Amadou Haidara und Tyler Adams bei RB Leipzig

Einmal kräftig durchmischen bei RB Leipzig. Amadou Haidara vom FC Red Bull Salzburg und Tyler Adams von den New York Red Bulls sind in Leipzig angekommen. Vor allem der Malier „Doudou“ sorgt für Aufsehen, betonen doch die Medien, dass nun der „Keita-Ersatz“ gefunden ist. Aber ist das so? Schauen wir mal.

Wer ist Amadou Haidara?

Im Jahr 2015 stand der damals 17-jährige Spieler, der damals noch in der JMG Academy Bamako Fußball spielte, erstmals international im Visier. Im Oktober des Jahres debütierte er in der U17-Nationalmannschaft seines Landes gegen Belgien. Erst im Finale schied Mali damals gegen Nigeria aus. Über die Art und Weise, wie er spielte, gab es damals nicht viel mehr als ein „Who the fuck is Haidara?“.

Schnell wurde Europa aufmerksam auf den malischen Wunderknaben. Der dynamische Balleroberer, der beidfüßig und dribbelstark den Unterschied macht, verkörpert perfekt den modernen Mittelfeldspieler. Außer seinen Fähigkeiten wusste man nichts. AS Monaco und Girondins Bordeaux wollten Amadou Haidara verpflichten. Red Bull Salzburg hatte die besseren Argumente.

Seit 2016 spielt er nun im Dress des Brauseclubs aus Walz-Siezenheim, zwischendurch auch für das Farmteam aus Liefering. Er dominiert das zentrale Mittelfeld mit einem Hang auf die rechte Seite. Er kann ein Spiel lesen, es an sich ziehen und Wilde-Kerle-artige Alptraumpässe spielen. Wie Naby Keita, nur für sein Alter noch besser und immer etwas leiser als der Mann aus Guinea.

Bei den „RB-Fans“ fand ich eine ausführliche Vorstellung des Spielers. Amadou Haidara spielte in Salzburg vor allem mit Landsmann Diadie Samassékou perfekt zusammen. Das sah man im Europa League Spiel hier in Leipzig. Hier kommen nun Dauerläufer Diego Demme und in Zukunft Neuling Tyler Adams ins Spiel. Das wird interessant.

Tyler wer?

Tyler Adams feiert in reichlich einem Monat seinen 20. Geburtstag. Er ist gelernter defensiver Mittelfeldspieler. Etwas defensiver als Diego Demme und etwas offensiver als Stefan Ilsanker. Seit Sommer 2014 ist er Nationalspieler der „US-Boys“, und Jürgen Klinsmann redet in den höchsten Tönen von ihm. Mit den New York Red Bulls ist er gerade Vizemeister der Major League Soccer hinter Atlanta United geworden.

Der Junge aus einfachen Verhältnissen aus dem 5000-Seelen-Nest Wappinger Falls ist Sohn einer allein erziehenden Mutter. Er begeisterte sich schon früh für Fußball und wurde mit 12 Jahren nach Harrison, New Jersey, eingeladen. Dort sitzen die New York Red Bulls. Und die machten aus ihm einen Bilderbuch-Fußballer, der erstmals auch männliche Bezugspersonen erlebte.

Ralf Rangnick hätte es gern gesehen, wenn Co-Trainer Jesse Marsch bei seinem Umzug von New York nach Leipzig den Wunderknaben gleich mitgebracht hätte. Denn Rangnick weiß, dass Diego Demme nicht alles allein machen kann. Vermutlich traut er Ilsanker nicht mehr so recht über den Weg. Und Tyler Adams passt perfekt zur Demme’schen Drecksarbeit, wie wir hier lesen können.

Die sonst-so-Gerüchte

Nein, Amadou Haidara bringt seinen Homie Diadie Samassékou nicht mit. Der wird von Paris St. Germain und vom neuen Hasenhüttl-Club FC Southampton umworben. Aber sonst gibt es wie so oft ein paar Gerüchte, die sonst so kursieren. Hier gebe ich mal meine Meinung ab.

Angeblich soll sich RB Leipzig für Hakan Çalhanoğlu interessieren. Der hat eine eher schwierige Zeit beim AC Mailand. Und weil niemand weiß, ob und wann Emil Forsberg wieder fit wird, soll Rangnick sich für den Deutschtürken interessieren. Aber das hat RB Leipzig bereits dementiert.

Des Weiteren kursiert immer wieder der Name Ademola Lookman, der in Leipzig so viel Freude gemacht hatte, den man aber nicht fest verpflichten konnte. Hier dürfte so ziemlich jeder Premier League Club bessere Chancen haben als RB Leipzig. Vielleicht auch wieder der FC Southampton?

Ach, und als Ersatz Nr. 3 für Emil Forsberg tobt ein gewisser Callum James Hudson-Odoi durch die Gerüchte. Hier haben auch die Bayern und Dortmund ihre Hüte in den Ring geworfen. Und bei mutmaßlichen 40 Millionen Euro Ablöse für einen 18-jährigen dürfte Ralf Rangnick abwinken.

Unruhe im Team

So schön die Zugänge von Amadou Haidara und Tyler Adams auch sind, es herrscht eine gewisse Unruhe im Team. Big Boss Oliver Mintzlaff hat Timo Werner bezüglich des Gezeters um seine Vertragsverlängerung ein Ultimatum gesetzt, sonst wären wohl der FC Barcelona oder Borussia Dortmund mögliche Kaufpartner.

Außerdem wird Dayot Upamecano von den Bayern und – mal wieder – dem FC Southampton umworben. Bruma hat sich mutmaßlich nicht im erwarteten Maße in Leipzig durchgesetzt und wird von den Wolverhampton Wanderers beäugt. Und über die Zukunft von Jean-Kevin Augustin ist man sich hier bei RB Leipzig aus disziplinarischen Gründen alles andere als im Klaren.

Und über allem schwebt die Frage, was mit Emil Forsberg wird. Der laboriert seit langer Zeit an seinen Adduktoren herum, fällt immer wieder aus und sagte im November, dass er wohl nie wieder schmerzfrei sein wird. Aktuell interessiert sich auch niemand für ihn, letzten Sommer waren aber Gerüchte aus Italien und Spanien zu hören.

Das Alles schafft unnötig viel Unruhe. Hier braucht es Konstanten. Und die sind ohne Frage Yussuf Poulsen, Lukas Klostermann, Marcel Sabitzer und Diego Demme. Die müssen es schaffen, die Unruhe zu ersticken. Wie will man denn in Leipzig sonst weiter und wieder in Ruhe arbeiten?

Attacke auf Europa

Was auch immer passieren mag mit dem Kader, eins ist sicher: Ralf Rangnick will die Rückrunde dafür nutzen, um die gute Ausgangssituation für den Angriff auf Europa zu festigen. Das frühe Ausscheiden in der ungeliebten Europa League ist zwar nach seinen Aussagen kein Beinbruch. Aber besser hätte es jeder gefunden, wenn RB Leipzig weiter europäisch gespielt hätte.

Das will man nun für die kommende Saison anpeilen. Und Amadou Haidara soll und kann dabei mithelfen. Momentan ist er verletzt und wird konservativ behandelt. Im Idealfall ist er ab März dabei. Realistisch ist aber eher frühestens April. Er ist ein Juwel wie Naby Keita, mit dem man auch schon eine Attacke auf Europa fahren konnte. Und so, wie er sich gibt, könnte er gar wertvoller werden.

Und mal nebenbei bemerkt: Fußball ist ein Mannschaftssport. RB Leipzig sollte jetzt nicht den gleichen Fehler wie beim Keita-zentrierten Fußball machen. Das Team besteht nicht nur aus Amadou Haidara. Jeder ist auf seine Art wichtig. Dann kann das auch was werden. Auch mit der Integration. Und wir vergessen auch alle nicht den Tyler Adams.

Mit anderen Worten: Amadou Haidara schön und gut. Aber auch er wird nicht der Nabel der Welt sein. Es müssen alle mithelfen. Sonst dürften sie bei RB Leipzig nichts zu suchen haben. Und dann wollen wir mal sehen, wo der Verein am Saisonende stehen wird.

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