Skip to main content

Lieber RB Leipzig oder lieber eine insolvente Tradition?

Was wird nicht immer über den RB Leipzig geschimpft! Konservenverein, Dosenbude, Brausekicker… Die Liste ist endlos. Aber es gibt etwas, das niemand von der Hand weisen kann: Es ist für einen Fußballverein immer förderlich, finanziell unbesorgt zu spielen. Das sieht man eben auch beim Sportsender SPORT1.

Dienstags überträgt SPORT1 immer ein Spiel der Regionalligen. Meistens ist da irgendein Spiel der Regionalliga West auf dem Plan. Und heute ist es wieder soweit. Und was hört man denn da?

Da wird von „großen Namen des deutschen Fußballs“ gesprochen. Aber wir sind doch in der 4. Liga. Welche großen Namen denn? Aber in der Tat haben wir die viel beschworenen Namen: Der KFC Uerdingen spielt gegen Alemannia Aachen.

Gut, Alemannia Aachen dürfte den meisten etwas sagen, ist es doch gerade 6 Jahre her, dass die Schwarzgelben aus Nordrhein-Westfalen in der Bundesliga gespielt haben. Hoch gefeiert wurden sie. Ich weiß das noch. Im Jahr zuvor haben sie die 2. Bundesliga haushoch dominiert. Aber der Zauber hielt nur 1 Saison, danach kam es zum Absturz.

Beim KFC Uerdingen ist das schon schwieriger. Erstens ist das bei dem Verein länger her, dass der Verein bundesweit ein großer Name war. Und zweitens hieß der Verein damals noch anders. Nämlich Bayer Uerdingen. Bayer hatte sich aber aus dem Verein entfernt, und der Verein durfte dann auch den Namen nicht mehr tragen. Langsam verschwand der Verein von der Bildfläche.

Was beide Vereine verbindet: Ja, es sind Traditionsvereine. Sie gehören zu den alten Vereinen Deutschlands. Und beide Vereine haben wahre Trutzburgen als Stadien: Die einen die Grotenburg in Krefeld, die anderen den Tivoli in Aachen. Beide Vereine haben legendäre Spiele – auch europaweit – gespielt. Und beide Vereine sind mindestens einmal insolvent gegangen. Der KFC gar drei mal nacheinander.

Ach ja, es gibt noch eine weitere Parallele. Und die verbindet die beiden Vereine mit Deutschlands Hassclub Nummer 1, nämlich mit dem RB Leipzig: Bei allen drei Vereinen steht ein großer Name dahinter. Bei der Alemannia ist es die Versandapotheke Doc Morris, beim KFC ist es Lasik, der sowohl Investor, als auch Hauptsponsor und Trikot- und Bandensponsor ist, und beim RB Leipzig ist es bekanntermaßen Red Bull.

Was unterscheidet die drei Vereine? Beim RB Leipzig drücken keine finanziellen Sorgen. Aber genannter Lasik hat bei SPORT1 zugegeben, dass der KFC Uerdingen ohne sein Engagement nicht lebensfähig ist. Und Aachen ist erst kürzlich in die Insolvenz marschiert. Und der zweite große Unterschied ist: Der RB Leipzig ist wesentlich jünger. Kritiker behaupten, dass der Verein weder Fans noch Geschichte hat.

Letzteres kann ja noch gar nicht vorhanden sein, Fans hat der Verein aber zu Genüge. Und mal ehrlich: Wenn man nicht ständig Sorge haben muss, ob es den Verein in der nächsten Saison noch gibt, lebt es sich deutlich entspannter.

Wenn ich die Interview-Partner beim SPORT1 Livespiel so sehe, klingt das alles wie Bettel-Arien. Eine Vereinsinsolvenz, das wissen wir in Leipzig zu Genüge, hat viel mit Management-Fehlern zu tun. Und wenn sich jetzt Verantwortliche der beiden Vereine hinstellen und erzählen, wie schwer es die Vereine haben, sage ich nur:

Man hat RB Leipzig als Kunstprodukt verteufelt. Aber dort kann sauber gearbeitet werden. Und man wird so schnell nicht vor dem Nichts stehen wie Aachen, Krefeld, Duisburg, Lok Leipzig, Sachsen Leipzig und so viele andere Vereine auch. Ich frage mich da die ganze Zeit immer wieder, worüber man sich da aufregt. Aachen und Krefeld spielen gegen den Abstieg in die 5. Liga, RB Leipzig um den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Was sieht denn da – so rein objektiv – besser aus?

Bildquelle: Altes Logo von RB Leipzig – (C) RB Leipzig e.V.

Verteilen Sie diese Erkenntnis doch einfach wie 0 andere auch

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 thoughts to “Lieber RB Leipzig oder lieber eine insolvente Tradition?”

  1. Wenn sich Geld und Verein guten Nacht sagen.

    Vereine mit Tradition, sind nicht selten eher bürgerlich, und Vereine ohne aber dennoch Groß sind meist private Vereine des Geldes.
    Es gibt (vor allem im Westen) mittlerweile auch Traditionsvereine des Geldes.
    Da gibt es aufgekaufte Traditionsvereine und privat aufgestellte Vereinendes Geldes.

    Dahinter stehen oft machtgeile, profilsüchtige Leute mit viel Geld, die nicht wissen womit dahin. Statt als Sponsor für einen Verein aufzutreten, wird lieber ein eigener gegründet oder ein Traditionsverein gekauft.

    Grund: man will ja Macht ausüben. Als Sponsor aber hat man kaum Macht.

    Auch in Halle war das so mit einem Privatverein VL96 gegen den Traditionsverein HFC.
    Hier hat Gott sei Dank Tradition gesiegt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.