Lok Leipzig – Taumelnd in den Abgrund

Was ist da nur beim 1. FC Lokomotive Leipzig los? Der Verein, der mich viele Jahre meines Lebens interessiert hat, der ein paar Mal pleite war, der ein Problem mit seinen Fans hat. Der taumelt wahrscheinlich nun endgültig dem Abgrund entgegen. Man mag gar nicht hinhören oder hinschauen, was aus dem Verein (mal wieder) geworden ist, der einen als Kind bewegt hat.

Es ist von Vertrauensentzug die Rede. Olaf Winkler, Jens Kesseler, Hartmut Dischereit, Bernd Wickfelder, Michael Notzon und Frank Müller – die komplette Führungsriege der Blaugelben aus dem Leipziger Südosten – eiern unsäglich herum. In einem offenen Brief des Aufsichtsrates an die Vereinsmitglieder wurden diese zur Unterstützung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zur Offenlegung der tatsächlichen Finanzlage des Vereins aufgerufen.

Grund für diesen Bruch zwischen Vorstand und Aufsichtsrat ist laut Leipziger Internetzeitung, dass der Vorstand immernoch keine Budgetplanung für die laufende Saison auf den Tisch gelegt hat und auch sonst mit Informationen geizt.

In einer Präsidiumsmitteilung auf der Webseite des Vereins ist die Rede von einer anberaumten Versammlung im März, die ausschließlich für Mitglieder zur Verfügung steht. Auf dieser Veranstaltung wird es um die aktuelle Lage des Vereins und um die zukünftige Ausrichtung gehen.

Vielleicht steht es um den Verein viel schlimmer als gedacht. Die Leipziger Internetzeitung jedenfalls schreibt, dass die Buchführung nicht intakt sei und es deshalb nicht genau bekannt sei, wie schlimm es um den Verein wirklich steht. Ein Gerücht besagt, dass der Vorstand auf Zeit spielen und auf Spenden hoffen würde. Das klingt mir alles andere als professionell.

Nun hat der Verein auch abgelehnt, weiter Miete für das Stadion zu bezahlen. Deshalb wurde er vom Insolvenzverwalter des Vorgängervereins, des VfB Leipzig, nun verklagt. Fehlende Kommunikation sei einer der Gründe, wie Insolvenzverwalter Friedbert Striewe mitteilt. Der Verein wollte die Namensrechte am Bruno-Plache-Stadion verkaufen, obwohl diese ihm gar nicht gehören. Und so hat Lok Leipzig seit September letzten Jahres keine Miete mehr bezahlt. Bei monatlich 4800 € beläuft sich allein dieser Schuldenstand auf knapp 30000 €.

Dazu kommen noch Mietschulden aus dem Jahr 2011. Striewe wurde von der Leipziger Internetzeitung gefragt, ob er eine Zukunft für den Verein sieht. Er sei ja durchaus zu Zugeständnissen bereit. Dazu sollte man sich vom Verein her aber anders verhalten. Wer miteinander redet, findet auch einen Weg. Aber Striewe meint eben auch:

Wenn sich die Führungspersonen weiter so verhalten wie zuletzt, wird man keine Hoffnung mehr haben dürfen.

Das ist deutlich und zeigt, wer die Misere des Vereins zu verantworten hat. Schade drum.

2 Kommentare

  1. Lok leipzig – taumelnd in den Abgrund

    Sehr geehrtetr Herr Uhle, durch Zufall bin ich auf Ihren Artikel gestossen. Leider ist Ihnen ein bedauerlicher Fehler unterlaufen. Ich bin schon Ende Juni 2012 (!), u.a. mit Hinweis auf fehlende Strukturen und diesbezüglicher unterschiedlicher Auffassung zu den anderen Präsidiumsmitgliedern, aus dem alten Präsidium ausgeschieden.
    Ich war von November 2011 bis zum Juni 2012 ein kooptiertes Mitglied. Ich habe mich dann im Frühjahr 2013 bereit erklärt, in dem neuen “Arbeitspräsidium” ( mittlerweile einstimmig gewählt )mitzuwirken, um einen neuen Kurs des 1. FC Lokomotive Leipzig e.v. zu seiner Rettung einzuschlagen.

    Mit sportlichen Grüßen
    Jens Kesseler
    Vizepräsident 1. FC Lokomotive Leipzig

    1. Hallo Herr Kesseler,

      vielen Dank für die Klarstellung. Ich denke, so klar war das im L-IZ-Artikel auch nicht herauszulesen.

      Ich wünsche dem Verein wirklich eine bessere Zukunft. Schließlich bin ich sozusagen mit ihm aufgewachsen. Aber es gibt zu viele Ungereimtheiten und Probleme. Auf all das weise ich auch immer wieder hier im Blog hin.

      Lok Leipzig war jahrzehntelang die Nr. 1 in Leipzig. Ich glaube – auch wenn so viele von “Tradition statt Kommerz” reden – dass es momentan bestenfalls zu einer Nr. 2 reichen würde. Aber die sollte man solide aufbauen. Und danach sah es leider lange Zeit nicht aus.

      Ich wünsche dem Verein jedenfalls viel Glück. Vielleicht helfen schon neue Strukturen.

Schreibe einen Kommentar

Mit dem Nutzen des Kommentarbereiches erklären Sie sich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.