The Raven: Sagt euch Edgar Allen Poe noch etwas? Ja, den älteren sicherlich. Eins seiner bekanntesten Werke ist eben jener Rabe im Gedicht. Ich habe viele Wochen an einem Experiment gebastelt, wo eher so zufällig dieses weltbekannte Gedicht Einzug hielt. Und irgendwie ist mir so, als müsste ich euch davon einfach mal ein bisschen was erzählen. Der Grund ist ganz einfach: Ich habe daraus eine Single gemacht, die Ditto Music über die Streamingdienste euch um die Ohren gehauen hat. Also aufgepasst und hingehört.
Wenn dich die Neunziger gefangen nehmen
Wer Musik macht, kennt das vielleicht: Irgendwann kommt der Punkt, an dem du dich an irgendeine längst vergessene Melodie erinnerst. Da meine Sturm- und Drangzeit in den Neunzigern lag, kann es da immer mal zu solchen Begebenheiten kommen. Irgendwann mitten im letzten Winter kam mir ein deutsches Musikprojekt aus den Neunzigern in den Sinn, ich weiß gar nicht mehr, wie das passiert ist. Plötzlich hatte ich Onda del Futuro im Ohr und bekam es nicht mehr raus.
Da gab es so Stücke namens „Disperazione“ oder „Terra“ oder „Storia d’Amore“. Alle Welt dachte, dass das Italiener waren. Aber Onda del Futuro bestanden aus Matthias Wunderlich und Michael Pradel, die italienischen Sätze sprach Nadine Staudt. Von keiner der genannten Personen ist mir irgendwas aktuelles in die Finger gefallen. Aber wer – nun ja – Eurodance und Neunziger-Jahre-Trance mag, dem fällt direkt die prägnante Stimme ein: „Terra… Terra… Terra…“.
Irgendwie ging mir das nicht mehr aus dem Kopf und so bastelte ich einfach mal drauflos. Ich hing dann lange Zeit in einem Loop fest, wie ich neulich hier geschrieben hatte. Und irgendwie kam mir dann der Gedanke: Da muss irgendwer irgendwas reden, am besten gleich am Anfang. Zu der Zeit gab es noch keinen Titel für das Stück. Ich habe wochenlang selbst mit irgendwelchem Gerede damit rumhantiert, kam aber zu keinem Ergebnis. Und so dümpelte das weiter vor sich hin.
Ich murkste mit BandLab-Samples herum, aber das war nicht das Richtige. Und dann stieß ich durch Zufall auf ein frei verwendbares Audio-Sample, wo jemand „The Raven“ von Edgar Allen Poe rezitierte, und zwar halbwegs rhythmisch. Das passte wie die Faust aufs Auge, denn es war genau das, was dem Ganzen die Krone aufsetzte. Gut, es ist nicht direkt Trance oder Eurodance, es ist mehr Deep House. Aber plötzlich sitzt du da und denkst dir: Das isses.
„The Raven“ im Deep House
Ich habe Aufnahmen vom Gekrächze von Raben verwendet, diese und jene Naturaufnahmen einfließen lassen, es gibt den typischen FM-Bass-Sound, das House-Piano, Synthie-Teppiche und all das. Und darauf erzählt das freie Audio-Sample die düstere Geschichte vom Raben. Poe schrieb darin vom mysteriösen nächtlichen Besuch des Raben bei einem Verzweifelten, dessen Liebste gestorben ist. Auf die Frage, wann er sie wiedersehen würde, krächzt der Rabe: Nimmermehr.
Keine Sorge, ich habe die Verwendung der Aufnahme geklärt. Und so habe ich dieses Stück dann fertig gebaut. Es weicht gewaltig von dem ab, was ich die letzten Monate an Musik gemacht habe. „The Raven“ ist erheblich düsterer als meine bisherigen Sachen. Da das Ganze jetzt auch keine harmonische Meisterleistung ist, ist es meiner Meinung nach auch kein Melodic House, sondern eher Deep House. Aber ihr wisst ja, ich will da kein Label dran pappen.
Jedenfalls hatte ich letzten Endes riesigen Spaß, das fertige Resultat wieder und wieder anzuhören. Es war beim BandLab einige Zeit lang in den Trends in der House Musik. Und so habe ich dann die Single bei Ditto Music eingereicht, um sie bei den Streamingdiensten zu platzieren. Ab heute könnt ihr die fünfeinhalb Minuten hören. Klickt einfach unten auf das Bild, um zum Streamingdienst eurer Wahl zu kommen. Und wenn ihr wollt, sagt mal Bescheid, was ihr von „The Raven“ haltet.





War einer meiner favorite Songs – Gänsehaut inbegriffen … Ich höre den immer noch gerne <3 Deine Kreation finde ich au net schlecht (sagt die Schwäbin). Experiment gelungen!
Ach, du kennst Onda del Futuro? Sehr gut. Danke dir für’s Hören.
Ich mußte natürlich sofort an Alan Parsons „Tales Of Mystery & Imagination“ denken – aber die Version gefällt mir auch. Und dann noch das Rabengekrächze am Schluß… Ich hatte auch Gänsehaut ;o)
Oh, das freut mich sehr. Danke dir für’s Anhören. Stimmt, die „Tales“ sind da auch passend.