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Die Lok ohne Lokführer und ohne rote Brause

Eine Nachricht ereilte die Leipziger Fußball-Landschaft. Der geneigte Fußballinteressierte hat sicher zunächst gedacht, dass die schnöde Nachricht vom Winterchaos in Leipzig und seinem Winterdienst ablenken soll. Aber nein, es war schon ernst gemeint, was bekannt wurde:

Steffen Kubald, Lichtgestalt und Vater des am 10. Dezember 2003 nach Insolvenzen und ähnlichem neugegründeten Verein 1. FC Lokomotive Leipzig, gibt auf. Nein, er tritt nicht zurück. Er steht für die nächste Wahl zum Präsidenten nicht mehr zur Verfügung. Aber ist das nicht unter dem berühmten Strich das Gleiche?

Was gab es nicht alles für Querelen um den großen Traditionsverein, bei dem eigentlich so niemand mehr einordnen kann, woher der Verein seine Tradition haben soll. Viele Leipziger in meinem Alter sind mit Lok aufgewachsen und haben erschüttert nach der Wende den Niedergang des VfB erlebt. Einige haben sich dann gefreut, als die Lok neu gegründet wurde. Und einige sind enttäuscht, dass der Verein weiterhin seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.

Chef Kubald und seine Finanzjongleurin Palhorn wähnten sich wohl zu sehr in Sicherheit, als dass sie die Unzufriedenheit im Verein und in der Bevölkerung interessiert hat. Nun hat sie die Sicherheit eingeholt. Nach einer Vorstandssitzung, die offenbar eilends einberufen wurde, muss klar gewesen sein, dass es so nicht weitergehen kann, will man sich als Verein nicht vollends lächerlich machen.

Viel Unmut kam ja über das Projekt Nachwuchs-Kooperation mit Leipzigs Musterknaben RB auf. Es wurde ein versuchter Ausverkauf gemutmaßt und orakelt, dass die Lok nun dem bösen Verein des Brauseherstellers aus Österreich zum Opfer fallen würde. Auch kam es zu Irritationen, nachdem der Stadionsprecher und der Teammanager wutentbrannt ihre Ämter in den letzten Tagen niederlegten. Beide warfen Kubald vor, diktatorisch über den Verein zu herrschen. Beratungsresistent ist er wohl gewesen, der Steffen Kubald. Er hat sich nichts sagen lassen. Und in seinem Fahrwasser schipperte immer Schatzmeisterin Katrin Pahlhorn.

Auch wurde ihm vorgeworfen, eine falsche Personalpolitik zu verfolgen. Und nicht zuletzt haftet an ihm ein eher zweifelhafter Ruf. Als Beispiel hier ein Auszug aus einem Spielbericht eines Hallenturniers beim kleinen Rivalen „Roter Stern Leipzig“ aus dem Jahr 2004: Erwähnenswert ist besonders, dass sich in dieser heiklen Situation auch der erste Vorsitzende des 1. FC LOK Steffen Kubald disqualifizierte, indem er zunächst flüchtende Leute daran hinderte einen Durchgang zu passieren, LOK-Hools zur Gewalt aufforderte und letztlich selbst einem Chemiker ins Gesicht schlug!

Was machen die beiden großen Stadtrivalen aus dieser neuen Situation, die große Lok ohne ihren Lokführer zu erleben?

Der Regionalligist RB Leipzig schreibt auf seiner Homepage nichts neues zu dieser Situation. Ich nehme an dieser Stelle einfach an, dass man sich hier denkt: Wir sind in der besseren Ausgangslage und haben unsere Hand schon lang ausgestreckt. Der Verein wird sich nicht zur Personalie Steffen Kubald äußern, um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen. Außerdem plagen den Verein ganz andere Sorgen, nämlich das Ziel „Aufstieg in die 3. Liga“ wird wohl unerreichbar sein. Aber die Nachwuchs-Kooperation wird als Angebot sicher  bestehen bleiben.

Und was macht der FC Sachsen aus der Situation? Ich vermute, Gelächter wird es an dieser Stelle auch nicht geben. Die grün-weißen aus Leutzsch haben gerade eine Insolvenz in Arbeit, die sie wohl bald erledigt haben, und werden sich daher nicht um andere kümmern und mit dickem Finger auf sie zeigen. Zudem stehen die Sachsen dem RB nicht so ablehnend wie der 1. FC Lokomotive gegenüber.

Mit anderen Worten: Der FC Sachsen hat mit sich genug zu tun und lässt die blaugelben aus Probstheida da jetzt einfach mal machen.

Ist die Kapitulation Kubalds positiv für den Leipziger Fußball? Das bleibt abzuwarten. Ich hege die Hoffnung, wenn ein neuer Clubchef keinen Hooligan-Heiligenschein wegen seiner Vergangenheit mit sich herumträgt, so wie es nunmal bei Herrn Kubald den Anschein hatte, kann das durchaus positive Signale in Richtung Befriedung bringen. Aber nur, wenn die Fangruppen der Lok auch mitspielen.

Wird der neue Chef allerdings positiv aufgenommen, kann dieser durchaus alte Zöpfe abschneiden und sich wirklich um eine Zukunft des Vereins kümmern. Tradition allein verdient leider kein Geld. Und dann klappt auch die Kooperation mit dem ungeliebten Rivalen.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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