Schallplatten bestellen und die ungeahnten Hürden

Da will man sich ein paar Schallplatten bestellen, nichts besonderes. Und dann erlebst du Hürden, an die du nicht mal im Traum gedacht hast. Ich will doch einfach nur ein paar richtig gute Scheiben wieder im Regal stehen haben. Das kann doch eigentlich nicht so schwer sein. Aber ich habe da echt meinen Augen nicht trauen können, was ich da komisches gesehen habe. Und ganz ehrlich, da fühle ich mich schon ein wenig veralbert. Es wird aber am Ende echt nur Zufall sein.

Was wollte ich denn an Schallplatten bestellen?

Im südlichsten Zipfel von Niedersachsen hat ein Versandhandel für Medien seinen Hauptsitz. Ich will hier keine Werbung machen, aber ich meine hier JPC. Wenn ich mir Schallplatten bestellen will, mache ich das dort. Mitunter habe ich gerade irgendeinen Gutschein von irgendwem. Jedenfalls habe ich mir dort bereits einiges gekauft, unter anderem die „Songs Of A Lost World“ von The Cure oder die „Live From Joshua Tree“ von Rüfüs Du Sol. Nie gab es Probleme.

Jedenfalls wollte ich nun wieder ein paar Schallplatten bestellen. Ich wollte endlich die „Songs Of Faith And Devotion“ von Depeche Mode und die „Prostitute“ von Alphaville in den Händen haben, beide mit 180 Gramm Vinyl, Alphaville noch dazu als limitierter Re-Master mit umfangreichem Booklet. Und als drittes wollte ich, weil es mir so extrem gut gefällt, die „Everlight“ von Nils Hoffmann als Schallplatte kaufen. Dummerweise ist letzteres seit Monaten nicht lieferbar. Jetzt hatte ich lang genug gewartet.

Ich habe dann die „Everlight“ aus der Bestellung entfernt und durch den Soundtrack meiner Achtziger Jahre ersetzt, „Der blaue Planet“ von Karat, aber als Picture Disc. Und was soll ich sagen? Jetzt ist das Monster von Depeche Mode nicht lieferbar. Sagt mal, wollt ihr mich veralbern? Mir wurde aber wenigstens angezeigt, wann die Platte wieder geliefert werden kann, es sind nur ein paar Tage Verzögerung, immerhin. Aber das ist doch eine Krux, oder?

Warum tust du dir den Schallplatten-Mist überhaupt an?

Jaja, ich weiß schon, was der eine oder die andere sagen wird: In Zeiten von Streaming muss doch niemand Schallplatten bestellen. Das ist ausgemachter Blödsinn, ganz ehrlich. Wer so denkt, wird es nie erleben, eine Schallplatte auszupacken, auf den Plattenteller zu legen und – so lang die Platte läuft – die Hülle hin und her zu wenden, um in die Welt des Albums einzutauchen. Manchmal ist ein Booklet dabei, wie bei Alphaville. Das hast du alles nicht im Streaming.

Im Streaming ist es auch so, dass dir die Songs und Alben nicht gehören, du nutzt sie nur. Klar, es gibt Plattformen, auf denen du die Songs runterladen kannst. Das hilft auch den Musikern mehr als nur das Streaming: Meine Musik wurde zuletzt rund 90000 mal gestreamt, was mir knapp 80 Euro brachte. Sie wurde aber auch 270 mal runtergeladen, was mir 115 Euro brachte. Aber eine Schallplatte ist dann doch noch etwas anderes.

Mit einer Datei oder einem Track beim Streaming verbindest du nicht viel. Wenn du eine Schallplatte in der Hand hältst, hast du Erinnerungen. Ich weiß noch ganz genau, wie ich damals die Schrift auf dem Inlet des Albums „Computer-Karriere“ der Puhdys mir erst sortieren musste, wie ich die Texte damals aufgefressen hatte als 10-jähriger und wie mich die Kälte des Albums hatte frieren lassen. Das passiert dir nicht, wenn du das Album streamst. Ich habe genau das ja auch ausprobiert.

Deshalb werde ich wohl auch in Zukunft Schallplatten bestellen. Ich kann da einfach nicht anders. Ja, ich hätte gern meine Musik auch auf Schallplatten, aber das lässt sich einfach nicht realisieren. Wenn mir jemand erklären könnte, wie man das auf einfache Art und Weise macht und sich nicht vorher noch in massive Unkosten stürzt, dann würde ich das ja nochmal versuchen. Denn es ist so: Mit einer Schallplatte bist du halt richtig in der musikalischen Welt des Albums gefangen.

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2 Kommentare zu „Schallplatten bestellen und die ungeahnten Hürden“

  1. Ich finde das mit dem „Eintauchen“ auch gut. Bruckners 8. Symphonie z.B.:

    1. Plattenseite hören
    Pause… Aufstehen, Platte rumdrehen, putzen, Tonabnehmer drauf, hinsetzen
    2. Plattenseite hören
    Pause… Platte runter, einpacken, zweite LP auspacken, putzen, auflegen, Tonabnehmer…
    3. Plattenseite hören
    Pause… vgl. oben nach 1.
    4. Plattenseite hören

    Mann, war ich froh, als dieser stimmungstötende händische LP-Mist 1984ff vorbei war. Und heute streame ich meine (!) CDs von Festplatte am Stück. Mit ganz kurzen Pausen wie beim Livekonzert. Das ist für mich Genuss.

    Antworten
  2. Ich habe tatsächlich noch einige Schallplatten, ein Teil sind Erbstücke. Von Small Faces habe ich „Ogdens’ Nut Gone Flake“ mit der berühmten runden Plattenhülle, später wurde das Album nochmals aufgelegt – die Hülle dann aber eckig. Viele Platten sind aus den 60ern. Und natürlich sind sie so verpackt, wie es sich gehört: Innenhülle mit der Öffnung nach oben in die Außenhülle, damit die Platte nicht rausrollen kann. Mir klappen immer die Zehennägel hoch, wenn ich auf Flohmärkten Exemplare sehe, wo die Platten gleich rausrutschen. Und dann liegen die Dinger am besten auch noch in der prallen Sonne…
    Ich finde auch, daß das Auflegen einer Platte durchaus was… hm… Meditatives hat. Momentan habe ich leider keinen vernünftigen Plattenspieler (und wo bekommt man überhaupt Plattennadeln her…), aber irgendwann hoffe ich wieder eine gescheite (sprich: ältere) Anlage zu haben, die Platten, CD’s und – Achtung! – MC’s abspielen kann. Meine Sony-Anlage habe ich vor Jahren an einen Bastler verkauft, weil eine doofe Kleinigkeit kaputt und natürlich keiner zu finden war, der das repariert hätte. Das tut mir heute noch leid.

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