Dosencup: RB Leipzig gegen FC Salzburg in der Europa League

Gestern fand er nun statt: der Dosencup. Das Spiel der Spiele, die alle in die Rubrik „El Plastico“ fallen. Aber was für ein Krampf lieferte RB Leipzig ab? Das war ja nicht zum Aushalten, vor allem in der ersten Halbzeit war das eine glatte Arbeitsverweigerung der hochbezahlten Profis. Ich war gestern im Stadion, bin heute heiser und immernoch gewaltig sauer. So kann sich keine Mannschaft präsentieren, die irgendwas in Europa reißen will.

Etwas merkwürdig war das schon in Leipzig

Wie gewohnt ließ Ralf Ragnick Yvon Mvogo ins Tor. Die Leistung war so lala. Die Innenverteidigung mit Ibrahima Konaté und Dayot Upamecano fand in Teilen gar nicht statt. Und außen überzeugte kein Nordi Mukiele, sondern Konrad Laimer. Das Mittelfeld bestand aus Totalausfall Stefan Ilsanker, dem guten Marcel Sabitzer und einem nicht so auffälligen Kevin Kampl. Der Sturm war mit einem nicht stattgefundenen Bruma, einem glücklosen Jean-Kevin Augustin und einem überforderten Mattheus Cunha besetzt.

So trat man also gegen den FC Salzburg an, die nicht vorhatten, irgendeinen Millimeter herzuschenken. Und die Österreicher mit dem überragenden Amadou Haidara kamen auch nicht, wie Kritiker beider Vereine munkelten, zum Freundschaftsspiel nach Leipzig. Aber vermutlich hatte in großen Teilen die Leipziger Mannschaft genau das vermutet. Denn die Gastgeber fanden in weiten Teilen gar nicht statt.

Dosencup ist, wenn das defensive Mittelfeld den Unterschied macht

Das Leipziger defensive Mittelfeld bestand gestern aus Stefan Ilsanker und Kevin Kampl, das der Österreicher aus Amadou Haidara und Diadie Samassékou. Oder so ähnlich. Das offensive Mittelfeld der Leipziger aus Marcel Sabitzer und Cunha, das der Österreicher aus Xaver Schlager und Hannes Wolf. Aber mir geht es um die „6“. Die fand aus Leipziger Sicht in weiten Teilen gar nicht statt.

In Harakiri-Manier stocherte Stefan Ilsanker herum und gab eine hervorragende Vorlage zum ersten Gegentreffer. Auch so war er viel zu langsam und meiner Meinung nach mental komplett von der Rolle. Der offensive Teil der „6“, Kevin Kampl, brachte zwar Übersicht ins Spiel, bewies sich aber zu selten als jemand, der ein Spiel an sich reißen kann. Ein Keita-Nachfolger ist er damit also keineswegs.

Den habe ich aber bei den Gegnern gesehen. Was ist der Haidara für ein Knaller! Der hat mir außerordentlich gut gefallen. Und ganz ehrlich, der ist „Keita 2“ und machte gestern den Unterschied. Er hat gezeigt, wie diese Position geht. Kampl hatte mehr oder weniger versucht zu gestalten. Und Stefan Ilsanker? 5 Sekunden hatte er gezeigt, weshalb er auf der „6“ stand, als er nämlich einen großartigen öffnenden Pass zum rasenden Kevin platzierte und der zu Yussuf Poulsen flankte, sodass dieser zum zwischenzeitlichen 2:2 einnicken konnte.

Insgesamt war das zu wenig

Vieles war gestern einfach nur Stückwerk. Vor allem die erste Halbzeit war eine reine Katastrophe. Irgendwie erinnerte das Alles an das desaströse 0:4 gegen den SV Sandhausen. Einziger Lichtblick war Konrad Laimer, der noch halbwegs auf Normalniveau spielte. Folgerichtig erzielte dieser dann auch den 1:2 Anschlusstreffer. Noch drei weitere Positivbeispiele seien genannt, nämlich Yussuf Poulsen, Diego Demme und der genesene Marcel Halstenberg.

Wie, die habe ich oben nicht genannt? Überraschung, die kamen auch erst zur Halbzeitpause. Sorry, aber in meinen Augen hatte sich gestern Ralf Rangnick verzockt. Die drei Spieler auf einmal zu bringen, zeugte jedenfalls davon. Draußen blieben Mukiele, Augustin und Bruma. Und sofort nahm das Spiel Struktur an. Aber eben vielleicht nur 35, 40 Minuten lang. Und das war insgesamt zu wenig.

Ich denke, Sabitzer und Kampl mussten mehr defensiv aushelfen, als RB Leipzig lieb war, weil eben Stefan Ilsanker völlig von der Rolle war. Er hatte zwar die meisten Ballkontakte, aber das ist ja nicht spielentscheidend. Das wiederum war die Aufstellung, denn der Spieler mit den meisten Torschüssen war Poulsen, der ja nur eine Hälfte gespielt hatte. Das sagt eigentlich alles über das Spiel.

Die kommenden Aufgaben werden nicht einfacher

Nach dem Dosencup ist vor der Bundesliga. Da wartet Eintracht Frankfurt, die gestern auch gespielt hatten und in Unterzahl einen Sieg gegen Olympique Marseille einfuhren. RB Leipzig hat nach dem zeitweisen Desaster keine Zeit, Wunden zu lecken. Das ganze Geschwafel von „Wir werden aus dem Spiel lernen“ taugt doch alles nichts. Am Ende steht das Ergebnis, das gerecht zu Gunsten von Salzburg ausfiel, denn die Österreicher waren einfach viel besser.

Da kann Trainer Rangnick noch so viele sehr abenteuerliche Erklärungen für das Ergebnis suchen. Am Ende bleibt die erste Hälfte ein Offenbarungseid, wie desaströs ein deutscher Bundesligist mit Ambitionen auf Spitzenplatzierungen spielen kann. In Leipzig wurden gestern Abend beim Dosencup auch „Rangnick raus!“-Rufe laut. Ob das zynisch oder ernst gemeint war, bleibt ein Geheimnis. Jedenfalls werden ob dieser Leistung die kommenden Aufgaben nicht einfacher.

Ein Wort zum Torhüter

Yvon Landry Mvogo Nganoma steht im Pokal und in der Europa League im Tor. An sich kann man sagen, dass er für die drei Gegentreffer von Munas Dabbur, Amadou Haidara und Fredrik Gulbrandsen nichts konnte. Drei zentrale Defensiv-Spieler (Konaté, Upamecano und Ilsanker) vermochten nicht, die schnellen Österreicher aufzuhalten und luden sie zum Teil auch noch zum Toreschießen ein.

Aber was hatte der kamerunisch-schweizer Torhüter da an Abschlägen abgeliefert? Wer hatte Mvogo vor dem Spiel dazu angestiftet, die Bälle generell irgendwo an die Seitenauslinie zu ballern, sodass sie größtenteils keinen Abnehmer fanden? Auf so eine dämliche Idee kann doch niemand ernsthaft kommen. Damit war natürlich auch bloß kein Spielaufbau möglich. Somit reiht sich Mvogo nahtlos ein in die Liste der Schwachstellen.

Grund zum Trübsal-Blasen?

Jetzt ist erstmal der Dosencup rum. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ralf Rangnick so ein Desaster wie gestern a) unbeschadet übersteht und b) ohne Folgen belässt. Aber sie können sich eben nicht einigeln. Es muss weitergehen. Und man muss nach vorn schauen. Hätte man gestern eine erste Halbzeit abgeliefert, die nur halbwegs wie die zweite aussah, es wäre ein ganz anderes Spiel gewesen.

Die Anlagen sind also da. Grund, um Trübsal zu blasen gibt es nicht genügend. Aber die Mannschaft und das Trainerteam müssen aufpassen, dass sie sich nicht selbst noch in die Paraden fahren. Jetzt muss man schnell die richtigen Schlüsse ziehen. Und das bedeutet eben auch, dass man erkennt: Der FC Salzburg war in fast unveränderter Besetzung unterwegs, wie sie vergangene Saison in der Europa League furios bis ins Halbfinale kamen.

Also muss man nun nach vorn schauen. Erst wartet Frankfurt, dann kommt der VfB Stuttgart, und dann fährt man nach Hoffenheim. Als nächstes geht es dann nach Trondheim. Noch so eine Leistung wie gestern in der ersten Hälfte geht nicht bei solchen Gegnern. Und das werden sie sicher bewerten, wenn sie heute das Spiel aufarbeiten. Und irgendwann findet nochmal ein Dosencup statt. Den wollen sie nicht versauen. Oder?

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