FIFA Wordcup 2014 – Deutschland gegen Ghana

Europa gegen Afrika – eine ganz klare Kiste, oder? Wenn man allen Experten gestern vor dem Spiel so zugehört hatte, hat man gehört, wie einig die sich waren: Die Deutschen gewinnen das Gruppenspiel gegen Ghana, und Ghana ist nicht zu unterschätzen. So oder so ähnlich klang das gestern. Nun ja, letzteres hatte gestimmt.

Die Straßen in Deutschland waren leergefegt, als gestern Abend um 21 Uhr deutscher Zeit das Spiel gegen die „Black Stars“ angepfiffen wurde. Man hatte im Vorfeld einiges gehört, dass das Spiel eigentlich nur gewonnen werden kann. Ich war mir da gar nicht so sicher. Es hätte mich gefreut, aber sicher sein konnte man nicht. Gesunde Skepsis ist manchmal durchaus angebracht.

Und so kam es zu einem Spektakel, bei dem sich beide Mannschaften unglaubliche Fehler leisteten. Aber es war ein sehenswertes Offensiv-Festival. In der ersten Halbzeit hoben sich beide Mannschaften gegenseitig auf. Es war nicht zu sehen, wer der eigentlich haushohe Favorit in dem Spiel war.

Joachim Löw bot die gleiche Mannschaft auf, die im vorherigen Spiel Portugal übel verhauen hatte. Aber eigentlich war das die falsche Strategie. Denn Ghana spielt nun einmal einen ganz anderen Fußball als die filigranen Techniker aus dem europäischen Südwesten. Gegen eher „körperbetontes Spiel“ hätte man vielleicht auf Macher als auf Schönspieler setzen sollen.

Und so kam es, dass Thomas Müller längst nicht so in Szene gesetzt werden konnte wie gegen Portugal. Möglicherweise wäre ein wühlender Rasenmäher wie Lukas Podolski im offensiven Mittelfeld besser gewesen als ein lange Zeit glückloser Mesut Özil. Vielleicht hätte man das Mittelfeld insgesamt etwas durchschlagender gestalten sollen.

Ich denke, alles in allem fehlte der deutschen Mannschaft die mentale und körperliche Stärke. Man vermisste ein wenig die Führungskraft. Was gegen Portugal völlig in Ordnung war, nämlich Philipp Lahm im defensiven Mittelfeld spielen zu lassen, ging gestern gründlich in die Hose. Vielleicht wäre es hier besser gewesen, integrativ tätig zu werden und Bastian Schweinsteiger dahin stellen sollen. Der kann mitreißen und das Spiel kontrollieren. Lahm hingegen war für mich gestern die schwächste Person der deutschen Mannschaft.

Als dann in der zweiten Halbzeit Mario Götze die DFB-Elf in Führung brachte, verlor eigentümlicherweise die Mannschaft auch noch den Faden. So kam es, dass Ghana dann in der 54. und in der 63. Minute einschlug und sogar in Führung ging, auch beflügelt durch Unzulänglichkeiten in der deutschen Abwehr, als Shkodran Mustafi, der im ersten Spiel noch so sehr überzeugte, einfach Ayew machen ließ.

Glücklicherweise brachte der eingewechselte Miroslaw Klose Deutschland wieder zurück ins Spiel und konnte sogar wieder seinen weltbekannten Torjubel bringen. Was dann folgte, war ein Offensiv-Fight mit heruntergelassenem Visier. Da hat niemand darauf gesetzt, das zu dem Zeitpunkt stehende Remis über die Zeit zu retten. Aber ein entscheidendes Tor fiel dann nicht mehr.

Ich denke, die „Black Stars“ aus Ghana wurden ein Stückchen unterschätzt. Man hat wohl nicht damit gerechnet, dass sie derart stark sind. Und man fand keine Mittel, um das Spiel entscheidend zu dominieren. Das war zwar ein ziemliches Spektakel für alle Zuschauer, aber brachte das DFB-Team nicht in die Situation, nun gegen die USA kein „Endspiel“ zu haben. Denn das wollte man eigentlich vermeiden.

Die stärksten Spieler der deutschen Mannschaft waren in meinen Augen Manuel Neuer, Sami Khedira, Jerome Boateng und Thomas Müller. Wenig überzeugt hatten in dem Spiel Özil, Lahm und Mustafi. Und gegen die „US-Boys“ hat man nun die Ausgangslage, einen wirklichen Kampf durchziehen zu müssen. Und das wollte das Team um Jogi Löw eigentlich vermeiden.

Ist jetzt alles vorbei? Darf man abwinken beim Gedanken an das DFB-Team? Nein, keineswegs. Ghana sollte man nie unterschätzen. Das ist die eine Erkenntnis des Spiels. Und die andere ist, dass man gegen vermeintlich „kleinere“ Teams durchaus auf Kraft statt auf Schönheit setzen darf. Insofern lautet mein Fazit: Wäre die Mannschaft verändert aufgetreten – statt Özil meinetwegen Podolski und statt Lahm auf der „6“ Schweinsteiger – das Spiel wäre deutlich anders gewesen.

Aber man hat weiterhin alles in eigener Hand. Der ungebändigte Siegeswille und die Kampfkraft ab dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit haben gezeigt, wozu die Deutschen in der Lage sind. Ich bin kein ausgewiesener Fußball-Experte. Aber das Spiel war nichts für Techniker, da war Kampf angesagt, weshalb ich da Özil nicht richtig aufgestellt sah. Aber das kann gegen die USA wieder völlig anders sein, weshalb Deutschland die Gruppe als Gruppenerster beenden wird.

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