Die Totengräber des FC Sachsen Leipzig

Man soll ja nicht hämisch sein. Eigentlich verbietet das auch der gute Ton. Aber aufgrund der beschlossenen Aufgabe des FC Sachsen Leipzig möchte ich gern noch einmal über den Verein, das Umfeld und die Gründe für die Pleite schreiben, wie ich es in meinem vorherigen Beitrag bereits tat.

Gestern kam es zu einer eilends einberufenen Pressekonferenz zum Ende des FC Sachsen. Auf dieser sprach Insolvenzverwalter Heiko Kratz über die Gründe für die Entwicklung. Er fand keine Deckungslücke im laufenden Etat. Auch ist sicherlich die Fortführung für die kommenden zwei Monate kein Problem. Die Kosten für den künftigen Spielbetrieb könnten aber schlichtweg nicht mehr gedeckt werden.

Die Gründe sind schnell genannt: Sinkende Zuschauerzahlen in den vergangenen Monaten, gigantische Unterhaltskosten für den Alfred-Kunze-Sportpark, nicht eingehaltene Zusagen bestehender Geldgeber und kaum hinzugewonnene neue Sponsoren. Nicht zuletzt hätte auch etwa die Hälfte aller Vereinsmitglieder in diesem Jahr keine Beiträge mehr gezahlt. Kratz dazu: „Jeder Fan, der nicht ins Stadion gekommen ist und jeder Sponsor, der nicht gezahlt hat, ist hier mitverantwortlich“.

Nun hält man sich vor Augen, dass die Fans des Vereins sich immer hingestellt haben und proklamiert haben, sie würden alles für diesen Verein geben. Das ist eine sehr lobenswerte Einstellung. Allerdings gilt dies nur eingeschränkt. Denn die Fans waren nicht dazu bereit, ins Stadion zu gehen und brav das Eintrittsgeld zu zahlen. Und die Fans waren nicht willens, fällige Mitgliedsbeiträge zu bezahlen. Wie soll ein Verein mit solchen Fans überleben?

Wir sehen auch ein vor sich hin marodierendes Stadion namens Alfred-Kunze-Sportpark. Wir vergleichen dieses Stadion mit dem Bruno-Plache-Stadion des 1. FC Lokomotive Leipzig. Beide waren eigentlich abbruchreif. Mit einer Fanoffensive „Erhaltet das Bruno-Plache-Stadion“ hat der 1. FC Lok Fans zu freiwilligen Arbeitsinitiativen mobilisieren und Materialspenden bzw. Preisnachlässe bei Lieferanten gewinnen können. Das Stadion ist zwar noch relativ weit weg von dem, wo es hin soll, um im professionellen Fußball dauerhaft bestehen zu können. Aber ein Anfang ist geschafft. Warum kam der FC Sachsen nicht auf eine solche Idee?

War man eventuell zu sehr mit sich selbst und der abgedrifteten BSG Chemie beschäftigt, um solche Ideen und Konzepte zu entwickeln?

Hierzu meinte Kratz: „Zehn Jahre lang ist hier nichts gemacht worden. „Der jetztige Zustand ist eine Katastrophe“, meinte auch Uwe Seemann, einer der Vereinsvorstände. Die Leipziger Volkszeitung schreibt hier: „Vor allem die Energiekosten seien in der aktuellen Situation nicht mehr zu schultern. Wären hier in den vergangenen Jahren Investitionen getätigt worden, hätte vielleicht auch ein Ende vermieden werden können.“

Und dann kommt wieder der lang bekannte Katzenjammer: „Für Investitionen habe dem Verein in den vergangenen zwei Jahren aber das Geld gefehlt. Wie Seemann sagte, hätte man sich mitunter auch mehr Unterstützung von der Stadt gewünscht, etwa bei einer Sanierung oder bei der Erweiterung der Kapazität des Sportparks auf 7500 Zuschauer.“

Hätte diese Kapazitätserweiterung überhaupt notwendig sein müssen? Ich bin da eher skeptisch.

Kratz hat durchgerechnet, dass der FC Sachsen durchschnittlich 1000 und mehr Zuschauer pro Heimspiel gebraucht hätte, um in der Oberliga dauerhaft überleben zu können. Der Saisonschnitt lag aber bei etwa 800. Hatte der FC Sachsen tatsächlich noch den Rückenhalt?

Die Stadt Leipzig wird wahrscheinlich keine totgesagten fördern. Es läuft ja nur auf Kredite hinaus, selbst wenn sie zinslos wären. Aber bei solchen Anzeichen, die sich als Hauptgründe für die Pleite herauskristallisieren, war scheinbar die Sorge in der Stadtverwaltung zu groß, ob das Geld überhaupt zurückgezahlt worden wäre. Und wenn dazu noch die eigenen Fans den Verein boykottieren, ist es wohl das Beste, den Verein zu liquidieren.

Es ist schade, dass der Leipziger Fußball wieder einmal negative Schlagzeilen macht. Ich hoffe, dass diese nun langsam abnehmen werden.

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