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Leipzig, dein Fußball ist auch im Sommerloch eine Schlagzeile

In anderen Städten dieser Welt hört man in diesen Wochen herzlich wenig von den dortigen Fußballvereinen. Warum? Sie weilen im Urlaub, die Herrschaften, die sonst die Rasen umpflügen, um Punkte zu sammeln. In Leipzig ist dies – wie könnte es anders sein – etwas anders.

In dieser Geschichte geht es um einige Vereine, die sich gegenseitig das Leben schwer machen, einen Verein, der von den anderen so gar nicht gemocht wird, einen sich auflösenden Verein und jede Menge Farbenspiele.

Wie ich schon häufiger schrieb, gibt es in Leipzig so genannte Traditionsvereine und einen ohne große Tradition. Erstgenannte tragen die Farben grün-weiß und blau-gelb, letzterer die Farbe rot-weiß.

Grün-weiß war bis 1990 ein Verein, der “Betriebssportgemeinschaft Chemie Leipzig” hieß. Dieser Verein wurde flugs nach der Wende aufgelöst und neu gegründet. Fortan gab es einen Verein “FC Sachsen Leipzig 1990”. Dieser Verein war in der 21-jährigen Geschichte mehrmals zahlungsunfähig und wird am 30.06.2011 aus dem Vereinsregister gelöscht. Hört damit grün-weißer Fußball in Leipzig auf?

Mitnichten. Gleich zwei Vereine schicken sich an, den FC Sachsen zu beerben und berufen sich auf die Tradition der bereits genannten Betriebssportgemeinschaft Chemie Leipzig.

Da haben wir einmal eine Ballsportgemeinschaft Chemie Leipzig, die sich 1997 gegründet hatte. Nach größerem Hickhack wechselte 2007 / 2008 u.a. die größte Ultras-Gruppierung mit zu Chemie, und in der folgenden Saison wurde der Spielbetrieb aufgenommen. In diesem Sommer vereinigte man sich mit dem Leipziger Verein VfK Blau-Weiß Leipzig und spielt nun einige Ligen höher in der Landesliga.

Als das Urteil fiel, den FC Sachsen dicht zu machen, gründeten einige “Macher” eine “Sportgemeinschaft Leipzig-Leutzsch”. Wer in der Wikipedia liest, wird feststellen, dass dies auch einer der früheren Namen des FC Sachsen war. Dieser Verein wird auch – wie die Ballsportgemeinschaft – in der Landesliga auflaufen. Sponsoren sind wohl genügend da. Und einige ehemalige FC Sachsen-Verantwortliche auch.

Dieses Tohuwabohu im grün-weißen Fußballs Leipzig beschäftigt Foren und Blogs in und um Leipzig. Wahrscheinlich wird es noch etliche Scharmützel untereinander geben. Dabei möchte man eigentlich auf der Fanseite nur eins: einen gemeinsamen grün-weißen Fußballverein. Ich persönlich glaube, dass man sich hier selbst lächerlich macht, es unterm Strich nur Verlierer gibt und am Ende vielleicht gar kein grün-weißer Verein überlebt.

Kommen wir zu blau-gelbem Fußball. Der Verein heißt 1. FC Lokomotive Leipzig. Dieser Verein wurde im Dezember 2003 neu gegründet, nachdem sein Vorgängerverein, der VfB Leipzig, insolvent ging. Die Geschichte heißt hier:

Nach der Wende wurde sofort aus dem damaligen 1. FC Lokomotive Leipzig der historische Verein VfB Leipzig gemacht. Man warb mit “erster deutscher Fußballmeister”. Natürlich ging dies nicht gut. Nachdem die Lorbeeren komplett verbraten waren und der Verein am Ende war, beschloss man eine Neugründung.

Gründungsvater Steffen Kubald peitschte den Verein aus dem Niemandsland 11. Liga durch Bündnisse und Fusionen bis in die 5. Liga nach oben. Dabei wurde wenig Rücksicht auf eine eventuelle Außenwirkung des Vereins genommen. Wie sonst hätten sich dort Hooligans und sonstige gewaltbereite Leute tummeln können? Die Geschicke hält bei diesem Verein der Nürnberger Gaslieferant Goldgas in der Hand.

Und dem Verein kommen derzeit einige Spieler und Vorstände abhanden. Dies bringt mich auf die Idee, dass bei diesem Verein noch lange nichts entschieden ist, ob er in ruhiges Fahrwasser kommt. Ich hoffe es, aber glauben kann ich es nicht. Und Gerüchten zufolge scheint auch hier die Finanzlage nicht völlig entspannt zu sein. So lang die Gewaltfragen und die Finanzlage nicht völlig geklärt sind, droht dieser Verein, wieder zu versanden.

Das dritte Mitglied im Bunde ist der Stadt liebstes Kind, RB Leipzig. Eine solide Finanzlage durch Großinvestor Red Bull bringt Begehrlichkeiten mit sich. So möchte man unbedingt aufsteigen. Momentan spielt man in Liga 4 und hat sich für weitere Aufstiege gerüstet. So ist u.a. in der Winterpause Tiago Rockenbach gekommen und bis jetzt hat man sich u.a. mit Pekka Lagerblom verstärkt. Auf die Weide geführt werden die Bullen durch Österreichs Obergrantler, Peter Pacult.

Das Potential ist sicher da, weiter aufzusteigen und Leipzig endlich Bundesliga-Fußball wieder zu bringen.Was aber passiert, wenn die Ziele nicht erreicht werden? Schmeißt Red Bull hin? Wenn ja, ist RB Leipzig sofort am Ende.

In Foren kommt es derzeit zu einem regelrechten Kleinkrieg zwischen den einzelnen Gruppierungen. Das Thema Fußball spielt dort derzeit eine völlig untergeordnete Rolle. Ich vermute, das ist aber nur eine reine Vermutung, dass es RB Leipzig noch ein ganzes Stück bringen wird, wenn Red Bull mit zieht, und vom 1. FC Lokomotive verfolgt wird. Grün-weiß wird in Leipzig lange Zeit aus sportlicher Sicht nur eine recht untergeordnete Rolle spielen.

Es wurde auch schon angeregt, grün-weiß und blau-gelb “als Gegenwehr zum Kommerzfußball” zu vereinigen. Aus zwei Krüppeln wird leider kein Leistungssportler, weshalb ich wenig bis gar keinen Erfolg in einem solchen Konstrukt sehen kann. So lang bei beiden das Umfeld und die Innenverhältnisse nicht stimmen, wird der RB Leipzig in Leipzig die Nase vorn haben. Und außerdem: Welche Farben hätte ein solcher fusionierter Verein? Türkis-hellgelb? Nicht auszudenken.

 

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 thoughts to “Leipzig, dein Fußball ist auch im Sommerloch eine Schlagzeile”

  1. Ich versuche mal ganz sachlich zu berichtigen.

    1. “Gründungsvater Steffen Kubald peitschte den Verein aus dem Niemandsland 11. Liga durch Bündnisse und Fusionen bis in die 5. Liga nach oben.”

    Nach der Neugründung des Vereins als 1. FC Lokomotive Leipzig e.V wurde der Spielbetrieb in der 11. Liga (3. Kreisklasse) aufgenommen. Durch eine Fusion mit einem Torgauer Verein und vier Aufstiegen spielt man nun die vierte Saison in der 5. Liga (Oberliga)

    2. “Dabei wurde wenig Rücksicht auf eine eventuelle Außenwirkung des Vereins genommen. Wie sonst hätten sich dort Hooligans und sonstige gewaltbereite Leute tummeln können?”

    Korrekt, es hat in der kurzen Geschichte des Vereins diverse Vorkommnisse gegeben, die kein gutes Licht auf den Verein und seine Mitglieder geworfen hat. Man sollte allerdings irgendwann auch mal zur Kenntnis nehmen, dass der Verein sich inzwischen in einer Vehemenz gegen jedwede Vereinnahmung gewehrt hat und sich wehrt, wie das in anderen Vereinen beweiten nicht der Fall ist. Das hat uns auch Zuschauer gekostet, um so mehr sollte man diese Anstrengungen honorieren. Bei uns tummelt sich, wie anders wo auch, der Querschnitt der Bevölkerung, nicht mehr und nicht weniger.

    3 “Die Geschicke hält bei diesem Verein der Nürnberger Gaslieferant Goldgas in der Hand.”

    Falsch und hier möchte ich fast Vorsatz unterstellen. Die Geschicke unseres Vereins werden durch das Präsidium geleitet, dem zur Hand und Kontrolle steht ein Aufsichtsrat und alle diese Damen und Herren haben aller zwei Jahre vor der MV Rechenschaft abzulegen. Goldgas ist der Haupt- und Brustsponsor unseres Vereins und wir sind sehr froh einen solchen überregionalen Sponsor zu haben, was keine Selbstverständlichkeit in diesen Ligen ist. Weil dies so ist, haben die Mitglieder des Vereins Herrn Notzon ins Präsium gewählt, wo er wiederum durch die Präsidiumsmitgleider zum Präsidenten gewählt wurde. Daraus ergibt sich Verantwortung und natürlich erhofft man sich daraus auch eine enge Bindung zum Verein. Der übrigens nicht Goldgas Leipzig heißt und auch weiterhin in Blau-Gelb spielt.

    4. Und dem Verein kommen derzeit einige Spieler und Vorstände abhanden.

    Mhh, Spieler abhanden (nach jeder Saison gibt es kommen und gehen oder war die Lichtgestallt Backhaus gemeint (ein Kommentar erübrigt sich dann)
    Im Präsidium und AR hat es ein reinigendes Gewitter gegeben, es ist der Übergang von der alten Führungsrige aus der Neugründungszeit zu einer breiter aufgestellten und professioneller arbeitenden Mannschaft. Im konkreten Fall (Weißgerber, Pahlhorn – mehr Rücktritte gab es ja nicht) gab es einen konkreten Anlass zu Meinungsverschiedenheiten, das hat den Einen bewogen aufzuhören (ist ja ein Ehrenamt) und auf ganz böse Anrufe hin die Andere es diesem gleichzutun (mein ganz persönliche Meinung- letzteres ist ein großer Verlust)
    Der Unterschied besteht aber darin, dass dies bei uns seit 2004 die ersten Wechsel an entscheidender Stelle sind, hier wird nicht permanent ausgetauscht und schon gar nicht, weil irgendwer in Nürnberg das gern so hätte.

    5. “Und Gerüchten zufolge scheint auch hier die Finanzlage nicht völlig entspannt zu sein.”

    Das ist so naiv, dumm, vorsätzlich ?
    Ich glaube, mal abgesehen von RB gibt es wohl keinen ostdeutschen Verein, der eine entspannte Finanzlage hat. Einerseits möchte ich anmerken, dass es bis zur Saison 2009/2010 bei Lok einen positiven Jahresabschluss gegeben hat, das ist der Verdienst von Vielen der Respekt verdient hat.
    In der zurückliegenden Saison ist dies nur gelungen, weil mit Goldgas ein sehr potenter Sponsor gefunden werden konnte. Und für die laufende Saison wird der Spagat zwischen Risiko und Chance enorm werden. Durch die Regionalligareform steigen bis zu vier Mannschaften auf, eine Chance die nicht wieder kommt. Aber nicht alle, die ihre Planung darauf ausrichten werden es schaffen und am Ende die Mehrkosten stemmen müssen.

    6. “So lang die Gewaltfragen und die Finanzlage nicht völlig geklärt sind, droht dieser Verein, wieder zu versanden.”

    Wer nicht sehen will, wird nichts erkennen. Wer so oberflächlich schnell mal ein paar Sätze dahin schreibt, der kann oder will nicht verstehen, was hinter Vereinsarbeit steckt. Wer Fußball wie Kino behandelt, wird Leidenschaft nie erleben.

    Unser Weg ist stetig, wir spielen Fußball für Leipzig
    1. FC Lokomotive Leipzig e.V.

  2. Ich lass den Kommentar von “Wassindschonnamen” unkommentiert stehen, obwohl mir viel hierzu einfallen würde.
    Nur so viel: Ein Blog dient nicht dazu, eine vollständige Chronik in einem Artikel zu verarbeiten, weshalb hier und einiges verkürzt gebracht wird. Es handelt sich ferner um meine Meinung, und ob dieser Meinung möchte ich nicht mit Attributen wie der Kommentator schrieb belegt werden.
    Vielleicht wird ja eine Diskussion entfacht. Wer weiß…

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