Dynamo Dresden soll das Bauernopfer sein

Wer mich kennt, weiß eigentlich, dass ich gegen Fußballvereine etwas habe, die ihre Fans nicht in den Griff bekommen. Ein Beispiel hierfür der 1. FC Lok Leipzig, der immernoch mit dem einen oder anderen Hooligan-Problem zu kämpfen hat. Was aber der DFB mit Dynamo Dresden vorhat, geht dann doch zu weit.

Logo von Dynamo Dresden - aus Wikipedia

Dynamo ist ja der Fußballverein des deutschen Ostens, der so ziemlich am meisten geschunden ist. Da gab es nach der Wende für den achtfachen DDR-Meister eine UEFA-Cup-Sperre, finanzielle Engpässe und ein Wirtschaftsdesaster mit dem Baulöwen Jürgen Otto, Punktabzüge wegen Lizenzproblemen und zuletzt einen Knebel-Mietvertrag mit der Stadt Dresden für das Stadion, der eigentlich nur zu erfüllen ist, wenn die Schwarzgelben dauerhaft mindestens 2. Bundesliga spielen.

Aufgrund der Fanausschreitungen zum DFB-Pokalspiel beim BVB Borussia Dortmund überschreitet der DFB nun eine Grenze des Vorstellbaren, was Strafen angeht. Die bislang härteste Strafe für einen Verein, dessen Fans Krawalle verursacht haben, waren Geisterspiele. Nun will der DFB aufgrund der Vorkommnisse in Dortmund erwirken, dass die Dresdner in der kommenden Saison vom DFB-Pokalwettbewerb ausgeschlossen werden. Bei fehlenden Mehreinnahmen von rund 1,5 Millionen Euro, was mehr als ein Drittel des Etats 2011/2012 für Spielerkader, Trainer und Betreuer ausmachen dürfte, würde das einem Zwangsabstieg gleichkommen.

Sicher, die Dresdner Fans haben dem ostdeutschen Fußball einen Bärendienst erwiesen, indem sie sich wie eine Horde Wildschweine in Dortmund aufgeführt haben, verbotenerweise Bengalisches Feuer abgefackelt haben und diverse Gewalteinlagen eingebracht haben. Und hierfür muss es konsequenterweise auch Strafen setzen. Aber was um alles in der Welt hat der DFB davon, diesem Verein die Existenzgrundlage praktisch zu entziehen?

Und wie ist dieser Entschluß bitteschön mit den laxen Umgängen rund um die Gewaltausbrüche und kriegsähnlichen Szenen rund um Lok Leipzig vereinbar? Nur mal zum Vergleich: Der Leipziger Südosten sah öfter schon nach Heimspielen der “Loksche” aus wie nach einem Bombenangriff. Da die Leipziger als kurzfristiges Ziel den Aufstieg in die Regionalliga vor Augen haben und den RB Leipzig sportlich “jagen” wollen, müsste hier dann eigentlich der DFB entscheiden, dass der Verein selbst bei vorbildlichen Bilanzen und bester Jugendarbeit keine Lizenz erhalten wird.

Ich denke, Gewalt hat im Fußball nichts verloren. Vereine, die mit gewaltbereiten Fans zu tun haben (gewollt oder ungewollt), sollen auch ihre Strafe bekommen. Aber dann bitteschön nicht in so einer Form, dass der Verein schließen muss. Und die Gefahr besteht meiner Meinung nach bei dem, was der DFB ins DFB-Sportgericht tragen will.

Was ist aber noch viel schlimmer als derart überzogene Entschlüsse? Genau, das Problem der sinnlosen Gewaltausbrüche, weshalb es das Verfahren überhaupt geben soll, wird dadurch weder angepackt noch gelöst.

Der Verein selbst hat übrigens eine Sofortmaßnahme durchgezogen. Beim nächsten Auswärtsspiel auf St. Pauli nimmt der Verein keinen Fan mit. Die vom Gastgeber bereitgestellten Karten wurden bereits von Dynamo wieder an den FC St. Pauli zurückgegeben. So etwas finde ich viel besser und konsequenter als irgendeinen Unsinnsentschluß, der den Verein aus dem Elbflorenz in den Grundfesten zerstört, da augrund der fehlenden finanziellen Decke wohl der Zwangsabstieg in Liga drohen wird und damit neues Ungemach vom Vermieter des Stadions, der Stadt Dresden.

Der Verein hat mittlerweile Stellung bezogen und eine offizielle Stellungnahme veröffentlicht, die Sie auf der Webseite des Vereins nachlesen können.

 

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