Ralph Hasenhüttl: Ende einer Ära bei RB Leipzig

Eigentlich alles wie immer: Ein Trainer, der eine am Ende doch noch erfolgreiche Saison mit seiner Mannschaft gespielt hat, wird vor die Tür gesetzt. Das hatte RB Leipzig schon mal mit Alexander Zorniger durchgezogen. Ralph Hasenhüttl ist nicht mehr länger Trainer des Bundesligisten. Und man fragt sich: Warum das? Sicher, es muss sportliche Gründe gegeben haben. Aber ein Platz 6 in der Bundesliga ist jetzt nicht abstiegsgefährdet. Wieso behandelte man den Österreicher also wie einen Tanzbären?

Ralph Hasenhüttl und das fehlende Vertrauen

Ich weiß noch, wie das war, als Sportdirektor Ralf Rangnick damals Alexander Zorniger vor die Tür gesetzt hatte. Der Schwabe hatte zu erfahren bekommen, dass man in der folgenden Saison nicht mehr mit ihm planen würde. Daraufhin hatte sich der Trainer dazu entschlossen, die Brocken hinzuwerfen. Damals spielte RB Leipzig auch eine gute Saison in der zweiten Bundesliga. Irgendwas muss da persönlich zwischen Rangnick und Zorniger gestanden haben.

Nun also Hasenhüttl, schrieb ich zum Antritt des Österreichers, als es noch nicht fix war. Der Grazer schaffte mit seinem Team im ersten Jahr einen direkten Champions League Platz. Im zweiten Jahr spielte man Champions League und verabschiedete sich erst im Viertelfinale aus der Europa League. Die Saison schloss man auf Platz 6 ab. Es gab einige merkwürdige Spiele. Aber vermutlich war das nicht ausschlaggebend. Irgendwas muss da persönlich zwischen Rangnick und Hasenhüttl gestanden haben.

Entschuldigen Sie, aber mir kommt es nicht so vor, als wäre fehlendes Vertrauen der Grund gewesen, wieso man den Vertrag mit dem Trainer nicht vorfristig verlängert hatte. Wie Sie sehen, nehme ich bei den beiden prominenten Rauswürfen an, dass da irgendwas auf persönlicher Ebene schief gegangen sein muss. Da Zorniger und Hasenhüttl irgendwie nicht wie ähnliche Charaktere wirken, weiß ich nicht, inwiefern hier Ralf Rangnick eine tragende Rolle spielt.

Die Fehler im Verein

Zunächst einmal müssen wir festhalten, dass Ralph Hasenhüttl einfach nicht genügend Spieler zur Verfügung hatte. Viele rieben sich ja die Augen, als sie Woche für Woche sahen, dass (nahezu) die gleiche Elf auflief. Auch mit vielen Verletzungen musste man umgehen. Ein Kader von 24 Spielern inklusive 3 Torhütern ist da nicht viel. Zum Vergleich: Die Bayern haben 28 Spieler, Dortmund und Hoffenheim auch. Und mit denen muss sich RB Leipzig messen. Gut, der 1. FC Köln ist mit 32 Spielern abgestiegen, aber das hatte andere Gründe.

Man hatte auch immer das Gefühl, dass aus dem Nachwuchs zu wenig nachrückt. Laut Ralf Rangnick ist dieser aber zu schlecht. Klar, die U19 spielt in der unteren Hälfte ihrer Liga. Aber die U17 hat Platz 2 der B-Jugend-Bundesliga geschafft. Aber wenn man erst den Nachwuchs so lobt und sich für die Jugendarbeit rühmt, macht es ein komisches Bild, wenn genau das dann als grottenschlecht hingestellt wird. Und diesen Eiertanz hat man immer wieder vollführt.

Am Ende hatte unter genau diesen Dingen der Profibetrieb und damit Ralph Hasenhüttl zu leiden. Dann verweigerte man ihm die Vertragsverlängerung und schnitt ihm damit die Zukunftsplanung ab. Noch dazu fehlte es von der Clubführung her an Rückendeckung. Hasenhüttl muss sich wie ein entmannter Löwe vorgekommen sein. Noch dazu, als man ihm die Unterstützung versagte, als RB Leipzig in der Liga die Bayern schlug. Was sollte er dann also anderes machen und unter diesen Bedingungen die Brocken hinwerfen?

RB Leipzig und die ungewisse Zukunft

Man kann jetzt alles infrage stellen. Wie mit Ralph Hasenhüttl umgegangen wurde, ist keine Art und Weise, wie ein Proficlub arbeiten sollte. Ich nehme an, dass da irgendwas menschlich nicht mehr gepasst hatte. War es die verfehlte Einkaufspolitik? War es das eine oder andere Mal, als sich Ralph Hasenhüttl kritisch geäußert hatte? Was es auch immer war, es kann nicht das sportliche Abschneiden gewesen sein, da sich dies dann nicht mit den Zielen zu Beginn der Saison gedeckt hätte.

Und was ist das für ein fatales Zeichen für einen neuen Trainer? Sitzt man bei RB Leipzig wie Alexander Zorniger und Ralph Hasenhüttl immer direkt auf dem Schleudersitz? Jetzt wird eine Personalie ganz heiß diskutiert: Der bisherige Trainer der U19, Robert Klauß, könnte Ralph Hasenhüttl beerben. Der Trainer also, der dafür verantwortlich ist, dass die U19 so abflachte, soll die Profis führen? RB Leipzig auf den Spuren von Florian Kohlfeldt (Werder Bremen) und Julian Nagelsmann (TSG 1899 Hoffenheim)?

Mir will das nicht so richtig in den Kopf. Der gebürtige Eberswalder Stürmer hatte immer unterklassig gespielt und hatte in der zweiten Mannschaft des SSV Markranstädt seine Karriere beendet. Der 33-jährige trainierte diverse Jugendmannschaften, hat also “Stallgeruch”. Er ist einer aus den eigenen Reihen. Allein das macht die Sache spannend und schlüssig. Aber der erfolgsverwöhnte Rangnick geht dabei ein Risiko ein, dass Erfolge eben auch ausbleiben.

Emanzipation von Red Bull?

Es war immer wieder die Rede davon, dass man sich von Red Bull als Geldgeber emanzipieren will. So auch, als ich damals in der Akademie war. Gegenüber dem österreichischen Unternehmen hat der Club jede Menge Verpflichtungen. Und die wollen bedient werden, um perspektivisch den Einfluss des Unternehmens zu reduzieren. Denn das ist nach wie vor der Plan. Mit dem Erreichen der Europa League muss der Plan vertagt werden. Um die Kosten zu senken, setzt man also auf die Billig-Lösung.

So ungefähr könnte das Ganze gedacht sein. Ohne jetzt Robert Klauß zu nahe treten zu wollen, aber er wird schon wesentlich weniger Gehalt bekommen als Hasenhüttl. Und vielleicht hat das Ganze dann auch zur Folge, dass die Breite des Kaders durch den einen oder anderen Spieler aus dem Nachwuchs vergrößert wird. Dann müsste man nicht so ausufernd auf dem Transfermarkt zuschlagen. Aber vielleicht sind das auch alles leere Spekulationen.

Danke Ralph!

Jetzt liest man in einer Tour Dankesbekundungen in Richtung des geschassten Österreichers. Ralph Hasenhüttl war ein Segen für den Club. Und er war durch seine echte Art eben auch irgendwie nah. Ralph Hasenhüttl galt in Leipzig als Integrationsfigur. Vielleicht wollte man das von der Clubleitung auch nicht mehr. Denn nehmen Sie es mir mal nicht übel, aber so arg kommunikativ in Richtung Fans ist Oliver Mintzlaff nicht. Vor allem, wenn man ihn mit Uli Hoeneß vergleichen würde.

Ralph Hasenhüttl hat Europa nach Leipzig geholt und ziemlich sehenswerte Partien spielen lassen. Er hatte das Team, um enorm temporeichen Fußball spielen zu können. Damit war er erfolgreich. Für die Fans wird nun ein riesiges Loch aufgerissen. Ob dieses Loch Robert Klauß stopfen kann, weiß ich nicht. Falls er der Nachfolger ist. Der müsste nämlich auch mit Ralf Rangnick und Oliver Mintzlaff erstmal klarkommen. Und das war wohl mit Ralph Hasenhüttl nicht mehr gegeben. Dennoch kann man sich bei ihm bedanken. Für sensationelle 2 Jahre.

2 Kommentare

  1. Am vorletztem Absatz kann durchaus was dran sein.
    Ist halt blöd wenn man im Winter IN Gedanken schon Geld ausgibt was noch gar nicht eingetütet war. Als am letztem Spieltag die Blase platze war RR wohl ein wenig konsterniert. Sehr schlechter Stil dieses Zorniger 2.0.

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