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„Licht aus!“ bei der SG Sachsen Leipzig

Die Freude hielt nicht lange, dass man einen angeblichen Nachfolger für den verblichenen FC Sachsen Leipzig 1990 e.V. gefunden hatte. Dieser nannte sich erst SG Leipzig-Leutzsch und dann SG Sachsen Leipzig. Die Meinung, sie wären die rechtmäßigen Nachfolger des „Schnellbootes in die Bundesliga“ hatten die Leute bei der SG aber nicht exklusiv. Auch die bereits 1997 (oder so) gegründete BallSG Chemie Leipzig beansprucht für sich, in direkter Ahnenfolge zu stehen.

So waren die Zeichen für die SG Sachsen Leipzig nie sonderlich gut. Heute gehen die Verantwortlichen den schweren Gang zum Insolvenzgericht. Ja, „Licht aus!“ ist ein sehr ketzerischer Titel, denn trotz Insolvenz kann es immer weiter gehen. Allerdings sieht das bei der SG anders aus als bei anderen Insolvenzen.

Die SG Sachsen Leipzig wurde vor knapp 3 Jahren gegründet. Und zwar als SG Leipzig-Leutzsch. Sie sollte den endgültig insolventen und in Auflösung stehenden FC Sachsen Leipzig beerben. Ruhmreiche Erfolge wollte man feiern. Und das im Alfred-Kunze-Sportpark, der schon seit vielen Jahren mehr oder minder baufällig ist. Vor ziemlich genau 1 Jahr beschloss die Mitgliederversammlung die Umbenennung in den nun bekannten Namen. Gespielt wurde und wird in der 6. Spielklasse, der „Wernesgrüner Sachsenliga“. Irgendwo im Nirgendwo.

Dass es nie besonders gut stand um den jungen Verein, bei dem man lange nicht wusste, wie dieser einzuschätzen ist, war den allermeisten Beobachtern klar. Es kam dann auch zu Gemauschel mit dem Untermieter des Stadions, dem Bezirksligisten BSG Chemie Leipzig. Hier wurden Unterlagen nicht korrekt vorgelegt, dort wurden Zahlungen nicht korrekt geleistet. Hin und her, immer wieder Chaos. Und dann musste man gestern dies lesen:

Wir bedanken uns bei allen Fans und Mitgliedern für die Unterstützung,

in tiefster Trauer der Vorstand des SG Sachsen Leipzig

Gerade die zweite Zeile (oder im Originaltext die letzte Zeile) sagt doch eigentlich aus, dass es für die SG eben nicht weitergeht. Nicht wie bei anderen insolventen Leuten oder Organisationen. Die Leipziger Internetzeitung konstatierte dazu die Ansicht des neuen Vorstandes:

Der Überblick ist längst verloren, der Verein am Abgrund.

Wie auch die Zeitung muss auch ich feststellen, dass die Tradition der Unübersichtlichkeit nahtlos fortgesetzt wurde. Und ich muss auch feststellen, dass die SG Sachsen Leipzig mit dem heutigen Tag tatsächlich in guter Tradition zum FC Sachsen Leipzig steht. Auch damals gab es Insolvenzen. Als ob das Wissen um den Umgang mit Vereinsgeld an der Leutzscher Stadtteilgrenze auf einmal aufhört. Ich verstehe das nicht.

Wie geht es nun weiter? Die einzige Chance für Spieler und Fans ist wohl die BSG Chemie Leipzig. Aber die spielen nicht in der 6. Liga, sondern in der 7. Liga. Dort stehen sie auf einem 2. Tabellenplatz, den Aufstieg irgendwie noch in Griffweite. Sollte dieser nicht klappen, könnte man ja den Startplatz der SG Sachsen Leipzig für die kommende Saison übernehmen. Oder so. Gehen soll das wohl, Lok Leipzig hat das auch schon gemacht.

Aber trotzdem ist ja noch gar nicht raus, wo Chemie spielen kann. Denn die „Chemiker“ sind nur Untermieter im Sportpark. Der Hauptmieter ist pleite. Die Stadt muss nun dafür Sorge tragen, dass wenigstens ein Verein dort weiter spielen kann. Und ehrlich, da habe ich immer nur die BSG Chemie Leipzig gesehen.

Der neue SG-Vorstand, Fred Krabbes (etwa 1 Monat im Amt), wird im Sportbuzzer der LVZ mit den Worten zitiert, dass der Verein unbedingt erhalten bleiben. Außerdem sei man um ein besseres Verhältnis zur BSG Chemie Leipzig bemüht. Allerdings fehlt mir da irgendwie die zündende Idee, wie es denn aufwärts gehen soll. Denn es fehlt ja jegliche Möglichkeit, wie die finanzielle Situation einzuschätzen ist. Weil angeblich Unterlagen fehlen.

Nee, Leute, das glaubt doch niemand. Hier wurde schlichtweg 3 Jahre lang ein Luftschloss gebaut, das nun zusammenbrach. Der FC Sachsen Leipzig hatte schon kein Geld, weshalb man aufgab. Und ein neu gegründeter Verein soll dann ausgerechnet Geld auftreiben können? Ich erinnere mich, dass man den alten Vorstand, Jamal Engel, immer wieder beschrieb, dass er bei Fragen über die wirtschaftliche Substanz immer wieder nach Ausflüchten suchte. Und nun hat der neue Vorstand einfach mal nicht alles gewusst? Niemals. Sorry.

Man hätte die BSG Chemie Leipzig einfach in Ruhe weitermachen lassen sollen. Vielleicht wäre irgendwann mal etwas in der Art von Professionalität herausgekommen. Ein Störfeuer in Form von der SG hat die BSG wahrscheinlich um Jahre zurückgeworfen. Da ist schon nicht viel Substanz, und die haben Jamal Engel und Co. mit der SG Sachsen Leipzig auch noch zerstört.

Wie mir scheint, ist wohl kein Vereinsfußball in Leipzig-Leutzsch mehr möglich. Und wenn, dann wahrscheinlich nur mit der BSG Chemie Leipzig. Oder warum nicht mit dem „TuS Leutzsch“? Der spielt auch Bezirksklasse. Warum nicht mal außerhalb des alten Chemie-Gebildes denken? Aber bezüglich der SG Sachsen Leipzig werden sicher viele sagen: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

4 thoughts to “„Licht aus!“ bei der SG Sachsen Leipzig”

  1. Sorry, Herr Uhle aber ich denke das Sie sich nicht so recht im Leutzscher Fussball auskennen, was ich mal von mir behaupten kann, ich gehe oder ging über 4 Jahrzehnte nach Leutzsch.
    Meine Frage an Sie: Finden Sie es schön wenn Fans Ihre eigene Mannschaft verraten um Ihre eigenen Interressen zu vertreten?
    Gehört Politik ins Stadion,zumal noch in Leipzig? Jahrelang standen Leutzscher nebeneinander und hielten zusammen, heute ist es soweit,das linksradikale der BallSG,Fans des SG Sachsen Leipzig
    bei der der Meisterfeier den Zutritt in den AKS verweigern und Sie als Nazis zu betiteln….BALLA,BALLA SG wie tief bist du gesunken…

    Mit freundlichen Grüßen

    Uwe Scharf

    Mit freundlichen Grüßen

    Uwe Scharf

    1. Hallo Herr Scharf, wenn Sie sich hier im Blog umgucken, dann war weder der Leutzscher noch der Probstheidaer Fußball in den letzten Jahren mein Herzblut wert. Im Leipziger Südosten den Umständen geschuldet. In Leutzsch habe ich schlichtweg den Überblick verloren.

      Wie Sie schon sagen, standen jahrzehntelang die Fans hinter einem Verein. Und dann kriegen die es in den Schädel und zünden einen neuen Verein mit altem Namen. Und ganz plötzlich vertritt jeder seine eigenen Animositäten. Nur so kommt so etwas zustande.

      Nein, Sie haben Recht, ich bin kein Experte in Sachen Fußball in Leipzig-Leutzsch. Aber ich beobachte immer. Und was ich so in Leutzsch beobachte, ist einfach nur chaotisch. Dabei wäre es vor Jahren so einfach gewesen. Man hätte ein gesundes Konkurrenzgefüge zwischen Lok und FC Sachsen haben können. Stattdessen haben die einen jahrelang durch Pleiten und Hooligans und die anderen durch Pleiten und Chaos geglänzt. So wird das nichts.

      Und nebenbei gesagt: Das sind die beiden Gründe, warum es einen RB Leipzig hier gibt. Und mit Verlaub, das ist derzeit das Einzige, woran man das bisschen noch vorhandene Herzblut, was man als Leipziger und Fußballfan noch haben kann, investieren kann.

    2. Scharfi,alter Kämpfer ! Hier ist Brause aus Möckern . Komm nach Leutzsch: 30.7.17 / Chemie Leipzig-Lok Leipzig,so wie früher ! Vergiß die Politik im Stadion,hier halten sich die allermeisten dran ! Und die Sorglosen-Fahne hängt auch wieder.“Es wächst zusammen,was zusammen gehört“ (Willi Brandt) . Diese ewigen Pleiten und Teilungen in Leutzsch waren doch zum Kotzen ! Vergiß die Leute,die konvertiert sind zu RB, alles Kinderkacke ! Es geht wieder voran ! Gemeinsam gegen L O K !

  2. Vielen Dank für Ihre E_Mail, hat mich gefreut von Ihnen zu hören.

    Bis auf den letzten Satz haben Sie zu 80-90% völlig recht.

    Werde mich noch einmal melden, würde das gern ein wenig ausdiskutieren. Muss dazu sagen bin 1988 gen Westen gegangen, war aber danach noch bei fast allen Spielen des FC Sachsen Home and Away.

    MFG Uwe Scharf

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