Ralf Rangnick: The Return of the “RB Leipzig DNA”

Ralf Rangnick wurde Ende Juni 60 Jahre alt. Es gibt wohl nicht viele Sportfunktionäre mit mehr Sachverstand. Er ist der Baumeister von RB Leipzig und Co. Davor war er Baumeister bei Red Bull Salzburg und davor von der TSG Hoffenheim. Bevor im nächsten Sommer deren Trainer nach Leipzig wechselt, muss hier aufgeräumt werden. Und das macht dann “der Professor” selbst. Er kehrt zurück auf die Trainerbank.

Ralf Rangnick, Mastermind in Leipzig

Als Ralph Hasenhüttl noch hier Trainer war, kam es dem außenstehenden Fußballfan so vor, als würde dort nicht mehr RB Leipzig auf dem Platz stehen, wie man es kannte. Vor allem in der Rückrunde 2018 kam es zu einigen Aussetzern, die man so nicht gewöhnt war. Aber schon in der Winterpause muss da einiges schief gegangen sein, nachdem mit dem Leihgeschäft um Ademola Lookman mehr oder weniger nur ein Verlegensheits-Deal zustande kam.

So muss sich Ralf Rangnick gesagt haben, dass bei RB Leipzig irgendwie nichts gutes zustande kommt, wenn er es nicht selbst macht. So rappelte es gewaltig im Scouting, in der Nachwuchsarbeit und letztendlich auch auf den Trainer-Positionen. Es ist faktisch alles neu. Und das sieht man auch an den vielen Transfer-Geschichten rund um den Verein. Fast könnte man denken, Ralf Rangnick wäre Roboter Wall-E und sagt sich: “Der Letzte räumt die Erde auf.”

Dass sich Ralf Rangnick wieder auf die Trainerbank setzt, wird allenthalben von den Medien für sehr gut angesehen. Die Meldung hatte es gar ins “Morgenmagazin” der ARD geschafft. Wenn die mit jeder Verpflichtung so verfahren würden, gäbe es wohl ziemliche Tumulte. Man spricht nun davon, dass in Leipzig “The New Ernst” einkehrt. Und das macht der Schwabe als Mastermind. Er bleibt der Architekt, der Baumeister, er ist eben RB Leipzig.

Neue Saison, neues Team

Zum zweiten Mal nun macht er es schon in Leipzig. Damals war es das Zerwürfnis mit Alexander Zorniger, das zur erfolgreichen Interimslösung mit Achim Beierlorzer und dann zur “Wunschlösung” Rangnick führte. Jetzt ist es ähnlich. Damals kam der Aufstieg in die Bundesliga dabei heraus. Jetzt hofft man auf die Champions League. Dazu hat Ralf Rangnick ein neues Team um sich herum geschart. Das mag in Teilen verwundern, ist aber eine logische Konsequenz.

2015 wurde Jesse Marsch von der Major League Soccer zum “Coach of the Year” gewählt. Er erreichte mit den New York Red Bulls 2015 und 2016 den 1. Platz der Eastern Conference der MLS und 2017 dort den 6. Platz. Im Lamar Hunt US Open Cup allerdings war man Finalist. Er wird der Co-Trainer neben dem schwäbischen Allesmacher. Gemeinsam mit Robert Klauß, der nur mäßige Erfolge mit der Leipziger U19 feiern konnte.

Weiter geht es mit Lars Kornetka,der der neue Co-Trainer und Video-Analyst wird, Daniel Behlau als neuer Athletik-Trainer und Max Pelka als neuer Mentaltrainer. Dazu hat der Verein neue Scouting-Chefs und Team Manager. So rücken Jochen Schneider und Paul Mitchell sowie Tim Sebastian und Babacar N’Diaye ins Funktionsteam. Einen neuen Integrationsbeauftragten gibt es mit Jens Andrei ebenfalls. Also eine brandneue Führungsriege am Cottaweg.

Es scheppert in der Mannschaft

Mittlerweile kommt es dem Außenstehenden so vor, als stünde auch in den einzelnen Mannschaftsteilen alles mögliche auf dem Prüfstand. Irgendwo habe ich dieser Tage mitbekommen, dass man gar bereit ist, für Ademola Lookman sogar Emil Forsberg zum FC Everton zu geben. Ob das denkbar ist, wage ich aber zu bezweifeln. Jedenfalls scheint nun alles möglich zu sein, um ein schlagkräftiges Team für die enorm lange Europa League, für den DFB-Pokal und die Bundesliga zu schaffen.

Bisher weiß man von den folgenden Zugängen bei RB Leipzig:

  • Nordi Mukiele (HSC Montpellier)
  • Matheus Cunha (FC Sion)
  • Marcelo Saracchi (River Plate)
  • Dominic Minz (RB Leipzig U19)
  • Elias Abouchabaka (RB Leipzig U19)
  • Omer Damari (Maccabi Haifa – Leih-Ende, wohl ohne Chance)
  • Marius Müller (1. FC Kaiserslautern – Leih-Ende, unklare Zukunft)
  • Felix Beiersdorf (BSG Chemie Leipzig – Leih-Ende)
  • Atınç Nukan (Beşiktaş Jimnastik Kulübü – Leih-Ende, soll Chance bekommen)
  • Massimo Bruno (RSC Anderlecht – Leih-Ende, unklare Zukunft)

Als Abgänge sind derzeit neben dem bereits vollzogenen Deal mit Naby Keita bekannt:

  • Bernardo (Brighton & Hove Albion)
  • Benno Schmitz (1. FC Köln)
  • Anthony Jung (Brondby IF)
  • Agyemang Diawusie (FC Ingolstadt)
  • Dominik Kaiser (Brondby IF)
  • Philipp Köhn (FC Red Bull Salzburg)
  • Zsolt Kalmár (Dunajska Streda)
  • Vitaly Janelt (VfL Bochum)

Gerüchte gibt es auch noch. So ist man wohl wie in der Winterpause wieder an Úmaro Embaló (Benfica Lissabon U19) dran. Und heißt diskutiert wird auch der Zugang von Tyler Adams (FC Red Bull Salzburg). Aber alles wird durch Ademola Lookman in den Schatten gestellt. Ob man sich tatsächlich mit dem FC Everton einigen kann, kann niemand sagen.

Als Abgänge in der Gerüchteküche werden derzeit neben Emil Forsberg (in Richtung Halb-Europa) auch Yussuf Poulsen (Premier League), Lukas Klostermann, Timo Werner und Massimo Bruno gekocht. Mal schauen, was sich da so tut. Am Ende zeigt es aber auch, dass die Mannschaft gewaltig umgebaut wird. Und das bedeutet in der Konsequenz, dass sich kein Spieler seines Platzes sicher sein darf.

Ralf Rangnick macht in der Champions League das Bett für Julian Nagelsmann

Bekanntlich übernimmt ab der Saison 2019 / 2020 ein gewisser Julian Nagelsmann den Cheftrainer-Posten. Bis dahin soll alles geregelt sein: Die Champions League soll erreicht sein, die Mannschaft in einem gesunden und guten Zustand, die neue sportliche Leitung eingespielt sein. Mit anderen Worten: Ralf Rangnick bereitet das Bett für Julian Nagelsmann vor. Wenn das nicht gelingt, kann “der Professor” allerdings niemanden außer sich verantwortlich machen.

Das ist ein gefährliches Spiel. Aber das Ganze ist dann alles andere als ein Übergangsjahr. Die Saison 2018 / 2019 wird mit RB Leipzig eine blanke Kampfansage an die gesamte Bundesliga und an ganz Europa gleich mit. Wenn man sich das so anschaut, was da bei RB Leipzig alles mit dem Backnanger Jungen in den letzten Wochen passiert ist, dann kommt man zweifelsohne zu dem Schluss: Ralf Rangnick ist der Sportfunktionär mit den dicksten Eiern.

Der Mann hat Bock auf die neue Saison mit all dem Trubel und der viel zu langen Europa League, wenn es bis zum Endspiel nach Baku geht. Er musste nicht überredet werden. Er will sich ein Denkmal setzen. Und das werden sie ihm auch bauen können, wenn er Erfolg hat. Direkt am Glockenturm des alten Stadions, wenn dann die Red Bull Arena umgebaut ist. Er will sie zu neuem Leben erwecken, diese ominöse “RB Leipzig DNA”.

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