HSV – Der Dino bleibt der Bundesliga erhalten

Es hätte gestern niemanden gewundert, wenn der HSV abgestiegen wäre. Es hätte sich niemand nach Gründen gefragt, die für den Abstieg gesorgt hätten. Nur haarscharf haben die Blauen mit der Raute noch die Kurve bekommen. Wird nun alles wieder gut?

Nein, ich werde nicht nachtreten, denn der HSV hat mir – so lang ich mich für Fußball interessiere, und das ist schon eine lange Zeit der Fall – immer wesentlich besser zugesagt als ein Verein wie der FC Bayern München. Ich kann es nicht so genau sagen, woher das kommt, wahrscheinlich liegt es an der schon in den Achtzigern gefühlten Haute-Volée der Roten von der Isar. Und das Gefühl hat sich bis heute gehalten. Da mag nicht viel dran sein, ich weiß. Aber der HSV war mir jedenfalls immer sympathischer.

Nun war es aber so, dass die große Zeit des HSV doch schon ein Stückchen her ist. Das ist so wie in Leipzig bei Lok Leipzig, wo man immer wieder von „Hach, wisst ihr noch…“ fabuliert. Das ist alles der berühmte Schnee von gestern. Die letzten Jahre war der HSV wohl eher nur Mittelmaß. Und es wurden immer wieder gravierendste Fehler begangen, wenn man so den Fußball-Experten zuhört. Das führte dann in der nun abgelaufenen Saison dazu, dass der einst so ruhmreiche HSV gegen den Abstieg spielte.

Trainer wurden verschlissen, Spielsysteme über den Haufen geworfen, Luftnummern geplant. Und schließlich landeten die Hamburger auf einem Relegationsplatz. Das erste Mal seit dem Bestehen der Bundesliga war nun der „Dino“ vom Abstieg bedroht. Die Vereinsvorderen übten sich aber weiter darin zu verkünden, dass doch lange nicht alles schlecht war, was da passiert ist. Es nahm ihnen nur kaum noch jemand ab.

Gestern hieß es im Vorfeld des Relegationsrückspiels gegen die SpVgg Greuther Fürth, dass der HSV eigentlich absteigen muss. Das würde dem Verein dann die Chance geben, sich neu zu erfinden. Man verglich den HSV dabei mit dem 1. FC Köln. Die haben im Rheinland nämlich ihren Laden offensichtlich in Ordnung gebracht. In Hamburg, so hieß es gestern, würde man stattdessen weiter wurschteln, würde der HSV in der Bundesliga bleiben. Denn, so hieß es in der Argumentation weiter, dann würde weiterhin die Einsicht fehlen, dass das sportliche Ergebnis am Ende der Saison mit einem falsch arbeitenden Management seit Beginn der gleichen Saison in Verbindung steht.

Nun ist es anders gekommen. Gestern habe ich das Spiel gesehen. Am Donnerstag leider nicht. Beide Mannschaften waren sich ebenbürtig. Es war lange Zeit nicht auszumachen, wer Erstliga- und wer Zweitliga-Verein ist. Insofern geht das Unentschieden völlig in Ordnung. Dumm nur für die Zukunft des HSV, dass die Mannschaft als Auswärtsteam bei zwei Unentschieden ein Auswärtstor mehr erzielt haben und deshalb im Oberhaus bleiben dürfen.

Ist nun alles wieder gut? Ich glaube nicht. Die Baustellen sind ja noch die gleichen wie vor dem Spiel. Ich würde es dem Verein wünschen, wenn sie wie der 1. FC Köln ihren Laden in Ordnung bringen würden. Allerdings, wenn man so den Berichten folgt, fehlt vielen Beobachtern schlicht der Glaube daran. Das ist schade. Aber wahrscheinlich muss erst jemand den Verein und die ganzen Pläne an die Wand fahren, bevor man in der Raute aufwacht.

Auf Twitter wird der Verein schon länger verhöhnt. Die Medien ließen auch kein gutes Haar am Club. Der einstige Sympathieträger der Bundesliga hat so ziemlich alles an eben jener Sympathie eingebüßt. Und das – soweit ich das anhand von Berichten überblicke – durch hausgemachte Probleme und die fehlende Einsicht, an der Situation ernsthaft etwas zu ändern. So wird man wohl weiter wurschteln, wie es Mario Basler gestern formulierte. So wird der Dino wohl irgendwann doch mal eine harte Zäsur durchmachen müssen. Es sei denn, man wacht in der Hamburger „Vorstadt“ endlich auf.

Bildquelle: Logo des Hamburger Sportvereins – See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

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