Fußballchaos in der Gründungsstadt des DfB

Und wieder lasse ich mich zu einem Artikel über den Leipziger Fußball hinreißen. Es ist sagenhaft, was in der Gründungsstadt des Deutschen Fußballbundes passiert. Das Chaos wird durch folgende Akteure getrieben: Lok Leipzig, RB Leipzig, BSG Chemie Leipzig, Sachsen Leipzig und einem ominösen Verein namens Sportgemeinschaft Leipzig-Leutzsch.

Ich bin ja immernoch der Meinung, dass diese Stadt großes Verlangen nach Spitzenfußball hat, der sich mindestens in der zweiten Fußball-Bunfesliga zuträgt. Aber was da derzeit passiert, kann man nicht glauben.

Die Kicker des RB Leipzig haben den fest eingeplanten Durchmarsch von 5. Liga nach 3. Liga verpasst, schon lassen sich nicht mehr allzu viele Fans im Stadion blicken. Wahrscheinlich wird in der Sommerpause die halbe Mannschaft rausgeschmissen, damit der Plan, innerhalb von 8 – 10 Jahren ab 2009 in der 1. Bundesliga zu spielen, zumindest noch halbwegs haltbar ist. Stetigkeit sieht irgendwie anders aus.

Der FC Sachsen Leipzig pustet seine spärliche Beleuchtung aus, weil die angeblich eingeschworene Fangemeinschaft weder ins Stadion gekommen ist (oberhalb 1000 Zuschauer wäre das Stadion finanzierbar gewesen, aber nur 700 – 800 sind durchschnittlich erschienen) noch Mitgliedsbeiträge gezahlt hat, weil sich der Verein nie seiner Ultras entledigt hat, die mehr Zuschauer verschreckt als angelockt haben und Sponsoren haben abspringen lassen und weil das Stadion eine glatte Ruine ist, bei der man frühzeitige Renovierungsmaßnahmen verschlafen hat. Von dem Verein wird sich Leipzig also verabschieden. Schon streiten sich gleich zwei Nachfolgervereine um das Erbe.

Da ist einmal die Ballsportgemeinschaft Chemie. Dieser Verein spielt irgendwo im Nirgendwo und zieht laut Medien politisch orientierte Fans magisch an. Diesem Verein wurde die Erbschaft des FC Sachsen angeboten. Er lehnte die Mannschaften und den Startplatz in der NOFV-Oberliga Süd ab, pocht aber auf das marode Stadion Alfred-Kunze-Sportpark.

Andererseits gibt es seit ein paar Tagen einen höchst fragwürdigen Verein namens Sportgemeinschaft Leipzig-Leutzsch. Dieser versteht sich als Hort für Jugendmannschaften. Medienberichten zufolge soll dieser aber auch die 1. Mannschaft des FC Sachsen und das Stadion übernehmen. Wenn man den Gerüchten glauben kann, sind im Vorstand dieses Vereins ehemalige „Verdiente“ vom FC Sachsen zusammengekommen und haben Sponsoren gepflückt, als wären diese reife Früchte. Ist dies so, könnte dieser Verein sogar etwas schaffen, wenn da nicht die Leutzscher „Blutlinie“ wäre: Früher gab es bereits schon eine SG Leipzig-Leutzsch, aus der die BSG Chemie Leipzig wurde, die sich nach der Wende FC Sachsen Leipzig nannte. Also alles eine große Suppe. Und da soll einer durchblicken?

Wir haben natürlich noch den 1. FC Lokomotive Leipzig. Der hat sein spezielles Problem. Irgendwie hat es dieser Verein, mit dem ich vor dem Chaos der letzten 20 Jahre aufgewachsen bin, geschafft, Spieler, Fans und Vorstandsmitglieder zu vertreiben. Erst trat „Vereinsvater“ Steffen Kubald zurück, dann traten einige Spieler zurück (laut Medienberichten), verschiedene Fans kommen nicht mehr zu Heimspielen und nun trat der Aufsichsratsvorsitzende zurück. Mittendrin sitzt die Schatzmeisterin Palhorn wie eine Krake. An ihr machen die verbliebenen Fans die Gründe für diese Entwicklung aus.

Sei es, wie es sei, Leipzig wird mit solchen Vereinen noch lange Zeit auf Spitzenfußball warten müssen. Ich bin gespannt, wie die einzelnen Geschichten weitergehen. Die größten Chancen auf hochklassigen Fußball sehe ich weiterhin bei RB Leipzig, nicht zuletzt wegen des finanziellen Engagements von Red Bull. Aber auch hier tickt eine Zeitbombe. Was, wenn nächste Saison wieder der Aufstieg nicht klappt? Sind dann alle Planungen obsolet? Was, wenn sich die anderen genannten Vereine weiter selbst zerfleischen und gegen den RB Leipzig marodieren, statt vernünftig Fußball zu spielen? Erklärt der DfB dann Leipzig zum weißen Fleck auf der Landkarte?

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