Es war Derbyzeit in Leipzig – und es gab 3 Halbzeiten

Am vergangenen Sonntag wurde in Leipzig ein Rekord aufgestellt: Knapp 25.000 Zuschauer sahen ein Fußballspiel in der Regionalliga, der vierthöchsten Liga im deutschen Fußball. Es gab Licht und Schatten. Und es war einiges so, wie es zu erwarten war.

Am Sonntag standen sich die beiden Vereine RB Leipzig und Lok Leipzig in der Red Bull Arena gegenüber. Ich war nicht dabei. Aber nach allem, was man so liest, gestaltete sich das Spiel so, wie man es von einem Derby erwartet: Die Stimmung war aufgeladen ob der Feindseligkeit der beiden Fanlager, auf dem Spielfeld lieferten sich beide Mannschaften einen spannenden Kampf, und das für Regionalliga-Verhältnisse vor einer Rekordkulisse stattgefundene Spiel hätte zwei Sieger verdient.

Ausgegangen ist der Fight dann 1:3 für RB Leipzig. Damit scheint die Frage beantwortet zu sein, wer die „Nummer 1“ in der Messestadt ist. Bei Lok Leipzig, die für diesen Nachmittag die Hausherren im größten Stadion der Stadt waren, bedeutete das, dass man eine für den Verein große Menge an Geld mehr eingenommen hatte, als wäre im Leipziger Südosten im Bruno-Plache-Stadion gespielt worden. Das ging aber nicht, weil das Spiel als Hochsicherheitsspiel eingestuft war. Und das Spiel gab den Verantwortlichen Recht, und das wurde auch von vielen so erwartet.

Das berauschende Fußballfest wurde flankiert von einigen Aussetzern. Der Rotebrauseblogger schrieb zum Spiel, dass die Lust in Leipzig auf Fußball zu spüren war. Und auch die Wehmut, „dass diese Fußballfeste ‘nur’ in der vierten Liga stattfinden.“ Die Lok-Fans waren traditionell lauter und von der Choreografie her besser. Aber im Großen und Ganzen herrschte eine „Patt-Situation„. Die Fan-Gesänge wurden bei Blau-Gelb allerdings laut Leipziger Internetzeitung untermalt von: „Wir sind die Krieger, wir sind die Fans, Lokomotive Hooligans.“ Und „Ihr habt bezahlt, ihr bekommt auf’s Maul.

Zum Spiel brauche ich nicht allzu viel zu schreiben. Es muss sehenswert gewesen sein. Einen interessanten Spielbericht liefert auch der Rotebrauseblogger, und zwar in dem oben verlinkten Artikel. Er war dabei, er muss es wissen.

Interessanter muss dann aber noch der Anputz von einigen Lok-Fans gewesen sein. Die sollen nämlich im „Skrewdriver“-Look angetreten sein, eine ehemalige britische Band, die offen der rechten Szene zugerechnet wird. Davon gibt es wohl auch das rechte Netzwerk „Blood & Honour“, dessen deutscher Ableger irgendwie mit der NSU und damit mit der Zwickauer Terrorzelle in Verbindung gestanden haben soll. Das hatten also einige Lok-Fans laut Zeitungsberichten an und hätten gar nicht erst ins Stadion gedurft, weil dies der Stadionordnung widerspricht.

Übereinstimmend finden sich Berichte, die darüber schreiben, dass es nach dem Spiel, das durchaus friedlich ablief (sieht man mal von den Böllern und Feuerzeugen ab, die beim Aufwärmen den Spielern von RB Leipzig entgegen flogen), zu Ausschreitungen kam. Es kam also, wie es kommen musste: Es gab die erwarteten Randale. Steine flogen, es gab Kämpfe mit der Polizei, es gab Prügelattacken auf RB-Fans, es gab Diebstahl, es gab Angriffe auf Journalisten etc.

Friedlich ging es also nicht ab. Es kam zu Festnahmen. Natürlich. Der Rotebbrauseblogger schreibt davon, dass die Umstände nach dem Spiel derart aufgeladen waren, „dass fast ein Bürgerkrieg daraus wird„. Ich verweise hier noch einmal auf den Artikel vom Rotebrauseblogger. Seine Beobachtungen zeigen auf, was wirklich nach dem Spiel ablief.

Auch die Leipziger Internetzeitung schreibt ähnliches. Die Zeitung schildert, wie Lok Leipzig – explizit deren Fans – die „Dritte Halbzeit“ herunterspielte. Die dritte Halbzeit gestaltete sich mit Wasserwerfern, mit einem Mob quer über den Parkplatz, mit Hetzjagden auf RB Leipzig Fanutensilien und Co.

Ich will jetzt nicht auf Lok Leipzig schimpfen. Sie haben mit dem Aufstieg in Liga 4 viel erreicht. Aber sie schaffen es eben nicht, eine vernünftige Fan-Kultur zu etablieren. Ich beobachte den Verein weiterhin mit Argwohn, so vertraut ich in früheren Jahren mit dem Verein war.

Alles in Allem hat dann am Ende doch der bessere Verein gewonnen. Mit RB Leipzig hat weiterhin Leipzig eine Zukunft mit hochklassigem Fußball vor Augen. Das ist nach diesem Wochenende weiterhin mit Lok Leipzig alles andere als denkbar.

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2 Kommentare

  1. Vielleicht ist es nur unglücklich formuliert, aber es ist mir wichtig, darauf zu verweisen, dass ich meinte, dass es m.M.n. ein Fehler wäre, aus den Abläufen nach dem Spiel einen bürgerkriegsähnlichen Zustand zu konstruieren. Im Artikel hier klingt das je nach Ohr ein wenig nach dem Gegenteil. (Danke für das freundliche Zitieren!)

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