Steven Wilson, Peter Gabriel, Frank Zappa, Pat Metheny, Billy Cobham, Billie Eilish (und Tausend anderen Musikern) jemals irgendwie zur Kenntnis kommen lassen, wie geil ich ihre Musik finde — außer dadurch, dass ich ihre Platten gekauft und (zum Teil) Ihre Konzerte besucht habe. Mit Büchern und Filmen ist das nicht anders. Die Übermittlung der Anerkennung erfolgt via Nutzung, nicht durch Kommentar.

    Das heißt allerdings nicht im Umkehrschluss, dass mir Musik, die ich nicht kaufe, nicht gefällt oder egal ist. Es gibt immer den Unterschied zwischen den Dingen, die mir gefallen und derjenigen Teilmenge davon, die ich tatsächlich anschaffe.

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  4. Hallo Henning,

    bei mir ist es einfach so: ich lebe in Stille, ohne Hintergrundmusik. Ganz selten höre ich mal herausragende Titel aus jüngeren Jahren Techno und House sind einfach nicht mein Stil. Die schnellen Varianten nerven mich (ich geh ja auch nicht in Blubs), die langsamen kommen mir vor wie moderne Fahrstuhlmusik. Vielleicht liegst also auch am Alter deines Publikums, dass keine Resonanz kommt – oder es ist so, wie Boris sagt: Musik kommentiert man eigentlich nicht – das machen eher Musiker untereinander.

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