Lok Leipzig: Der Frieden, den ich gemacht habe

Jaja, ich bin zu früh. Lok Leipzig hat heute die Chance, mal wieder Regionalliga-Meister zu werden. Aber ich will auf etwas anderes hinaus. Ich muss nämlich mal ein paar Worte darüber verlieren, wie ich nun zu dem blaugelben Club aus dem Leipziger Südosten stehe. Ich muss nämlich ehrlich sagen, dass es dann eben auch mal genug ist, überall hin Hass zu versprühen. Vielleicht bekommen es die blaugelben Fans dann auch mal hin, toleranter gegenüber dem „Kunstprojekt RB Leipzig“ zu sein.

Mein Verhältnis zu Lok Leipzig

Das letzte Mal aktiv über Lok Leipzig habe ich im Jahr 2016 gebloggt. Joar, das ist schon eine Weile. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Ich bin älter geworden. Und mancher würde behaupten, dass man da vielleicht auch weiser wird. Wie dem auch sei. Es gab lange Zeit keine Gelegenheit, in der ich nicht auf den Verein aus Leipzig-Probstheida geschimpft habe. Und das hat auch so seine Gründe. Die haben nämlich viel mit mir selbst zu tun.

Ich bin quasi mit Lok Leipzig aufgewachsen. Ich konnte zwar das Stadion nicht aus meinem Kinderzimmerfenster heraus sehen, aber hören. Und ich habe Heim-Fans und Gäste-Fans bei jedem Heimspiel am Bahnhof Connewitz ankommen gesehen. Über meinem Bett hing ein großes Poster mit einer der erfolgreichsten Mannschaften des Vereins. Ich war großer Fan von Libero Frank Baum und von Mittelfeld-Stratege Matthias Liebers. Was soll ich machen, es war halt so.

Ich war mit meiner Oma einmal im Zentralstadion als Kind, als Lok gegen irgendwen dort spielen musste. Das riesige Stadion war fast leer. Ach, und was ich auch noch einbringen muss: Ein Grund für meinen Vornamen war der frühere Stürmer Henning Frenzel. Und dann kam die Wende, und alles ging kaputt. Nichts mehr mit legendären Spielen wie gegen Girondins Bordeaux. 1991 wurde aus Lok Leipzig wieder der frühere Club VfB Leipzig, der geplündert wurde und in der Versenkung verschwand.

Es wurde ein neuer 1. FC Lokomotive Leipzig gegründet, der in der 11. Liga anfing. Der riesige Name als ewige Nummer 2 der DDR hallte nach. Der VfB wurde irgendwann abgewickelt. Alles ging drunter und drüber. Und man lockte allerlei merkwürdiges Klientel an. Rechte behersschten den Club, Hooligans waren in der Vereinsführung, all das spielte eine Rolle. Und 2009 wurde RB Leipzig gegründet, und mir wurde Lok egal.

Ich habe meinen Frieden gemacht

Wenn du mit einem Verein aufwächst, schaust du doch mal nach, was aus ihm geworden ist. Irgendwie haben sie es in Probstheida geschafft, den Laden nach und nach professionell aufzustellen. Sie haben auch eine Spielbetriebs-GmbH. Und das Stadion ist längst nicht mehr ganz so die Bruchbude, aber eben auch immernoch baufällig. Die erste Mannschaft spielte in den letzten Jahren eigentlich immer oben in der Regionalliga mit. Und dieses Jahr können sie da wieder Meister werden.

Und ganz ehrlich: Dann haben sie auch den Aufstieg verdient. Was sollen denn solche Einlassungen, dass man es dem größten Konkurrenten FC Carl Zeiss Jena wünscht, dass sie gewinnen und Lok Leipzig verliert, weil vor x Jahren die Hooligans auf Unbeteiligte losgegangen sind? Ich habe dazu gelesen, dass das der Verein wohl aufgearbeitet hat. Und nachdem sie in die 3. Liga und damit in den Profi-Fußball aufsteigen wollen, können sie sich so etwas auch gar nicht mehr leisten, oder?

Wer nicht weiß, wovon ich hier erzähle, kann gern unter dem Stichwort „Lok Leipzig“ hier im Blog mal suchen. Ich werde nicht behaupten, dass es dort keinerlei Probleme mehr gibt. Aber gucken wir mal kurz nach Rostock, Dresden, Frankfurt. Gucken wir mal auf all den Quatsch, den die Fans von Borussia Mönchengladbach gegenüber RB Leipzig abziehen. Und wie gesagt, Lok Leipzig hat Besserung gelobt und viele Maßnahmen eingeführt, da muss man ihnen erstmal glauben.

Ich habe jedenfalls meinen Frieden mit den Blaugelben vom „FC Südfriedhof“ gemacht. Wenn es die erste Mannschaft schafft, wieder Regionalliga-Meister zu werden, haben sie meiner Meinung nach auch den Aufstieg in die Dritte Liga verdient. Für mich ist jedenfalls die Zeit der Schimpferei vorbei. Ich habe meinen Frieden mit ihnen gemacht. Ich glaube, andere Fußballfans in Leipzig auch. Jetzt muss es der Verein beweisen, dass wir uns alle nicht getäuscht haben.

Ach, der Uhle wird nun Lok-Fan?

Man kann mir sicherlich viel nachsagen, aber dass ich nun plötzlich wieder zum Fan von Lok Leipzig werde, ist übertrieben. Nein, als Leipziger kann man dem Verein aber wenigstens mal alles gute für das letzte Spiel der Saison wünschen, und wenn sie es gewinnen, dass sie die Aufstiegs-Relegation auch gewinnen. Denn wer regional dann doch recht erfolgreich ist, bei dem ist dann ein Aufstieg kein Zufallsprodukt, sondern einfach mal verdient.

Wenn es wieder um eine Nähe zu einem Fußballclub gehen würde, müsste es bei mir der FC Motor Gohlis-Nord sein. Die spielen auch im eigentlich zweitgrößten Stadion etwa 10 Minuten Fußweg von meiner Wohnung entfernt. Aber da hatte ich noch nie irgendeinen Berührungspunkt. Und Lok Leipzig? Bis auf „Haltet die Ohren steif und baut keinen Scheiß“ fällt mir halt auch nicht viel ein. Die letzten Jahre habe ich halt mehr verfolgt, was RB Leipzig so fabriziert.

Naja, und so wünsche ich den Blaugelben viel Glück, dass sie es nicht versemmeln. Aber das war’s dann auch. Seit dem Niedergang in den Neunzigern ist einfach zu viel passiert, als dass ich nochmal Herzblut für diesen Verein lasse. Mag sein, dass das Alles jetzt in Probstheida seinen geregelten Gang ohne rassistische Übergriffe geht. Aber es war zu lang zu viel kaputt gegangen, als dass mich das über eine gewisse Liebe zur Stadt hinaus irgendwie berührt.

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