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Merkwürdiges Stühlerücken beim RB Leipzig

Da bin ich ja ziemlich vom Stuhl gefallen, als ich das neuerliche Durcheinander beim RB Leipzig gelesen habe. Dass Tomas Oral als Trainer nicht mehr tragbar ist, weil er den Fans nicht passt, die Spieler nicht mit ihm zurecht kommen und der geplante Durchmarsch von Oberliga bis 3. Liga nicht klappt, war ja schon längere Zeit klar. Aber was nun passierte, zieht dem interessierten Beobachter die Schuhe aus.

Im Februar begann Thomas Linke seine Arbeit als Sportdirektor bei Leipzigs aktuellem Lieblingsverein. Der Thüringer hatte eine anständige Arbeit bei Red Bull Salzburg abgeliefert und sich somit für den Posten wärmstens empfohlen. Nun ist er zurückgetreten. “Persönliche Gründe” führt er an für diesen Schritt.

Dabei glaube ich felsenfest, dass die angeblichen persönlichen Gründe mit der aktuellen Trainerentscheidung zusammenhängt. Was soll ein Sportdirektor in einem Verein, wenn er über solche wichtigen Entscheidungen wie Trainerverpflichtungen keine Gewalt hat?

Ich glaube nicht, dass Thomas Linke die Verpflichtung von Österreichs Fußball-Obergrantler, Peter Pacult, gutgeheißen hätte. Soweit ich die Statements verfolgt habe, hätte Thomas Linke wohl eine “regionale Lösung” bevorzugt. Also jemanden, der sich in der Region Leipzig und in der Regionalliga auskennt. Also jemanden wie Damian Halata oder René Müller, beide ehemalige DDR-Nationalspieler, lange Jahre Spieler beim Lokalrivalen 1. FC Lokomotive Leipzig und beide Trainer in diesen Regionen des Fußballs.

Aber nein, Dietrich Mateschitz hat sich über alles hinweg gesetzt, was in irgendeiner Weise abseits von globalen Zielen liegt aber auch von essentiellem Wert für einen Fußballverein sein kann. Schamlos vollzog er den Einkauf des ungeliebten Pacult, weil dieser ja unsagbar hohen Fußballsachverstand haben soll.

Das stimmt zwar, aber Pacult ist nach Meinung vieler Spieler, die mit ihm gearbeitet haben / arbeiten mussten, eine menschliche Katastrophe. Fußball ist ein Teamsport. Und die Eigenschaft von Teamsport / Teamarbeit ist, dass man sich untereinander austauscht. Diese Ansicht vertritt jeder, der nach solchen Aspekten, so genannten Soft Skills, gefragt wird. Nur eben “PP” nicht.

Wissen Sie, Herr Mateschitz, Leipzig spielt im deutschen Fußball zwar momentan keine namhafte Rolle und der RB hat erst 2009 angefangen zu existieren, trotzdem bildet sich allmählich eine Fankultur. Das können Sie, lieber Red Bull-Chef, anhand des wohlgepflegten und gut besuchten RB-Leipzig-Fan-Forums beobachten. Scheinbar scheint Ihnen das völlig egal zu sein. Und das, obwohl die beiden Alt-Traditionalisten mit ihren merkwürdigen Verhaltensmustern immer wieder predigen, dass ein Verein ohne Fans nichts ist. Sie, Herr Mateschitz, sind gerade dabei, das zarte Pflänzchen Fan-Kultur zu vernichten.

Und es ist sicher auch nicht so richtig vorteilhaft, den Spielern nur Ein-Jahres-Verträge zu bieten und am Ende der Saison den halben Kader auszutauschen. Wie soll sich denn so Kontinuität entwickeln?

Ich war einmal ein angenehm überraschter, gutmeinender Beobachter von RB Leipzig. Mittlerweile sehe ich das Projekt sehr kritisch. Ich hoffe nicht, dass diese Tage den Anfang vom Ende von RB Leipzig bedeuten. Es wäre schade für die Fußballkultur.

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 thoughts to “Merkwürdiges Stühlerücken beim RB Leipzig”

    1. Sicher war es das. Aber bei anderen Vereinen läuft das doch nicht viel anders. Nein, ich meine hier nicht Vereine wie Schalke 04 oder die Bayern, sondern ich sehe eine ganz ähnliche Situation bei Lok Leipzig.

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