„Is it right?“ – Elaiza beim Eurovision Song Contest

Eurodance und wilde Hupfdohlen – das ist alles out. Selbst der Pathos-schwangere Graf mit seiner Band Unheilig konnte kein Paroli bieten. Denn es fahren drei Rotzgören aus Berlin nach Kopenhagen zum Eurovision Song Contest, die endlich mal mit ungewohnten Klängen daher kommen. Es war sehr wohltuend, das gestern mitzubekommen.

Man könnte sagen, dass gestern die Kreuzung aus Kelly Family und den Bangles das Rennen gemacht hat. Rotzig wie die britischen Rockerinnen mit Neofolk-Klängen wie bei den Kellys. Das spröde und sehr gute Lied ist mal etwas anderes. Es klang eigentlich immer etwas schräg. Aber eben wohltuend anders. Und das stellt auf jeden Fall eine Bereicherung der deutschen Musiklandschaft dar.

Elaiza sind El?bieta Steinmetz als Sängerin, Pianistin, Komponistin und Kopf der Band, Yvonne Grünwald als Spielerin des Akkordeons und des Glockenspiels sowie Natalie Plöger am Kontrabass. Die Sängerin mit ukrainisch-polnischen Wurzeln besticht durch ihre außergewöhnliche Stimme, die mich an irgendeinen weiblichen Weltstar erinnert, ich komme nur bis jetzt nicht drauf. „Is it right“ von Elaiza (Video) ist in meinen Ohren eine echte Perle der deutschen Musiklandschaft, die „Ela“ da geschaffen hat.

Das Lied klingt einerseits etwas osteuropäisch und bringt andererseits eine gehörige Portion französischen Chanson mit. Dazu eben die englische Sprache. Ich würde denken, dass das ein europäisches Lied ist. Durch seinen außergewöhnlichen Klang hat es in meinen Augen auch gute Chancen, recht weit vorn zu landen. Man kann also konstatieren, dass die Deutschen doch Siegerlieder schaffen können, nachdem „Satellite“ von Lena Meyer-Landrut ja kein Lied aus deutscher Feder war.

Die Konkurrenz war ziemlich gut. Ich hatte von den 8 angetretenen Bands insgesamt 3 Favoriten: Die schleswig-holsteinischen Shanty-Rocker Santiano mit „Fiddler on the Deck“ (Video), die Rock’n’Roller The Baseballs mit „Mo Hotta Mo Betta“ (Video) und eben Elaiza. Und ich denke, das beste Lied hat gewonnen.

Ausfälle gab es natürlich auch bei dem Vorentscheid. So ist ein Herr angetreten namens „Das gezeichnete Ich“, der ein eigenes Lied präsentierte, das ihn in höchste Höhen trieb. Leider hat er diese hohen Töne eigentlich niemals getroffen. Außerdem ist die europaweit bekannte Sängerin Oceana („Endless Summer zur Fußball-EM in der Ukraine und Polen) mit einem sehr seltsam anzuhörenden Beziehungsbeendigungslied angetreten.

Bleibt der Graf von Unheilig. Klar, der größte Star im Starterfeld. Aber die Band macht eben seit langem nichts wirklich neues. Das letzte Lied von der Band, mit dem ich etwas anfangen konnte, war bestenfalls „Unter deiner Flagge“. Aber seit dem Mega-Erfolg „Geboren um zu leben“ ist Schmackes verloren gegangen. Das zeigte sich auch an den beiden zur Auswahl stehenden Liedern „Als wär’s das erste Mal“ und „Wir sind alle wie eins“. Insgesamt zu viel Pathos und zu wenig Leidenschaft.

Also fährt das richtige Lied nach Kopenhagen. Elaiza werden mit „Is it right?“ Deutschland sicher würdig vertreten. Oder was meinen Sie?

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