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Der FC Ingolstadt 04 empfing RB Leipzig – Und wie!

Walpurgis-Nachmittag in Ingolstadt. Dieses Wortspiel musste ich einfach bringen, Maik Walpurgis möge es mir verzeihen. RB Leipzig zu Gast in Ingolstadt. Und am Ende hieß es 1:0 für den 2004 auf Initiative der Audi AG gegründeten Club.  Trainer Walpurgis vollführte eine bittere Rückkehr von Trainer Hasenhüttl an die alte Wirkungsstätte im Audi Sportpark. Wobei: Es waren weniger die Schanzer, die das Spiel zu dem machten, was es war. Es waren die Bullen. Wie immer. Nur diesmal anders.

Trainer Hasenhüttl schickte Gulacsi ins Tor, Schmitz, Ilsanker, Orban und Halstenberg in die Abwehr, Demme und Keita ins defensive Mittelfeld, Sabitzer und Forsberg ins offensive Mittelfeld, sowie Werner und Poulsen in den Sturm. Die gute Nachricht war, dass Benno Schmitz wieder an Bord war und somit weniger Experimente vollführt werden mussten. Dennoch stand es bereits nach 12 Minuten 1:0 für die Hausherren aus Oberbayern. Letzter gegen Erster: Eigentlich eine klare Sache, nur eben nicht gestern in Ingolstadt.

Es entwickelte sich ein Spiel, das RB Leipzig so gar nicht schmeckte. Man konnte nicht einmal sagen, dass der FC Ingolstadt nun nur destruktiv aufgespielt hatte. Denn ein Einwurf entwickelte sich schon mal zur direkten Vorlage, die dann in höchster Not noch durch den wieder genesenen Schmitz gelöst werden konnte. Bezeichnend für das ganze Spiel der Leipziger: Sie waren zu passiv. Sie zeigten zu wenig gegen einen kompakten, robusten Gegner.

Der Leipziger Leihspieler Anthony Jung, der irgendwo zwischen Linksverteidiger, defensivem Mittelfeld und Linksaußen spielte, flankte zum Tor, wo der Brasilianer Roger zum 1:0 nur verlängern musste. Nach dem Spiel kritisierte man Gulacsi für seine Passivität. Aber wenn er eingegriffen hätte, wäre das aus dieser Distanz auch eher gewagt gewesen. Vielmehr wäre es an Ilsanker und Schmitz gewesen, hier eher einzugreifen. Aber noch mehr hätte man Anthony Jung gar nicht erst zum Zug kommen lassen dürfen. Hierfür Gulacsi verantwortlich zu machen, greift zu kurz.

Zufällig kamen dann bis zur Pause noch Forsberg und Halstenberg bis zu Torwart Hansen durch, aber beides war Abseits. Ansonsten versuchten sich die Rasenballer, immer wieder durch zu kombinieren, was bei aggressiv verteidigenden Ingolstädtern ein eher unsinniges Unterfangen ist. Derweil merkte man Yussuf Poulsen seine fehlende Spritzigkeit an, die aus einer Knöchelverletzung rührte. Kurz nach Wiederanpfiff wurde der Däne dann auch folgerichtig durch Oliver Burke ersetzt.

Die Ingolstädter hatten zu dem Zeitpunkt erreicht, was sie wollten, nämlich als Tabellenletzter in Führung zu gehen. Mehr verlangte Walpurgis offenbar nicht, denn wirklich erbauliches kam dann nicht mehr herum. Weit weniger als die Hälfte aller Pässe der Schanzer kam überhaupt an. Aber das war ja nicht schlimm für die Oberbayern, man führte ja. RB Leipzig tat sich hingegen sehr schwer. Wenn du gegen neun Verteidiger bei 10 Feldspielern Kombinationsfußball machst, kommst du halt nicht weit.

Da konnte dann wieder Naby Keita zeigen, warum er Afrikas Fußballer des Jahres ist, als er zum Beispiel Marcel Sabitzer frei spielte. Und der konnte sich halt nicht gegenüber Hansen durchsetzen und wurde stattdessen von Almog Cohen weggetreten. Das resultierte aber nicht etwa in irgendeiner Karte gegen ihn und Strafstoß, sondern in einer Verletzung von Torwart Hansen und Einwurf. Hansen wurde dann wenig später ausgewechselt. Und das zeigt, dass man auch mal ohne Rücksicht auf Verluste verteidigen kann.

RB Leipzig erhöhte immer mehr den Druck, und es begann ein lustiges Maßnehmen. Emil Forsberg scheiterte sehenswert an Ersatztorhüter Nyland. Und auch so hätten sich die Oberbayern über den Ausgleich nicht beschweren können. Inzwischen war Davie Selke für den eher blassen Timo Werner im Spiel. Lange Bälle, die zu dem Zeitpunkt auf den Tisch kamen, sind aber eher für den ausgewechselten Yussuf Poulsen etwas. Burke, Forsberg und Sabitzer beschäftigten gut die Ingolstädter Abwehr. Aber das waren halt – wie erwähnt – 9 Abwehrspieler. Wenn da noch die Präzision fehlt, reißt du eben nichts.

Kurz vor Schluss hätte jeder gesagt, dass RB Leipzig den Ausgleich verdient gehabt hätte. Aber man bekam den Ball nicht unter. Am Ende war es der Dämpfer zum richtigen Zeitpunkt, wie man so häufig sagt. Es war die erste Saisonniederlage für RB Leipzig. Nicht gegen Bayern, Dortmund oder Schalke, sondern gegen den abstiegsbedrohten FC Ingolstadt. Es war unterm Strich ein gebrauchter Tag für die Hasenhüttl-Truppe. Sie hätte wohl noch 8 Stunden weiter spielen können, und der Ball wäre nicht ins Tor gegangen.

Es war ein typisches Spiel gegen eine Walpurgis-Elf. Ob es die Relegationsspiele zur Dritten Liga gegen die Sportfreunde Lotte waren oder das Pokalspiel gegen den VfL Osnabrück: Gegen das Walpurgis-System zu bestehen, war für die Bullen nie einfach. So gesehen, wurde hier auch so eine Art Geschichte fortgeschrieben. Und es ist ebenso eine Tradition von „RB Leipzig gegen Maik Walpurgis“, dass die Partien einigermaßen giftig sind, was darin resultierte, dass die Ingolstädter nicht vollzählig den Sieg feiern konnten.

Die – nun ja – Fans des FC Audi Ingolstadt taten derweil einiges dafür, dass Trainer Walpurgis ein ähnliches Erlebnis wie in Osnabrück haben durfte. Denn die bewarfen Linienrichter und Leipziger Spieler mit Bierbechern. In Osnabrück waren es Feuerzeuge. In Ingolstadt trafen sie daneben, in Osnabrück den Schiedsrichter. Deshalb wurde das Spiel in Ingolstadt dann nicht an den grünen Tisch verlegt und zugunsten von RB Leipzig entschieden. Aber auch das ist irgendwie Tradition zwischen Walpurgis und RB Leipzig.

Es hieß dann gestern in den Kommentaren, dass es ein guter Tag für den Fußball, für Deutschland, für die ganze Welt – ja, für das Universum – war. Und es hieß, dass gestern „alle Schanzer“ waren. Die hätten aber alle gar nicht in das kleine Stadion gepasst. Aber egal. Dass die Bayern nun wieder unspannenderweise davon ziehen können, finden Fans scheinbar wichtiger, als dass ein von Red Bull gesponserter Verein mal länger an der Tabellenspitze steht. Egal, das ist alles Folklore.

Wie gesagt, der Dämpfer kam zum richtigen Zeitpunkt. Der FC Ingolstadt war keine spielstarke Mannschaft. Gegen solche Gegner tut sich RB Leipzig traditionell immer schwer. Erinnern wir uns an Spiele gegen den SV Darmstadt oder so. Teams, die auch gern mal das Spiel machen, liegen den Leipzigern mehr. Und so kommt mit Hertha BSC nächstes Wochenende der richtige Aufbau-Gegner, bevor es mit dem Christkind im Rücken dann nach München geht.

Nein, ganz so ist es natürlich nicht. Aber sicherlich werden wir einen stärkeren RB Leipzig erleben als gegen die Oberbayern. Sie waren nicht direkt schlecht. Aber sie kamen über 90 Minuten nicht gegen diese kompakte Mannschaft an. Bemerkenswert waren Timo Werner, der zwar farblos war, aber sich redlich um den Dienst an der Mannschaft bemühte, Marcel Sabitzer, der immer wieder entscheidende Zweikämpfe gesucht hatte, und Naby Keita mit gelungenen Spielaufbau-Ideen.

Es war nicht alles schlecht in Ingolstadt. Und es wird RB Leipzig nun auch nicht umhauen. Wer hat denn ernsthaft daran geglaubt, dass das Team von Ralph Hasenhüttl bis zum Saisonende ungeschlagen bleiben könnte? Solche Spiele wie gestern müssen nicht unbedingt häufiger passieren. Aber es wird sie immer wieder geben. Wenn hinter dem Team dann treue Fans stehen, zu denen dann eine Type wie Marcel Sabitzer einfach mal hingeht und sich bedankt, ist das schon viel wert.

Der „Untergang des Fußballs“ wurde gestern nicht beendet. Das passiert auch nicht gegen Hertha oder gegen die Bayern. Dafür stimmt es zu sehr in der Mannschaft. RB Leipzig hat oft genug gezeigt, dass sie eine Jetzt-erst-recht-Mentalität an denn Tag legen können. Und wer weiß, vielleicht hat Karl-Heinz Rummenigge zu früh gefeiert und den Schanzern Bier und Würtchen versprochen. Denn wer weiß, vielleicht kommen die Bullern stärker zurück, als sich das die Bayern vorstellen wollen.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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