Lok Leipzig kann ja doch noch gewinnen

Ich würde mich freuen. Wirklich. Ich würde mich freuen, wenn der vor 10,5 Jahren neu gegründete Verein 1. FC Lokomotive Leipzig, der – nimmt man alle Vorgänger-Vereine mit dazu – eine sehr wechselvolle Geschichte hatte, in ruhigeres Fahrwasser kommen würde und eine gute Basis in der Regionalliga schaffen würde.

Wie ich hier und in den sozialen Netzwerken immer wieder angab, ich bin mit Lok Leipzig groß geworden, und irgendwie schaut man ja doch mit einem Auge noch dahin. Und da fällt auf, dass Lok mal wieder kämpft. Gegen den Abstieg, gegen schlechtes Image, gegen Geldnot. Ein paar Gedanken dazu.

Sie waren schon mausetot. Mal wieder. Die Spieler von Lok Leipzig kämpfen praktisch die gesamte Saison gegen den Abstieg. Der ganze Verein wiederum kämpft um die Existenz. Es wurde viel falsch gemacht. Eigentlich lief seit der “Wende” nicht viel gutes zusammen im Südosten Leipzigs. Das mündete 2003 in der Neugründung und den kompletten Neustart irgendwo in der Stadtliga.

Von der x-ten Liga bis zur Regionalliga war es ein Höllenritt. Begleitet wurde das Ganze mit viel von der “guten, alten Zeit”, mit verblichenen Stars, mit traditioneller Berichterstattung und immer wieder Gewalt. Der Fluch des “Randalierer-Vereins” heftet ihnen an. Mir brannte jahrelang das Herz, wenn ich mitbekam, was bei der “Loksche” wieder los war.

In den letzten Jahren war es aber egal. Denn man hatte sich vor allem an die vielen Management-Fehler gewöhnt. Das ist alles bestens dokumentiert. Man kann das überall nachlesen, das muss ich nicht kommentieren. Ich habe mich von Lok abgewandt. Wie man in meinem Blog mitbekommt, finde ich den RB Leipzig um einiges spannender. Tut mir leid, wenn das viele nicht verstehen können. Aber ich finde das einfach besser. Geld hin, Geld her. Marke hin, Mateschitz her. Aber es ist einfach gut.

Ich finde es ja auch gut, dass die Kicker von Lok Leipzig nach dem, was ich weiß, auch vom Red Bull Leistungszentrum profitieren können. Man darf halt nur nicht unnötig Stolz vor sich herschieben. Was viele blaugelbe Fans immernoch lernen müssen: Der RB Leipzig hat eine gewaltige Strahlwirkung, von der auch Lok profitieren kann.

Aber Lok profitiert ja nicht mal von den eigenen Fans. Irgendwie habe ich mal zur aktuellen finanziellen Misere (die wie vielte ist das eigentlich?) gelesen, dass Lok mit um die 4000 Zuschauern pro Heimspiel geplant hat, um nicht noch mehr in die Bredouille zu geraten. Im Schnitt sind es wohl irgendwas um die 2500 geworden. So auch heute.

Als Vorletzter haben sie vor 2631 Zuschauern den bisherigen 5. der Tabelle, Wacker Nordhausen, zu Gast gehabt. Soweit ich erfuhr, war es ein spannendes, ein gutes, ein packendes Spiel. Und Lok hat gewonnen. Verdient, so wie ich erfuhr. 3:0 ist das Spiel für den krisengeschüttelten Verein aus Leipzig ausgegangen.

Das hilft den Blaugelben insofern, als dass der Abstand zum Nicht-Abstiegsplatz nicht größer wird. 3 Punkte sind es noch, die Lok mehr braucht als der noch gerettete ZFC Meuselwitz. Ob das aber klappt, kann niemand vorhersagen. Jedenfalls würde mir das sehr gut gefallen, wenn Lok Leipzig als zweitstärkste Kraft in Leipzig nicht wieder abstürzen würde.

Heute haben sie gewonnen. Im südöstlichen Stadtteil Probstheida kam es heute zu einem Fußball-Fest, obgleich jedem die prekäre Situation in Tabelle und Management bewusst ist. Das verdient Hochachtung. Vielleicht lernen sie es auch noch irgendwann, dass der RB Leipzig kein Feind ist, sondern durchaus die Lok im Fahrwasser mitziehen kann.

Die Lok gehört aufgeräumt. Ich werde das alles nicht verlinken, was da in den letzten Monaten und – ja – Jahren immer wieder über die Lok erzählt wurde. Sicher ist, dass in der Chefetage des Clubs mit dem Stahlbesen gekehrt werden muss. Irgendwie läuft doch da etwas schief, wenn man a) seine Finanzen nicht im Griff hat und b) die Außenwirkung weiterhin so bescheiden ist. Der Mob, der in Probstheida dominierte, ist fast nicht mehr existent. Es kann nun zu beschaulichen Fußballspielen kommen. Warum arbeitet man dann nicht daran, dass das die Öffentlichkeit auch so sieht?

Ich wünsche der Lok jedenfalls noch viel Glück auf dem weiteren Weg, ein klar denkendes Management, eine bessere Außenwirkung und eine Sanierung des altehrwürdigen Bruno-Plache-Stadions. Für die aktuelle Saison bleiben für die Lok exakt 3 Chancen, um den Abstieg abzuwehren. Zu wünschen wäre es ihnen.

Ich bin mit der Lok aufgewachsen. Ich kann mich nur nicht mehr mit ihr identifizieren. Das war aber schon in den 90ern der Fall, als der frühere Club mal VfB Leipzig hieß. Mag sein, dass meine Sympathie für die Blaugelben irgendwann wiederkommt. Aber ich fühle mich einfach beim RB Leipzig besser aufgehoben. Darum: Viel Glück, liebe Lok.

Bildquelle: Lok Leipzig – mit Tradition in die Zukunft – (C) 1. FC Lokomotive Leipzig e.V.

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