Todestanz und zu schmale Fluchtwege – Das Ende der Loveparade

Es hätte eine Parade werden soll, die laut, schrill, farbenfroh und friedlich ist. So, wie man die Loveparade seit 1989 kennt, hätte sie auch dieses Jahr ablaufen sollen.

Doch alles kam anders. Lag es daran, dass die Veranstalter die Loveparade dieses Jahr eingesperrt haben?

Grundübel an der gesamten Duisburger Loveparade war wohl der Tunnel. Da noch niemand so richtig weiß, wie viele Besucher die diesjährige Loveparade hatte, kann man im Moment nur Schätzzahlen anbieten. Und nach diesen Zahlen muss man wirklich den Veranstaltern und der Stadt Duisburg die Frage stellen, warum die geschätzten 500.000 bis 1,4 Millionen Besucher der Loveparade ausgerechneet durch einen schmalen Tunnel geleitet werden mussten. Wie auf dem rechtsstehenden Bild zu sehen ist, wirkte der Tunnel wie ein Trichter, sodass im weiteren Verlauf innerhalb des Tunnels  die Menschenmassen immer weiter zusammengedrängt wurden. In dieser Situation kommt es nun mal leicht zu Unfällen und panikartigen Reaktionen. In solchen Situationen ist der Mensch auch nur ein Tier, das seine Haut retten möchte. Und in solchen Situationen schert sich das Tier „Mensch“ nicht um seine Artgenossen, wenn hier und da einer der Artgenossen fällt.

Sie wollten zur Party und erlebten die Hölle. 19 Menschen starben bei einer Massenpanik auf der Loveparade in Duisburg. Im Gedränge an einem Zugangstunnel wurden sie erstickt, zerquetscht und totgetreten. Mehr als 340 Raver erlitten teils schwerste Verletzungen. Organisatoren, die Stadt Duisburg und die Polizei sehen sich harten Vorwürfen ausgesetzt. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft. Bereits vor der Party wurde vor einer Katastrophe gewarnt. Ich glaube, die Veranstalter und die Stadt Duisburg sind sogar noch froh, dass nicht mehr passiert ist. Ohne Zweifel hätte die junge Frau, die hier auf dem Foto bewusstlos nach oben gezogen wird, auch zu Tode kommen können. In dieser wüsten Menschenansammlung verliert man eben schnell den Überblick über eventuell verletzte Personen. Es grenzt vermutlich an ein Wunder, dass es „nur“ 19 Tote zu beklagen gibt.

Nun beschäftigt die Loveparade-Tragödie die Staatsanwaltschaft Duisburg. Sie ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Die Organisatoren und Verantwortliche sahen sich nach der Massenpanik mit 19 Toten und mehr als 300 Verletzten harten Vorwürfen ausgesetzt. Schon vor der Technoparade hatte es Warnungen gegeben, dass das Gelände auf dem alten Güterbahnhof in Duisburg wegen des komplizierten Zugangs nicht massentauglich sei. Die Ermittler prüfen nun das Sicherheitskonzept für die Veranstaltung.

Die Loveparade war immer eine freie Veranstaltung, zu der jeder wannn auch immer kommen konnte. In diesem Jahr entschieden die Veranstalter dafür, diese Veranstaltung einzukasernieren. Der alte Güterbahnhof, auf welchem die Loveparade stattfand, wurde eingezäunt, weil sich auf der einen Seite eine vielbefahrene Autobahn und auf der anderen Seite eine vielbefahrene Bahnstrecke befinden. Daher stellt sich mir die Frage, warum denn unbedingt dieses Gelände ausgesucht werden musste.

Nach der Loveparade-Tragödie hat der Panikforscher Michael Schreckenberg das Sicherheitskonzept verteidigt. Er hatte es selbst mit erarbeitet. Der Tunnel, in dem es zur Massenpanik gekommen war, sei groß genug ausgelegt gewesen, sagte Schreckenberg im WDR. Und er sei mehrfach gesperrt worden, wenn zu viele Menschen in ihn hineingedrängt seien. Laut Schreckenberg hatten kurz vor dem Unglück einzelne Jugendliche ein Gitter überrannt und waren eine ungesicherte Treppe hochgelaufen.

Und so werden Stimmen laut, die sagen: Es war keine Massenpanik und wir sind nicht schuld. Die Organisatoren sind sich keiner Schuld bewusst, die Polizei hat alles richtig gemacht, die Stadt hat das richtige Areal gehabt. So bleiben viele Raver und Angehörige der Opfer allein mit ihren Fragen. Die Hauptfrage, die sich hier stellt, ist: Wie konnte so etwas passieren?

Und damit kommen wir zu den Gesichtspunkten, die mir die allgemeine Berichterstattung im deutschen Fernsehen geliefert hat. Da war die Rede davon, dass es nicht möglich ist, die Loveparade einzusperren. Man hat weiterhin davon gesprochen, dass die Verantwortlichen Warnungen ignoriert hätten, dass das Veranstaltungsgelände zu klein ist und der Tunnel ein gefährlicher Flaschenhals ist.

Selbstverständlich wurden sofort die Verantwortlichen angeprangert. So kursiert das nebenstehende Bild derzeit durch das Internet.

Doch nicht nur das.

Der User „klotsche“ warnte im Portal „Der Westen“ bereits am Donnerstag 22. Juli: „sehe ich das richtig, dass die versuchen 1 million menschen über die 1-spurige! TUNNELSTRAßE! Karl-Lehr-Straße mit zwischendurch 2 kleinen trampelpfaden hoch zum veranstaltungsgelände zu führen? also in meinen augen is das ne falle.“

„klotsche“ sagte voraus: „das kann doch nie und nimmer gut gehen. wer in essen und dortmund dabei war weiß, wie groß das gedränge schon auf recht weitläufigen zugangswegen war. das war ne katastrophe und die wollen ernsthaft den zugang über nen einspurigen TUNNEL leiten? ich fass es nicht!!!! ich seh schon tote wenn nach der abschlußkundgebung alle auf einmal über diese mickrige straße das gelände verlassen wollen.“

Am selben Tag schmipfte der User „Lover_P“: ich bin kein Nörgler, eigentlich, aber was sich Veranstalter und Stadt hier erlauben ist eine gefährliche Frechheit. Eine Örtlichkeit zur Verfügung zu stellen, die maximal 350.000 Leute aufnehmen kann obwohl man ahnt, dass ca. 800.000 Leute kommen werden, wird die Stimmung kippen lassen. […] Wahnsinn. Ich tippe auf eine krasse Eskalation mit gesperrten Gleisen, Menschen auf der Autobahn, verwüstete Gärten und Häuser etc. Die Verletzungen auf dem Gelände selbst werden in die Tausende gehen und die Floats werden gar nicht fahren !!!

Und genau diese Äußerungen nahmen offenbar Ermittler zum Anlass, wegen fahrlässiger Tötung zu ermitteln.

Was folgt jetzt?

Nachdem offenbar die Fluchtwege zu schmal waren, es vermutlich Sicherheitslücken gab, und das, obwohl die Feuerwehr im Vorfeld warnte, ist der 24. Juli 2010 das Ende der Loveparade.

Doch nicht nur das. Wie die Bild meldet, muss Oberbürgermeister Adolf Sauerland durch die Polizei geschützt werden. Er will sich der Verantwortung stelllen und schließt im Moment einen Rücktritt nicht gänzlich aus, wie die „Kleine Zeitung“ weiß.

Matthias Roeingh indes zeigt sich sehr schockiert, wie mit der Loveparade umgegangen wurde. Der als „Dr. Motte“ weltbekannte Mitbegründer der Loveparade sprach davon, dass es letztlich nur noch um den reinen Kommerz ging und dadurch kein taugliches Sicherheitskonzept existierte. „Herr Schaller, der Veranstalter, der gleichzeitig Chef der Fitnesskette ist, weiß nicht, wie man ein Großevent organisiert.“

Weitere Äußerungen des DJs bezüglich des Desasters in Duisburg sind: 

„Die Loveparade in Duisburg stattfinden zu lassen, war von Beginn an ein Fehler . Das konnte nur in einer Katastrophe enden.“ – und – „In Berlin haben wir mit der Loveparade ganz klein angefangen. Von Jahr zu Jahr haben wir dazugelernt. Wir wussten, wie man mit solchen Massen umgeht.“

Es gibt Vermutungen im Internet, dass nun Dr. Motte mit einigen der damaligen Leute, mit denen er die Loveparade initiiert hatte, ein ähnliches Event gründen wird. Gerüchten zufolge kann es aber nicht mehr zu einem Kostenlos-Event kommen. Ob sich das allerdings so gut vermarkten lässt wie die Loveparade, bleibt abzuwarten.

Momentan herrscht Trauer, Wut und Fassungslosigkeit. Auch bei den Nicht-Ravern dieser Welt. Man ist schlichtweg fassungslos über so viel Unvermögen im Durchführen solcher Veranstaltungen. Ist man solcher Veranstaltungen nicht gewachsen, sollten es andere machen.

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